TÜR : GER – Was heißt das eigentlich?

Heute Abend empfängt die türkische Nationalmannschaft Jogis Jungs zum Fußballspielen und schon frohlockt der Boulevard: Wir gegen uns resp. die gegen sich. Friede, Freude, Eierkuchen? Jetzt mal halblang! Mauertaktik erklärt die Lage.

Hintergrund

Zwischen der Türkei und Deutschland ist schon vor Jahren ein Krieg entbrannt, wobei es aber natürlich nicht um Ländereien, sondern um Talente geht. Hä? Ganz einfach: Der türkische Verband hat irgendwann bemerkt, dass die ganzen guten Fußballer hier in Deutschland spielen, weil sie auch hier geboren und aufgewachsen sind und es aus verschiedenen Gründen (Geld, Schulpflicht, Freundin) etwas mühsam wäre, nur fürs Fußballspielen immer in die alte Heimat zu fliegen. Deshalb fingen die türkischen Scouts an, die anatolischen Adoleszenten mit halbwahren Versprechungen für das A-Trikot mit dem Halbmond zu gewinnen. Das will der DFB natürlich verhinder; da ist Stress vorprogrammiert.

Kurioses

Das Gute an einem inoffiziellen Krieg? Dass alles erlaubt ist. Als vor ca. ein paar Jahren die Scouts auf beiden Seiten das reichhaltige Angebot der jüngsten Welt an Mega-Talenten sondierten und den Deutschen Mesut Özil verloren zu gehen drohte, änderte ein DFB-V-Mann im türkischen Verband (Codename „Schtonk“) schnell auf einem Fax ein paar Buchstaben. Der Trick ging prächtig auf: Mehmet Götze, Adnan Schürüle, Tunay Müller und Lale Holtbü lenkten die Verantwortlichen beim TFF ausreichend ab, um Mesut ErlÖzil in den sicheren DFB-Hafen retten zu können. Offiziell will davon aber niemand etwas wissen, so dass diese Anekdote frei erfunden ist. Also „offiziell“.

Kader

Bei den Türken stehen dagegen so einige Deutsche im Kader: Tunay Torun (geboren in Hamburg), Hakan Balta (Berlin), Mehmet Ekici (München), Hamit Altintop (Gelsenkirchen), Ömer Toprak (Ravensburg) – alle in Deutschland geboren und aufgewachsen. Doch damit nicht genug, einige von denen haben sogar die deutschen U-Mannschaften durchlaufen und jetzt spielen die A-mäßig einfach für die anderen. Da ist es natürlich allerhöchste Eisenbahn, dass jemand wie Matthias Sammer mal mit der Faust auf den Stammtisch haut: „Die nehmen uns die Arbeitspl…, halt, falscher Sprechzettel… Wir müssen den Talente-Klau verhindern“, so der aufgebrachte DFB-Sportdirektor und paranoierte weiter: „Wir müssen ständig aufpassen!“ Das ist natürlich Quatsch. Wir müssen gar nicht aufpassen, wir werden Europameister.

Zukunft

Derzeit können wir uns in Zukunft über Supertalente nur beschweren, wenn sie von RTL kommen. Ansonsten haben wir es im Moment richtig fett. Die jungen Wilden setzen genau das um, was Jogi Löw denkt. Damit das so bleibt, rollt schon die nächste Welle auf uns los: Unsere U17 ist im Sommer WM-Dritter geworden (vielleicht erinnert sich der eine oder die andere daran: Dritte Plätze sind was für Männer…). In diesem Kader standen ganze acht Leistungsträger mit Migrationshintergrund, die es nun gilt zu halten, sollten sie den strengen Ansprüchen des Bundestrainers denn überhaupt standhalten. Wie auch immer: Der erfolgreiche Partyfußball geht in den nächsten Jahren weiter. Versprochen.

7 Gedanken zu „TÜR : GER – Was heißt das eigentlich?“

  1. Man könnte diesen Export von zweitklassigen Talenten in andere A-Mannschaften doch auch als Modell für die Politik sehen: Karl-Theodor arbeitet schon mal in den USA… Andererseits: woher sollten wir dann unser Personal nehmen???

  2. @ Pilsator: Sorry dass wir diesmal nur einen Nachbericht gebracht haben. Leider lässt sich die frühere Beitragsfrequenz derzeit nicht aufrecht erhalten. Wir hoffen, ihr habt dennoch Spaß mit den Artikeln.

  3. Ich persönlich glaub ja, der pilsator hat immer spaß, solange ich in der nähe bin…

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