Deutschland-Holland: Der Spielfilm

Die DFB-Auswahl empfängt die niederländische Elftal in Hamburg. Ein Klassiker, wie er klassischer kaum mehr sein kann. Es ist viel passiert zwischen diesen beiden Teams, was den Schluss nahelegt, dass wir am Dienstag irgendwie alles schon mal gesehen haben. Das Testspiel im Mauertaktik-Spielfilm.

1. Minute. Elfmeter für Holland! Sneijder dringt Sekunden nach dem Anpfiff in den Strafraum ein. Badstuber ist in Gedanken noch an der Hand des Einlaufkindes und bringt Wesley the Wiesel mit einer unbeholfenen Grätsche zur Strecke. Den fälligen Strafstoß trümmert Mark van Bommel in die Tormitte. Neuer ohne Chance. 0:1!

22. Minute. Van Bommel spuckt Mario Gomez nach einem Wortgefecht in die Popper-Tolle. Der greift sich verdutzt in den Kamm, schaut dann zum Schiri – der beiden Spielern Rot gibt! Während Hollands Agent Provocateur versonnen über seinen Coup lächelt, versteht Fußball-Deutschland die Welt nicht mehr. ZDF-Mann Bela Rethy versteigt sich zu einer üblen Tirade gegen den türkischen Referee Cakir. Man solle den Mann doch bitte zurück nach Anatolien schicken, schreit Rethy, der sofort vom Sender genommen wird. Für die restliche Spieldauer springt der zufällig anwesende Markus Lanz ein.

25. Minute. Elfmeter für Deutschland! Miroslav Klose, nun einziger Stürmer, dribbelt von der halblinken Seite in den Strafraum, den Ball eng am Fuß. Da kommt Mathijsen von der Seite angerauscht, Klose hebt mit hochgerissenen Armen ab wie ein Ferienflieger – und der wackere Cakir zeigt erneut auf den Punkt. Lanz enthält sich eines Kommentars. Der junge Bayer Kroos schnappt sich die Kugel, läuft an und verlädt Stekelenburg, der sich nicht mal hinschmeißt, eiskalt! Der Ausgleich!

50. Minute. Bei nur noch 18 Feldspielern auf dem Platz werden die taktischen Formationen in der zweiten Hälfte aufgeweicht. Verteidiger Mertesacker findet sich auf Linksaußen wieder und setzt plötzlich zum doppelten Übersteiger an. Van der Wiel kann die Flanke von der Grundlinie nicht verhindern – und in der Mitte netzt Podolski volley zur Führung ein! „Merte ist kein Rastelli“, trägt Lanz frei aus dem ‚Buch der 1000 Sprüche‘ vor, „aber heute hat er das Handwerk zur Kunst erhoben!“

89. Minute. Alles wartet auf den Schlusspfiff. Noch einmal wird der Ball durchgesteckt zu Maskenmann Huntelaar, der bislang eher einem Phantom geglichen hat. Diesmal aber ist er einen Schritt schneller als sein Bewacher Höwedes, grätscht in den Ball und bugsiert ihn tückisch Richtung langes Eck. Neuer streckt sich – vergeblich! „Het Volksparkstadion is van Oranje“, orgelt der kommerzkritische holländische TV-Kommentator. Und dann ist Schluss.

Nach dem Spiel. Der zum Trikottausch auf den Platz zurückgekehrte van Bommel wischt sich mit dem Jersey von Mario Götze symbolisch den Hintern ab. Ersatzkeeper Tim Wiese lässt seinem Frust freien Lauf: „Hätte das Spiel in Bremen stattgefunden, wäre das sicher anders gelaufen. Aber hier in Hamburg sind sich die Zuschauer wohl zu fein, uns zu unterstützen.“ Der Klassiker hat diesmal wirklich keine Gewinner hervorgebracht.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

4 Gedanken zu „Deutschland-Holland: Der Spielfilm“

  1. Sacht mal, Hertha spielt eine gute Saison, Lautern macht das, was sie immer tun, die Bauern und die Doofen bieten sich die Stirn und eigentlich auch eine Menge Gesprächsstoff, das Chaos in Köln, die Wolfsburger wollen wieder groß Einkaufen gehen, Nürberg kommt in den Pott, aber nicht in die Pötte, beim HSV macht ein Fink noch keinen Sommer, wohl aber Reus in Gladbach, Bremer Gäste kriegen immer nur Pizza usw. trotzdem ruht hier still der See. Künstliches Koma, letzte Atemzüge??? Wäre schade drum. Glückauf.

  2. Hi martinski,

    ja, die Frequenz ist deutlich niedriger als weiland. Grund dafür ist, dass wir alle leider Gottes ziemlich viel um die Ohren haben. Es bleibt wenig Zeit für den unglaublichen Ulk. Schade isses allemal, da haste recht. Zu ändern aber leider auch nicht – vorerst.

    Grüße,
    Fränck

Kommentare sind geschlossen.