Dänen lügen nicht

Der HSV steht am Abgrund, ist Tabellenletzter und nach dreiwöchiger Trainersuche muss der Manager erst einmal selbst ran. Frank Arnesen kam mit viel Vorschusslorbeeren und schürte große Erwartungen in Hamburg. Das Projekt droht erbärmlich zu scheitern, doch es besteht noch Hoffnung, denn schon Michael Holm wusste: Dänen lügen nicht. Mauertaktik durchleuchtet den HSV 2011.

Bernd Hoffmann war jahrelang der Macher im Hintergrund an der Elbe, der gern in den Vordergrund trat. Der Hamburger Fußballfunktionär träumte gerne von der Weltstadt Hamburg mit dem Weltklasse-Fußballverein. Blieb der Erfolg hinter den Erwartungen zurück, rollten Trainerköpfe. Dass die Erwartungen absurd unrealistisch und in der Regel mit dem Leistungsvermögen des Bodenpersonals nicht vereinbar war, störte Weltmann Hoffmann nicht. Das Ganze erinnerte ein wenig an das Alte Testament: Das missfiel dem Herrn (Hoffmann) und so ließ er ihn sterben. Es war im Frühjahr 2011, als der HSV die Trennung von Hoffmann bekannt gab.

Beim Hamburger SV plante man sodann den ganz großen Umbruch, ach Aufbruch gar. Der zum Cheftrainer mutierte Michael Oenning sprach die Sprache der Mannschaft, die Saison wurde anständig zu Ende gespielt. Dann kam der Däne… Im Sommer wurde Frank Arnesen vom großen FC Chelsea an die Elbe gelotst und als Messias gefeiert. Als Mann, der den Erfolg und den Flair des europäischen Spitzenfußballs gleich nach Hamburg mitbringt. Als neuer Macher, der den HSV zu dem machen sollte, von dem Bernd Hoffmann immer träumte.

Die Voraussetzungen passten. Arnesen brachte ein paar Talente aus Chelseas B-Jugend mit und Jung-Trainer Oenning wurde vom Neu-Manager mit einer Job-Garantie ausgestattet. Man wolle langsam etwas aufbauen.

Arnesen und die ganz große Lösung

Sechs Spieltage später stand Hamburg sieglos auf dem letzten Tabellenplatz, nur einen Punkt und 17 Gegentore. Selbst an diesem Tiefpunkt erklärt der Däne den Trainerjob in Hamburg zum sichersten Arbeitsplatz der Welt – und entlässt Coach Oenning keine 48 Stunden später. Wer dachte, tiefer kann der Bundesliga-Dino nicht sinken, konnte nicht ahnen, was in den kommenden Wochen folgen sollte. Da Interimstrainer Cardoso mangels Trainerscheins keine Dauerlösung sein kann, wollte Arnesen die ganz große Lösung und zückte sein aus Londoner Zeiten exklusiv bestücktes Adressbuch. Marco van Basten, Morten Olsen, Huub Stevens waren die Namen, die alles besser und schöner in der Hansestadt machen sollten. Huub Stevens hörte sich das, was der Mann mit den vielen tollen Kontakten so zu sagen hatte, wenigstens noch an, bevor bei der Konkurrenz aus Gelsenkirchen unterschrieb.

Seitdem steht der Manager entweder mit dem FC Basel zwecks Fink-Verpflichtung in Kontakt oder in Ballonseide als neuer offizieller Cheftrainer auf dem Trainingsplatz und lässt das Training von Neu-Cotrainer Cardoso leiten. Als der FC Basel, der unter der Leitung von Thorsten Fink regelrecht aufblüht, noch vor wenigen Tagen dem HSV eine Absage erteilte, blieb man hartnäckig und jetzt scheint es nur noch um die Ablöse zu gehen, bis der Mann kommt, bei dem man „das hundertprozentige Vertrauen, dass er eine richtige Lösung für uns ist“, hat, der aber trotz dieser Einschätzung vor zwei Wochen noch gar kein Thema war. Eine weitere Niederlage könnte sich Arnesen wohl kaum leisten, was sich der FC Basel dann wohl auch entsprechend kosten lassen wird. Sei’s drum, am heutigen Donnerstag soll eine Entscheidung her und HSV-Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow scheint sich jedenfalls schon sicher zu sein: „Wir wissen von Thorsten Fink, dass man ihm versprochen hat, dass er wechseln darf, wenn ein großer Bundesliga-Klub kommt“. Doch was hat der HSV jetzt damit zu tun?

4 Gedanken zu „Dänen lügen nicht“

  1. “Wir wissen von Thorsten Fink, dass man ihm versprochen hat, dass er wechseln darf, wenn ein großer Bundesliga-Klub kommt”. Doch was hat der HSV jetzt damit zu tun?“ => Gefällt mir! :-)

  2. Mein Favorit auf den Trainerjob ist und bleibt Adrian Viveash. Der kennt sowohl Management als auch viele Spieler beim HSV schon seit längerem. Zwei Daumen hoch!!!

  3. Und auf Grund der hervorragenden Kontakte des Managements wäre Viveash nur unwesentlich teurer geworden als Fink …

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