Haifa! Haifa!

Nach dem weitgehend belanglosen Aufgalopp am Dienstag und Mittwoch kommt es heute zu den sportlichen Höhepunkten in Europa. Mit Schalke 04, im ersten Spiel unter Euro-Stevie, und Hannover 96 greifen die beiden Aushängeschilder des deutschen Fußballs ins Geschehen ein. Ihre Gegner aber sind bislang hierzulande mäßig bekannt. Zeit, das zu ändern.

Den Gelsenkirchenern stellt sich die geballte Macht von 2.000 Jahren biblischer Tradition entgegen. Die Makkabäer von Haifa wollen die ungläubigen Tagebauer aus Fernwest allzu gerne zur Religion bekehren. Der Traditionsklub aus Israel (zwölfmal Meisterschaft, fünfmal Genezareth-Pokal) greift in seinem Wappen bildlich nach den Sternen, so wie die ganz großen Weltklubs wie Roter Stern Belgrad oder Stern Britz. Lang ist die Reihe der israelischen Fußball-Legenden, die das grün-weiße Jersey getragen haben; der große Ronny Rosenthal darf beispielhaft genannt werden.

Keine Frage, sportlich kommt hier ein Hochkaräter auf die Schalker zu: Haifa hat das erste Gruppenspiel schon mal gewonnen – und ist auch in der Liga dufte drauf. Locker und lässig wurde bei der Generalprobe fürs heutige Spiel die Komödianten-Auswahl von Ironi HaSharon mit 5:0 vom Humor befreit. Über den kulturellen Wert eines Klubs, für den Scooter die Vereinshymne komponiert hat, muss sicher nicht weiter gestritten werden.

Während Schalke den Nahen Osten in die heimische Arena einlädt, muss Hannover 96 für die heutige Partie schlappe 1.800 Kilometer zurücklegen. In der Zentralukraine wartet mit Worskla Polterabend ein eher unbeschriebenes Blatt auf die Niedersachsen. Gut, im Feiern sind die Frischvermählten sicher schwer zu schlagen, aber vor einem Briefkopf, auf dem neben dem Pokalsieg 2009 nur die Zweitliga-Meisterschaft 1996 vermerkt ist, muss sich die zentraldeutsche Fußballmacht (Zweitliga-Meister 2002).

Man weiß nicht, was man von diesem Team erwarten soll, und vielleicht ist gerade das die Gefahr für den deutschen Vertreter. Mit 3:1 schlug Polterabend vor fünf Tagen den Liga-Konkurrenten Roger Lutsk. Tore: Roman Bezus, Pawlo Rebenok, Artem Gromow. Auf die also schon mal aufpassen. Wenn es nicht klappt mit dem erhofften Auswärtssieg, ist Polterabend mit seinen 300.000 Einwohnern sicher auch so ein lohnendes Reiseziel für den Hannoveraner Anhang. Must-Sees sind u.a. die Agrarakademie sowie die imposanten Maschinenbau-Fabriken. Ansonsten gilt natürlich das lokale Motto: Every Abend is a Polterabend. Viel Spaß!

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Haifa! Haifa!“

  1. Hatte viel Spaß beim Lesen – des Artikels und der Ergebnisse.
    Endlich haben mal wieder andere das Punktekonto der Bundesliga aufgefüllt, nicht nur die Bayern.

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