Bundesliga vor Entscheidung

Das Gigantenduell zwischen Meister Dortmund und dem FC Bayern ist gespielt und nun sieht es so aus, als wird der BVB seinen Titel verteidigen können. Die ganze Republik spricht von einer „Vorentscheidung“ im Meisterschaftskampf. Was bedeutet das eigentlich?

Was bitte ist eine Vorentscheidung? Und warum muss man davon reden? Eine Vorentscheidung ist offenbar keine Entscheidung, sonst würde man wohl sagen: Die Entscheidung ist gefallen. Die Vorentscheidung ist also mindestens einen Entwicklungsschritt vor der Entscheidung. Nichts Klares. Nichts Endgültiges. So gesehen nichts wirklich Nennenswertes.

Entweder etwas ist endgültig, also feststehend, nicht mehr vermeidbar, dann ist es entschieden; oder es ist eben noch nicht endgültig, also noch offen, dann ist es in Bezug auf eine Entscheidung nicht der Rede wert, aber nein: wir brauchen hier natürlich einen Begriff wie „Vorentscheidung“. Nichts Sicheres, schön schwammig, man muss sich nicht festlegen. Herrlich.

Man kennt das von der Vorhölle. In der Vorhölle sollen laut katholischer Theologie diejenigen Seelen Platz finden, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind. Also nicht so richtig Hölle eben. Doch schon an dieser Stelle hinkt dieser Vergleich auch direkt. Denn dass der FC Bayern sich gestern gegen die Dortmunder die vierte Niederlage in Folge abholte, war ja durchaus selbst verschuldet. Man kann sagen, der Fußball-Gott hat gegen den Teufel obsiegt, weil der Teufel in Gestalt von Arjen Robben, dem gefallenen Engel resp. dem ständig fallenden Jammerlappen, das Spiel einfach mal klar verkackt hat. Abseits aufgehoben, Elfmeter verschossen, Hundertprozentige kläglich vergeben. ‚Die Vorentscheidung in der Vorhölle‘ könnte man jetzt schreiben. Sollte man halt nur nicht.

Übrigens, noch sinnloser als Vorentscheidung war dann gestern Abend noch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der davon sprach, dass Dortmund jetzt „zu 99 prozentiger Sicherheit“ (!) Meister wird. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr. Oder mit 100 prozentiger Wahrscheinlichkeit dann doch eher nicht.

7 Gedanken zu „Bundesliga vor Entscheidung“

  1. trallalla, die Eisenbahn,
    wer will mit nach Bochum fahr’n,
    alleine fahren mag ich nicht,
    da nehm ich mir die Hertha mit

  2. @rätselfuchs: danke für den link, der begriff der präjudiz ist durchaus bekannt. ich bleibe dennoch dabei, dass es im fußball (und darum geht es hier auf unserer seite ja) nicht so wahnsinnig clever ist, von einer vorentscheidung zu sprechen, wie immer alle tun. der begriff wird in diesem zusammenhang inflationär und mit wenig bedacht verwendet.

  3. Nach der eher durchwachsenen, vorallem aber glücklosen letzten Saison, bin ich gespannt ob Bayern dieses Jahr den Schalter umlegen kann! In den ersten beiden Spielen lief es ja schonmal besser!

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