Totaler Skandal!

Absolut unglaublich, aber wirklich wahr: Vor ca. 5 Jahren zum ca. 60. Geburtstag von Jupp Heynckes traf Mauertaktik-Praktikantin Lara Höllenreich* Don Jupp zum lässigen Barinterview an der Theke der Hotelbar im Bayerischen Hof. Was dabei herauskam? „Plump, geil und ekelhaft“, wie es der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft, Hans-Michael Klein, jüngst in einem ganz ähnlichen Zusammenhang feststellte. Doch lest selbst und seid erschüttert. Das Protokoll…

Ich habe mich so professionell auf das Treffen mit Jupp Heynckes vorbereitet, wie man sich als unvorbereitete Praktikantin nur vorbereiten kann: Habe meinen schönsten Push-up-BH herausgelegt und extra noch einen großen Löffel Olivenöl geschluckt, damit ich später an der Hotelbar länger durchhalte als die Trinkprofis und vielleicht noch was ganz Exklusives aus einem besoffenen Trainerfuchs herausbekomme. Bleistift angespitzt und extra eine neue Seite im Notizblock angefangen. Ich bin halt eine richtig gute Journalistin.

Tag X ist da und ich stehe vorm Bayerischen Hof. Ein Prachthotel. König Ludwig I. wusste schon damals, was gut ist: Ein ordentlicher Satz Brüste, die auch ein Dirndl füllen können und eine komfortable Herberge, falls mal Gäste kommen. Es stimmt, ich stehe vor diesem Gebäude und denke „Wow, ich bin so professionell, aber das hier ist einfach mal Gründerzeit-Erotik in Stein gemeißelt“. Doch keine Zeit, noch länger zu schwärmen, ich muss weiter. Ich habe eine Mission.

Bevor ich mich zu den Promis an die Hotelbar stellen darf, werde ich noch kontrolliert. Einfach widerlich, dass man sich abtasten lassen muss, nur weil der liebe Herrgott einen mit Brüsten gesegnet hat. Vielleicht werde ich später einmal darüber berichten. Ich weiß es noch nicht. Ich werde diese Art der Kontrolle beobachten und schauen, ob mein Eindruck bestätigt wird. Jetzt muss ich erst mal weiter.

Ich komme an die Bar, der Barkeeper fragt mich mit einem Lächeln „Was darf ich Ihnen bringen?“, so ein Sexist. Nur weil ich eine Frau bin, denkt dieser Macho, dass ich Hilfe brauche. Ich spiele sein dreckiges Spiel mit und bestelle vollkommen gleichberechtigt einen Orange-Ingwer-Tee. Und es wirkt, sein Lächeln schwindet. So viel Alice Schwarzer hat er mir gar nicht angesehen.

Ich lasse also meinen Tee etwas abkühlen und dann kommt er: Jupp Heynckes. Er steht direkt neben mir und bestellt bei diesem feist lächelnden Schaumschläger hinterm Tresen einen Weißwein. Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage ihn „Herr Heynckes, auf ein Wort vielleicht. Oder soll ich Jupp sagen?“ Jupp Heynckes‘ Augen sehen mich absolut nichtssagend an: „Herr Heynckes wäre mir ehrlich gesagt am liebsten.“ So ein Chauvi, nur weil ich eine Frau bin, soll ich ihn siezen? Ich gehe zum Angriff über: „Herr Heynckes, woher kommt Ihr Erfolg?“

Jupp, wie ich ihn ab sofort heimlich nenne, kann diese unfassbar dämliche Frage offenbar genauso wenig fassen wie ich und schaut mich im Wegdrehen etwas verstört an und berührt dabei meine Hand. Das Schlimmste daran ist, dass er sich ganz beiläufig dafür entschuldigt, als wenn nichts wäre. Einerseits tief empört über so viel sexistische Dreistigkeit, andererseits im guten Wissen, die totale Hammerstory an Land gezogen zu haben, bin ich hin- und hergerissen, wie ich reagiere. Ich entscheide mich dafür, ihm diese Frechheit durchgehen zu lassen und rufe ihm nur noch leicht erregt nach „Osram, glühst Du immer so?“ Doch da kommt auch schon seine Sprecherin. Sie entschuldigt sich bei Don Jupp und rät mir: „Zeit fürs Bett.“

Wieder mal typisch, denke ich, eine Frau muss seine Sprecherin sein. Warum sind Sprecherinnen nie Männer? Eine verdammte Ungerechtigkeit ist das. Ich überlege, ob dieses Thema für eine Story taugt, während ich durch die dunklen Gassen Münchens den Heimweg antrete. Wir werden sehen. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Möglichkeit.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert resp. frei erfunden

3 Gedanken zu „Totaler Skandal!“

  1. Dem kann ich nur beipflichten: Chapeau und meinen besten Dank für den einzig lesenswerten Kommentar zu dieser unsäglichen und in der Jahreszeit verirrten Sommerlochdebatte.
    Herr Ober, noch ein Herrenwitz, ähh Herrengedeck bitte.

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