Wolf und Felix – Ein Drama in 4 Streichen

Aus aktuellem Anlass beleuchtet Ritschie „Wilhelm B.“ Kampuntschinski die Entwicklung beim Meister 2009 und Fastabsteiger 2011.

Wolf und Felix – ein Drama in 4 Streichen

Ach was muss man oft von bösen,
Trainern hören oder lesen…

1.Streich:

Mancher gibt sich viele Müh
mit dem runden Ledervieh.
Einerseits der Tore wegen,
die die Spieler schießen legen,
Zweitens: weil man dann und wann
Einen Titel feiern kann.

Was sich in hoffentlich jedem Ohr eines richtigen Fußballfans anhört wie ein schlechter
Scherz und der beinahe größte anzunehmende Unfall, ist wie wir alle wissen seit 2009 traurige Gewissheit. Der graue Wolf, der ewige Zweitligist, das Litauen der Bundesliga hat es mit einer zugegeben großartigen Saison und zwei Torbullen geschafft die Schale nach VW-Stadt zu holen.

Dieses war der erste Streich doch der zweite folgt sogleich.

2. Streich:

Ritzeratze! Voller Tücke ,
in die Trainerbank ne Lücke.

King Felix dieser Glückliche macht alles richtig und schiebt frei nach dem Motto: Ein Meister bleibt ein Meister egal wo, ab jetzt lieber woanders ne ruhige Kugel. Doch wer, wenn nicht der VfL hätte darauf die passende Antwort? Flugs aus dem Zauberhut einen sogenannten Manager gezaubert. Der kommt immerhin mit der Referenz einer Dekonsolidierung und jede Menge Fachwissen über den südamerikanischen Fußballmarkt aus der Bundeshauptstadt. Geld ausgeben ist seine Leidenschaft, die keine Tore schießt und Leiden schafft. Und ohne Zögern, eins, zwei, drei, schaffte man sich einige teure Kicker herbei – und ab auf die Leistungsrutsche. Aber wer braucht auf lange Sicht schon einen Zwetschge, Grafite oder Dzeko, wenn er stattdessen Kjaer, Mandzukic und Kahlenberg haben kann?

Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich.

3.Streich:

Steve McCllaren im Verstecke,
schnarcht an britisch schöner Hecke.
Und vom ganzen Trainergraus,
guckt nur noch ein Schirm heraus.

Oh what a broly. Der erste Engländer an der Seitenlinie, als Doppelgespann mit dem ersten und einzigen lebenden Krummbeinsäbel. Kann das gut gehen? Mitnichten. Litti dolmetschte was das Zeug hielt, aber leider verstand keiner der Spieler sein japanisch.

Und rumms da geht die Bombe los
und der Stevie blicket bloß.
Ohne Job und ohne Ehren,
kann er nun nach Hause kehren.

Wer soll nun das Schießen lehren und das passen und das gehen? Was keiner weiß: Die Führungsriege beim VfL hatte von Anfang an einen Fünfjahresplan. Jetzige Phase: Alter Trainer -altes Glück.

Dieses war der dritte Streich, doch der vierte folgt sogleich.

4.Streich:

Wer im Dorfe oder Stadt
Einen Trainer wohnen hat,
der sei emsig und bescheiden,
dann das mag der Trainer leiden.

Das Imperium schlägt zurück und Darth Magathius kehr zurück an den Hügel der Schrecken. Was für die Soldaten einst die Sedanshöhe, ist für die Kicker vom VfL nun wieder der selbstaufgeschüttete Mount Quälix. Wenn Quälen zum System wird. F.M. hat wieder die Alleinherrschaft und zieht eiskalt seinen Stiefel durch. Wer nicht spurt, wird verkauft. Und wer irgendwie, irgendwo, irgendwann mal gut gespielt hat, wird verpflichtet. Mass makes the class oder so. Was in Lüdenscheid mit Teamgeist erreicht wird, hat ein Magath nicht nötig. Stets strebt er nach mehr der Messi(as). Kyrgiakos, Ochs, Lakic, Jönsson, Hitzelsberger, Hleb, Träsch, Chris, Russ, Salihamidzic und Cale. Was sich liest wie das who is who der der grauen Mäuse, ist das who is who der grauen Wölfe. Nur Pukki die finnische Stubenfliege konnte der magathschen Klatsche gerade noch entgehen.
Doch wer einen finanzkräftigen Partner im Hintergrund hat, kann kaufen bis der Arzt kommt. Wie, wann und ob die Neueinkäufe ihre Leistung bringen bleibt die große Frage.
Zum Glück ist Magath aber nicht nur harter Hund, sondern auch Trainerphilosoph und Ersatzvater in einer Person. Seinem etwas zu pummelig geratenen und dadurch im Laufduell chronisch unterlegenen Stürmerkind Patrick H. verordnete er kurzerhand eine Diätkur. Darin enthalten: Gew(s)ichtsverlust durch öffentliche Demütigung, einsames Rundendrehen um den Trainingsplatz und ein weniger schweres Portemonnaie.

War dies wohl der letzte Streich? Keine Ahnung. S`Nachwort folgt sogleich:

Retrospektiv war die Meisterschaft von Wolfsburg eine pure Absurdität im großen Fußballtheater, ein Wimpernschlag des Schicksals, der Traum des kleinen Mannes. Der anschließende Absturz mit Fastabstieg und jeder Menge Experimente auf der Trainer-, Manager- und Spielerbank lässt eigentlich nur einen Schluss zu. Hier befindet sich ein Verein auf Abwegen. Scheinbar führungs-, konzept- und ziellos schludert sich die Mannschaft derzeit auch ebenso erfolglos durch die Liga. Die Rückkehr zum System Magath ist der letzte Schrei nach Liebe, nach Punkten, Titeln und Triumphen. Heute Schalke, morgen Wolfsburg und übermorgen? Glaubwürdigkeit sieht definitiv anders aus. Erfolg zur Zeit gleichermaßen.

Und wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!
Doch das haben sich die Kritiker auch schon 2009 gedacht.

3 Gedanken zu „Wolf und Felix – Ein Drama in 4 Streichen“

  1. Sehr schön, aber irgendwie hab ich den Magath viel besser Erinnerung, als er immer dargestellt wird. Altersbedingt?
    Aber wer weiß, vielleicht ist die Story ja noch nicht zuende und wir erleben noch zwei Streiche mit den Stationen München und Hamburg. Dann wäre, glaube ich, Kreis wirklich geschlossen.

  2. Hach, welch Köstlichkeit für meine Augen
    beim Lesen dieser Zeilen, ich kann’s kaum glauben
    Ein Fussballfan, ein Wahrer, mit Hirn, wie fein
    nicht wie die Fäkalienwerfer aus Kölle hinter’m Rhein.

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