Calli – eine Karriere im Rückwärtsgang

Dieser Tage wieder mal in aller Munde (hihi): Reiner Calmund. Probleme mit seinem Buch schlagen dem ehemaligen Fußball-Schwergewicht auf den Magen. Mauertaktik zeichnet die Lebenslinie des Pfundskerls aus Brühl nach. Von hinten nach vorne.

2011
Reiner Calmunds Lebenswerk „Eine Kalorie kommt selten allein“ erscheint. Kurz darauf muss die noch nicht verkaufte Auflage eingestampft werden. Grund: Der passionierte Schwätzer plaudert darüber, dass er gerne mal die erste Strophe des Deutschlandlieds mitbrummt. Calli wiegelt gegenüber der „SZ“ ab: „Bei Haydn kannste disch jar net versingen. Dat is wie Karaoke.“ Plausibel. Und wer hat es nicht schon mal erlebt, dass zum Blümchen-Song auf einmal ein Songtext von Landser auf dem Bildschirm erscheint? Eben.

2009
Der um 30 Kilo auf knapp 140 verschlankte „Iron Calli“ läuft einen Halbmarathon in 3:56 Stunden.

2007
Calmund erhält die „Goldene Schlemmerente“ für seine kulinarischen Leistungen.

2004
Calmund scheidet nach 16 Jahren als sportlicher Leiter der Bayer AG aus dem Dienst aus, weil er sich ganz seiner neuen Aufgabe widmen will: Der Manager-Sendung „Big Boss“ bei RTL. Das Konzept: Calli erklärt Jung-BWLern am Fallbeispiel von 80 Würstchen den Kapitalismus. Zitate u.a.: „Dat kann net jotjehen, Leute!“ – „Dat war de absolute Kachdinalfehler!“ – „Jetzt jib mir mal die Wüchstchen rüber, Jong.“

2002
Es ist das Jahr von Bayer 04 und das Jahr des Reiner Calmund. Leverkusen zaubert sich durch Europa, steht quasi in drei Endspielen. Dann: Nichts. „Isch möschte escht wissen, wie de liebe Jott dat verantworten will, wenn isch mal vor ihm stehe“, hadert die vor Trauer bebende Wuchtbrumme sinngemäß. Trotzreaktion: Den Transfererlös für Ze Roberto und Michael Ballack (ca. 15 Mio. Euro) setzt der Frustesser komplett in Toblerone um. Im Folgejahr steigt Bayer fast ab.

2000
Berti Vogts beerbt Christoph Daum – und bringt gleich ein Multi-Funktions-Team in Kompaniestärke mit. Ein halbes Jahr später ist das Projekt gescheitert. „Ich kann doch de Bechti jetzt net wie de Sau durschs Dochf treiben“, sagt Calli. Doch, kann er. Tschüss, Berti. Hallo, Toppi.

1990
Während die Mauerspechte noch die Reste des innerdeutschen Grenzwalls abtragen, ist der Manager aus Deutschland-West schon im ganzen Osten unterwegs. Mit Andy Thom lockt Calmund gleich eines der größten Talente in die Metropole am Rhein. „De Schnellen fressen de Langsamen“, jubiliert Calli. Ein Motto ganz nach seinem Geschmack. Teile der Ablöse von 2,5 Mio. West-Mark werden in Form von Motorrollern auf dem Vereinsgelände des BFC Dynamo abgestellt.

1988
Bayer 04 Leverkusen kickt sich unter Erich Ribbeck zum UEFA-Cup-Sieg, dem größten Triumph für die noch junge Werkself – und den noch jungen, aber keineswegs schmallippigen Manager. Über die Karriere-Stationen Jugendleiter, Stadionsprecher und Vorstandsmitglied ist der Brühler zum Leiter Sport aufgestiegen. Und hat andere Saiten aufgezogen. „Als ich kam, war dat de reinste Kaninschenstall“, erinnert sich der Tausendsassa. Ab sofort werden Spielerverträge nur noch auf Servietten unterschrieben, die Mittagspause zwischen den Trainings wird ausgedehnt, die Kooperation mit Leverkusener Großfleischereien immer weiter ausgebaut. Bitter: Der UEFA-Cup-Sieg war im ersten Jahr gleich der größte Titel. It’s all downhill from there.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.