Irgendwie hulkig

Der erste Gala-Abend in der sogenannten Königsklasse ist vorüber (seltsamer Begriff, da in Westfalen die Monarchie ja schon seit längerem abgeschafft ist). Und schon gibt es die ersten Gewinner. Und weil die UEFA erst im Mai die Konfetti-Kanonen ankarrt, übernimmt Mauertaktik die erste Lobhudelei.

Kloppos Grauteiler

Zum ersten Mal vermutlich seit seiner Hochzeit hatte sich Jürgen „Hoodie“ Klopp in Schale geworfen. In eine anthrazitfarbene Schale aus Anzugstoff, um genau zu sein. Sah natürlich auch irgendwie lässig aus, wie auch nicht bei der lässigsten Laus von Lüdenscheid! Und so stand er dann da, vor dem Spiel und nach dem Spiel, im feinen Zwirn, und hatte auch einen alten Bekannten dabei: Den Grinsebart. Schön ist das, wenn die eigene Mannschaft einen Champions-League-Dauerteilnehmer beherrscht und dann auch noch ein Traumtor fabriziert (übrigens noch so’n Gewinner). Kann so weitergehen. Vielleicht lässt sich Kloppo ja jetzt einen Kapuzenpulli aus Anzugstoff nähen, damit’s auch wieder in der Buli klappt.

Comeback-Michi

Er hatte es von langer Hand vorbereitet. Interviews mit englischen Zeitungen geführt, die alten Kumpels angerufen. Und dann war er wieder da, der Müschi, im Londoner Stadtteil Chelsea. Offensiv durfte er ran – und hatte sogar das sensationelle 1:0 auf dem Fuß. Dass es damit nix wurde, machte ihm gar nix. Denn endlich lief das Wechselspiel mal andersrum als gewohnt: Ballack raus, Niederlage rein. Und deshalb strahlte der Ex-Capitano auch nach dem Abpfiff wie ein Honigkuchenpferd, herzte Lampard, Anelka, haute Cole so feste auf den nackten Rücken, dass der vor Schmerz zusammenfuhr. Ach, Michi. Fußball kann so harmonisch sein.

Das Mailänder Altenteil

Wer zuerst und zuletzt lacht… Die Seniorentruppe aus Nord-Italien hat den frechen Kleinen aus Kataloniens Hauptstadt noch einmal gezeigt, dass man auch mal einen Punkt holen kann, ohne auf dem Platz gestanden zu haben. Minus 20 Prozent Ballbesitz akkumulierten die Milan-Spieler – und machten irgendwie zwei Tore. Dazwischen verrann die Zeit, ohne dass die Rossoneri auch nur mal den Ball gesehen hätten: Ticki, tacki, ticki, tacki. Und während Messi und Co. noch ratlos auf dem Platz rumstanden, gelten sich die Altstars schon wieder die graumelierten Haare. Im Grunde war das Resultat auch der Beweis, dass der WM-Spirit von 2006 noch am Leben ist. Spielen? Och, nö. Siegen? Chiaro!

Der unglaubliche Hulk

Erst donnerte der Mann mit dem Stiernacken und dem ungesunden grünlichen Teint einen Elfmeter gegen den Pfosten, dass es nur so schepperte. Dann drosch der Superheld des FC Porto einen Freistoß aus handgestoppten 83 Metern in die Maschen. Es geht halt nix beim Europa-League-Sieger ohne den unglaublichen Hulk. Paradoxerweise hört der Brachialkicker eigentlich auf den kunstvollen Namen Givanildo Vieira de Souza und schaffte seinen Durchbruch in der japanischen Operettenliga bei Tokio Verdi. Nur zum Trikottausch ist der sympathische Koloss denkbar ungeeignet. Wer will schon einen zerrissenen Stofffetzen haben?

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Irgendwie hulkig“

  1. Tolles Tor. Danke.
    Und wenigstens einen Sieg gab es gestern noch. Ist doch schön, daß zumindest auf die Bayern Verlaß ist.

Kommentare sind geschlossen.