Treppenwitz dahoam!

„So is Fußball!“ posaunte es gestern nach dem skandalösen Cup-Diebstahl des FC Chelsea gefühlte 74 Mal aus diversen Experten-Mündern. Immer wieder bemühten die sogenannten Fachleuten diese abgedroschenste aller Floskeln, um diesen selbst für Bayern-Hasser nur schwer erträglichen Zustand nach Abpfiff zu erklären. Der FC Bayern hatte im gestrigen Champions-League-Finale die historische Chance, erstmals den Pott vor eigenem Publikum zu holen. Und es sah sehr lange sehr gut aus.
Die Bayern dominierten das Spiel in den 120 Minuten von München, ein für ein Finale absurdes Eckenverhältnis von 20:2 (oder so ähnlich) und Ballbesitz von gefühlten 70:30, dazu jede Menge hochkarätiger Chancen bis hin zu einem veregebenen Elfmeter. Bayern beeindruckte. Chelsea tat genau 5 Minuten etwas für das Spiel und das reichte, um die Führung von Müller zu egalisieren und sich ins Elfmeterschießen zu retten. Russisch-Roulette für Abramowitschs Spielkiller.

Dass eine derart destruktive Spielweise am Ende über Spielfreude obsiegt, ist ekelhaft. Schon Barcelona hatte im Halbfinale diese bittere Erfahrung machen müssen, hätte niemals ausscheiden dürfen, gäbe es einen gerechten Fußball-Gott. Nun hat es also die Bayern erwischt: haushoch überlegen und offensichtlich besser, aber dennoch am Ende mit leeren Händen und hängenden Schultern. „So is Fußball“ kann mich mal. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieser Fußball-Gott zur EM wieder fängt.

3 Gedanken zu „Treppenwitz dahoam!“

  1. Chelsea hat mit seinen Mitteln das Optimum herausgeholt – sowohl gegen Barca als auch im Finale. Schön? Nein. Effektiv? Ja. Gerecht? Zweifelsohne. Denn es ist dem FCB nicht gelungen, aus Überlegenheit heraus das Spiel für sich zu entscheiden – trotz bester Möglichkeiten dazu. Jetzt dem Sieger Destruktivität vorzuwerfen ist naiv. Eines hat der FCB in dieser Saison erreicht: Er ist mit Barca in dieser Saison auf Augenhöhe – das ist der Treppenwitz der Geschichte: Dass man dabei letztlich leer ausgeht.

    Der FC Chelsea hat aus seinen Stärken das Nonplusultra herausgeholt – sowohl im Halb- als auch im Finale. Das kann man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen. Wir mögen Verlierer sein – aber keine schlechten.

  2. Du bist ja nicht ganz knusper, H. Nuta. Das war doch beste Abendunterhaltung. Ein Schalker jedenfalls ist mit zufriedenem Grinsen eingeschlafen. Wie oft sind knappe Entscheidungen – nicht minder ungerecht – zugunsten der Bauern ausgefallen? Auch wir Schalker haben mal ein Spiel bei 19:0 Ecken 0:1 verloren. Da hat man uns fehlende Cleverness vorgeworfen. Dagegen wurde den Bauern sogar für einen verschossener Elfer von Kutzop Cleverness bescheinigt. Ich finde, hier hat der Fußballgott mal – ohne die Hilfe eines Unparteiischen und ohne Herrn Merk – für ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt.

  3. Chelsea hat den Cup nicht geklaut. Die Bayern waren wie der FC Barcelona vorher einfach nicht gut genug gegen das destruktive Gekicke anzukommen.

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