Ein Recke, drei Elfer

Der schöne Tim rannte los. Mit ausholenden Schritten und wild schlenkernden Armen sprintete der Mann im knallgelben Top wie vom Affen gebissen aus seinem Kasten. Auf dem TV-Sessel spannte man sich innerlich an. Gleich musste „Zücho-Tim“ auf den herannahenden Stürmer treffen. Dutzende Male hatte man dies Schauspiel schon beobachtet und wusste: Solche Begegnungen gingen in dieser Konstellation selten schmerzfrei aus, jedenfalls für den Angreifer.

Doch kein HSV-Spieler weit und breit, stattdessen rannten zehn schwarz gekleidete Gestalten ihrerseits auf den freidrehenden Torwart zu. Wieses Mitspieler. Doch der wildgewordene Keeper sah seine Kameraden gar nicht und sprintete stattdessen unverdrossen in Ben-Johnson-Manier an der jubelnden Meute vorbei, quer über das Spielfeld, bis er kurz vor dem Werderfanblock in eine Werbebande krachte.

Tim Wiese, in der Vergangenheit eher mal für das Ausscheiden seiner Mannschaft zuständig, war diesmal DER Verantwortliche fürs Weiterkommen. Ein Elfmeterschießen wie zuletzt von Zettel-Jens, ach was: besser! Drei parierte Strafstöße, einen solch fulminanten Auftritt hatte wohl nicht mal einer wie Frank Rost. Obwohl der ja bekanntlich der Teufel persönlich ist.

Torsten Frings nannte Wiese nach dem Spiel nicht Teufel sondern schlicht „Elfmeterkiller“ und stellte fest: „Im Training hält er fast alle Elfer!“ Frings hätte auch behaupten können, Bremens Schlussmann sei ein Albino – jeder einzelne von der Weser angereiste Fan hätte es ihm vom Fleck weg geglaubt. Nun ist Wiese, der sich weder in der Bundesliga noch in einem anderen Wettbewerb je zuvor als besonders effektiver Elferkeeper geoutet hatte, ein Elfmeterkiller. Und Frank Rost ist wieder Frank Rost.

(„Zücho-Tim“ Courtesy of Gianluca Muller)

Die Wandervögel – Mauertaktikelf (3)

Heute kommt die neue MT-Elf. Es dreht sich diesmal alles um richtige Vögel. Die Wandervögel der Bundesliga. Es handelt sich um aktuelle BuLi-Spieler, die auf eine teilweise beeindruckende Anzahl von Karrierestationen verweisen können. Es gibt da ja immer zwei Möglichkeiten: Man bleibt seinem Verein treu oder springt auf das Wechselkarussell auf. Die Treue sorgt natürlich für einen Sympathiebonus, aber wäre beispielsweise Mesut Özil ewig bei Westfalia Gelsenkirchen geblieben, hätte sich sein Nationalmannschaftsdebüt wohl etwas verzögert. Hier sind also die 11 Flattermänner. ne, hier!