So unterwarfen wir Europa

Deutschland hat die EM-Quali mit makellosen zehn Siegen abgeschlossen. Rekord! Ein Blick zurück auf die Siegestour durch Europa.

1. Belgien – Schland 0:1 (3. 9. 10)

Im Haus- und Hof-Stadion von König Baudouin beherzigten Jogis Mannen die altbewährte Strategie, mit der wir schon den einen oder anderen internationalen Titel gewonnen haben: Gegner müde spielen lassen, zuschlagen. Die jungen Belgier durften zeigen, dass sie theoretisch auch ganz gut sind (wenn wir sie lassen), dann kam Klöschen, zackbumm, erster Dreier, dankeschön.

2. Schland – Bertistan 6:1 (7. 9. 10)

Über dieses Spiel gibt es nicht viel zu sagen, nur: Heiko Westermann schoss die Führung. Ja, Heiko. Westermann. Später traf noch Holger Badstuber. Ja, genau der. Danke, Berti.

3. Türkei – Schland 0:3 (8. 10. 10)

Im ersten von zwei Auswärtsspielen war im Hexenkessel des Klein-Istanbuler Olympiastadions die Türkei der Gegner. Bengalos, Pfeifkonzerte und sonstiger Wahnwitz sorgten für die charakteristische südländische Atmosphäre, die der eiskalte Klose deutlich runterkühlte. Unvergesslich auch die Verwerfungen, die das Spiel kurz darauf in der Bundesliga zwischen Sahin und Podolski zur Folge haben sollte.

4. Glorreiche Nation von Kasachstan – Schland 0:3 (12. 10. 10)

Vier Tage später gleich der nächste deutliche Auswärtssieg. 20.000 Meilen unter der Erde, im beschaulichen Astana, durften die Kasachen munter mitspielen, bevor das 2006er-Märchenpaar Kloldi und M. Gomez den Sack zumachten. Nach dem Spiel fand das Team noch Zeit, die von Mauertaktik im Vorfeld empfohlene Nur-Astana-Moschee zu besichtigen. Ein rundum gelungener Ausflug.

5. Schland – Glorreiche Nation von Kasachstan 4:0 (26. 3. 11)

Das erste Pflichtspiel im WM-Jahr (haha) war schon früh entschieden – durch das 2010er-Märchenpaar Klüller. Glänzender zweifacher Vorbereiter: Mesut Erlözil. Glorreiche Nation diesmal nicht so glorreich, der schon traditionelle Moschee-Besuch fiel mangels Moschee in Kaiserslautern aus. Besondere Vorkommnisse: Deutsche Fans vertreiben sich die Langeweile mit Pfiffen gegen Gomez.

6. Österreich – Schland 1:2 (3. 6. 11)

Der erste Härtetest gegen den Fußballriesen aus dem Nachbarland. Ein klares 3:0 durch zweimal Gomez und einmal Friedrich sah auf dem Papier komischerweise nicht so klar aus. Akute Punktverlustgefahr durch den Bayern-Beau in letzter Minute abgewendet. Hui.

7. Bertistan – Schland 1:3 (7. 6. 11)

Direkt danach die zweite Reifeprüfung vor der Sommerpause. Pflicht erfüllt. Wie? Egal. Ab in den Urlaub.

8. Schland – Österreich 6:2 (2. 9. 11)

Es geht auf die Zielgerade. Und jetzt trumpft Schwarz-Rot-Geil aber so richtig auf. Real-Star Özil zaubert, dass sich die Beine biegen, am Ende des rauschenden Nachbarschaftsfestes auf Schalke steht ein Kantersieg und die gesicherte Quali. Werden wir jetzt Europameister?!, fragen sich nun auch die letzten Skeptiker. Nein, antworten die allerletzten Skeptiker.

9. Türkei – Schland 1:3 (7. 10. 11)

Jetzt geht’s um den Rekord. Siege braucht das Land. Und Siege bekommt es. Diesmal ist die Atmo nicht halb so hitzig und nach Gomez‘ 1:0 nimmt alles seinen Lauf. Dies können auch die verlorenen Söhne von Export-Weltmeister Deutschland (Altintop, Balta, Töre) nicht verhindern.

10. Schland – Belgien 3:1 (11. 10. 11)

Heiß wie Frittenfett brutzeln die Gäste aus der Kabine, doch Özil macht die (Pommes-)Bude. Nachdem sich Jogis Jungs auch noch das zuletzt obligate Gegentor abgeholt haben, kann der Deckel draufgemacht werden auf diese tollkühne Fahrt durch die Steppen unseres Kontinents. Tschüss Europa! Hallo Polen! Hallo Ukraine!

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.