Dr. Theo und Co.

Wolfgang Niersbach wird neuer DFB-Präsident, wenn Onkel Theo im kommenden Jahr seinen Hut nimmt. Er habe „gewaltigen Respekt“ vor diesem Amt, ließ der Generalsekretär des Verbands mitteilen. Mauertaktik sagt, warum der Mann absolut Recht hat. Hier kommen seine Vorgänger.

Los ging die ruhmreiche Geschichte der DFB-Würdenträger mit Prof. Dr. Ferdinand Hueppe. Er wurde vor 111 Jahren im Leipziger Lokal „Mariengarten“ aus einer Bierlaune heraus an die Spitze des damaligen Fantasie-Verbands gewählt. Dabei war der akademische Tausendsassa mit dem Rauschebart nicht mal in Deutschland, sondern in Prag tätig. Vier Jahre später kam folgerichtig das Aus für ihn per FIFA-Dekret. In den Startlöchern stand ohnehin bereits der nächste, nämlich Friedrich-Wilhelm Nohe. Der passionierte Süddeutsche verscherzte es sich allerdings binnen kürzester Zeit mit allem und jedem und wurde so zum DFB-Äquivalent von 33-Tage-Papst Albino Luciani (allerdings überlebte Nohe sein Amt um 36 Jahre).

Nicht noch mal, dachten sich die Jungs beim DFB, und sorgten fortan dafür, dass man sich direkt auf 20 Jahre wählen lassen musste. So lange fungierten dann auch jeweils Gottfried Hinze und Felix Linnemann. Und schon war 1945, Deutschland kaputt und auf den Fußballfeldern bauten die Menschen Kartoffeln an. Woran die beiden honorigen Herren nun wirklich keine Schuld trugen.

1949 erst ging es weiter mit dem organisierten Fußball in unserem schönen Land. Mit dem Amtsantritt von Ex-Referee Peco Bauwens brach die Zeit der großen Erfolge an. Am Ende seines ersten Fünfjahresplanes wurde die deutsche Elf erwartungsgemäß Weltmeister in der Schweiz. So sehr freute sich der Verbandschef darüber, dass er im Löwenbräukeller zu München einer pathetischen Lobrede auf die „Volksbewegung“ namens Fußball anhob, die der Staat „lenken, steuern und fördern“ solle. Das wiederum fanden die Menschen damals nicht mehr ganz so knorke.

Wie dem auch sei, Peco blieb noch bis 1962 im Amt, und nach ihm verarztete wieder mal ein Doktor (nämlich Hermann Gösmann) die Wehwehchen der deutschen Fußballfunktionäre und war für alle Verbandsangelegenheiten (Mull, Ideal, Hansaplast) zuständig. In Gösmanns Amtszeit fielen der erste EM- und der zweite WM-Titel. Der Chef stand still genießend im Hintergrund. Und übergab 1975 Zepter und Reichsapfel an Hermann Neuberger. Der gebürtige Journalist und hauptberufliche Saarländer wurde dann bis 1992 zu einer wahren Ikone. Doch auch wenn zwei weitere große Titel in seine Amtszeit fielen, so ragt doch eine Entscheidung von schier visionärer Beschaffenheit heraus: 1988 holte Neuberger den jungen Wolfgang Niersbach zum DFB, der in den folgenden 23 Jahren behutsam für das höchste Amt im deutschen Fußballstaate aufgebaut wurde.

Weil Niersbach sich zierte und zierte, wurden an der Otto-Fleck-Schneise zwischenzeitlich zahlreiche kommissarische Amtswalter verschlissen (Egidius Braun, MV, Onkel Theo). Nun aber ist es soweit. Nur noch ein knappes Jährchen müssen wir warten, bevor die Nummer elf den Dienst antritt und den deutschen Fußball in eine neue, goldene Zeitrechnung führt.

Mauertaktik freut sich auf den Moment, wenn in der DFB-Zentrale der Satz ertönt: „Meine Damen und Herren, ich nehme die Wahl an!“ Jetzt von uns schon mal toitoitoi.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.