Samba in der Bundesliga

Am letzten Wochenende entzauberte der Berliner Brasilianer Kloppos Capoeira-Truppe im Alleingang. Giovanne Elber, Ze Roberto, Ailton, Lucio – wer kennt sie nicht. Doch in Deutschlands höchster Spielklasse tummelten sich weit mehr Zuckerhütler als man gemeinhin denkt. Mauertaktik erinnert an die weniger bekannten Brasilianer.

Raoul Tagliari (MSV Duisburg)

Raoul Tagliari war der erste Brasilianer in der Bundesliga. Da die Liga brandneu war, konnte natürlich 1964 niemand ahnen, dass der Meidericher SV nicht die allerbeste Adresse im Deutschen Profifußball ist. Folglich war Beziehung zwischen Raoul „Duke“ Tagliari und den Zebras auch eine Geschichte voller Missverständnisse. In der Zeit von 1964 bis 1966 brachte es der Mann aus Rio auf unglaubliche 9 Spiele und schoss beeindruckende 4 Tore. Nicht auszudenken, wo die Duisburger stehen könnten, wenn man den Ballzauberer häufiger auf die Bühne gelassen hätte. Sei’s drum, der Pott-Klub setzte seitdem eher auf Kanten wie Tomasz Hajto oder Joachim Hopp als auf Techniker. Der Erfolg gibt ihm recht.

Mazinho und Bernardo (FC Bayern)

Es war die erste Erfahrung, die der Rekordmeister mit Samba-Kickern machte – und sie ging komplett in die Lederhose. Anfang der 90er Jahre wechselte Bernardo Fernandez da Silva vom Amazonas an die Isar und machte dann auch gleich Bekanntschaft mit dem eher rustikalen Humor in seiner neuen Wahlheimat. Als Mannschaftsausflug getarnt, diente eine Floßfahrt auf der Isar doch einzig dazu, Käptn Auge ein bisschen Kurzweil zu bescheren, denn dass der Neue direkt mal baden geht, war ja dann auch wenig überraschend. Den ohnehin so Eingeschüchterten dann auch noch auf jagende Krokodile aufmerksam zu machen, während dieser krampfhaft versuchte, das Boot zu erreichen, war vielleicht etwas gemein, aber der Stimmung beim Rest des Teams nicht abträglich. Während Bernardo beim FCB keinen Fuß mehr auf den Boden bekam (4 Spiele, 0 Tore), amüsierte sich sein Kompagnon Mazinho mit 11 Treffern in knapp 50 Spielen immerhin ein wenig. Danach baute man bei FCB eher auf „Brasilier“ (P. Breitner) mit Bundesliga-Erfahrung.

Ratinho (1.FC Kaiserslautern)

Anno 1996 unterschrieb das 1,70m-Männchen beim Traditionsklub aus der Pfalz, was Neu-Trainer Otto Rehhagel mit einem knarzigen „Was soll ich denn mit dem Zwerg?“ quittierte. Ratinho konterte: „Herr Rehhagel, ob Sie wollen oder nicht: Der Zwerg wird seinen Vertrag erfüllen!“ Der Beginn einer wunderbaren und vor allem erfolgreichen Freundschaft. „Mäuschen“ hatte in der Meistersaison 1998 erheblichen Anteil am Erfolg, erzielte zwar nur 9 Tore in 140 Spielen, aber die Flügelzange, die er mit Andreas Buck bildete, kniff das eine ums andere Mal. Nicht ganz so erfolgreich war der Brasilianer als Sambalehrer von Olaf Marschall. Ratinho: „Olafs Stärken liegen eher auf dem Platz…“

Paolo Rink (Deutschland)

In ein fußballerisch ganz dunkles DFB-Zeitalter fällt die aktive Zeit von Leverkusens Paolo Rink. Der Stürmer traf bei der Werkself zwar fast aus allen Lagen (88 Spiele / 29 Tore), doch was den damaligen Bundestrainer Erich Ribbeck geritten haben könnte, Rink aufgrund eines Ururururururgroßopa, der irgendwann mal in Heidelberg mit dem Zug durchgefahren ist, nicht nur einzubürgern, sondern auch gleich noch das DFB-Dress überzustreifen, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis von Herrn von und zu aus dem Havelland. Böse Zungen behaupten, dass ihm was aus dem Hause Bayer in den Tee gemixt wurde. Naja, wie auch immer, Deutschland scheiterte, wie wir alle wissen, nicht unverdient in der Gruppenphase der EM 2000 und Ribbeck musste endlich gehen. Wenn man so will, hat Paolo Rink den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt.

Alex Alves (Hertha BSC)

Berlin und Brasilianer. Das ist eine unendliche Geschichte, die der Hauptstadt-Klub der Regentschaft von Sonnenkönig Hoeneß, dem Dümmeren, zu verdanken hat. Der gewichtige Manager rauschte regelmäßig zu dubiosen Spaß-Veranstaltungen nach Rio und zauberte dann zur Tarnung immer irgendein „Talent“ aus dem Zuckerhut. Ein ganz besonderes Modell war da Alex Alves. Nicht nur, dass der leicht unterbelichtete Samba-Kicker die zarten Annährungen zwischen Ost und West im zusammenwachsenden Berlin offenbar mit dem East Coast – West Coast -Krieg in LA verwechselte und sich todstolz ganz 2pac-mäßig in einem weißen Pelzmantel samt Proleten-Gehstock präsentierte, nein, der Mann schoss im Jahr 2000 aus 52 m sogar das Tor des Jahres. Ansonsten war die Verpflichtung von Alex Alves durch Dieter Hoeneß symptomatisch: Uli Hoeneß hätte wohl eher Dani Alves gekauft. Tss, Brüder…

Marcelo Bordon (FC Schalke)

Marcelo Bordon, ein Baum von einem Mann, komplett durchtrainiert, langes gegeltes Haar, Luden-Kinnbart schwersttäowiert, solche Männer gibt’s sonst eigentlich nur im Knast. Der frühere Abwehrchef hat indes mit Knastbrüdern herzlich wenig zu tun. Mehr dann schon mit Gott. Bordon ist nämlich evangelikaner Christ und überdies hinaus der festen Überzeugung, dass „Gott wollte, dass ich nach Deutschland komme, um sein Wort zu verkünden“. Das brachte ihm nicht nur auf dem Platz mehrere Karten ein, sondern auch außerhalb des Platzes hatte der Hüne so seine Probleme. Frank Rost sei vom Teufel besessen und das bringe ihn durcheinander, phantasierte sich der Gotteskrieger offensichtlich voll auf Myrrhe einen zusammen. Auch Ailton bekam auf Schalke Knatsch mit dem Kapitän, weil er nicht regelmäßig mit diesem beten wollte. Nun, wie sagte schon Otto Rehhagel: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

4 Gedanken zu „Samba in der Bundesliga“

  1. Bernardo kam 1991 zu den Bayern. Vor der Saison hatte Käptn Auge aber gerade seine Karriere beendet. Beide haben also nie zusammengespielt :)

  2. Spieler vom Zuckerhut, mal schlecht mal gut. Waren nicht alle toll. Ich erinner mich da an einen der in Hamburg war, an einen aus Bremen…

Kommentare sind geschlossen.