Der Anti-Kritik-Apparat

Vor 112 Jahren begab es sich, dass die Bürger eines kleinen Dorfes im Kraichgau es den Nachbarweilern gleich taten und ihre eigene Turn- und Sportgemeinschaft gründeten. Turnvater Jahn war schwer angesagt, man turnte an Barren und Ringen herum, dass sich die Holme bogen. Bis das Interesse der Dörfler am Fußball, der bald schon populärsten Sportart in deutschen Landen, geweckt wurde, dauerte es aber seine Zeit.

Genau genommen über 100 Jahre. Dann kam einer der reichsten Männer des Dorfes, der einst selbst auf dem ortseigenen Acker gekickt hatte, und mit ihm kam das große Geld. Und der erfolgreiche Fußball.

Der hat seinen Preis, das ist klar, und der ist nicht nur in Euro bemessen. Nein, der kleine gallische Dorfklub war nicht sonderlich beliebt bei den anderen Vereinen, die teils seit Jahrzehnten strampelten und dann doch hinter dem schnieken kleinen Emporkömmling landeten – und noch dazu in einem maroden Stadion spielen mussten und nicht in einer schniegelnagelneuen Arena.

Kurzum: Die Fans protestierten und kritisierten. Mal mehr, mal weniger fair. Was sie nicht bedacht hatten: Dies war kein gewöhnlicher Klub. Und der reichste Mann im Dorf hatte keine Lust auf Kritik. Er tobte, drohte mit Klagen, doch die Schmähungen verstummten nicht.

Da nahm sich einer seiner treuen Untertanen der Sache an – er konnte es nicht mehr ertragen, wie der alte Herrscher litt. Als eine der hartnäckigsten Schmähgruppen sich wieder in dem kleinen, beschaulichen Landstrich im Süden der Republik ankündigte, fasste er einen Plan. Lärm muss man mit Lärm bekämpfen, das war sein genialer Einfall. Und schon stand er in seiner Garage und zimmerte und sägte drauflos. Heraus kam eine Gerätschaft, die er „Anti-Kritik-Apparat“ nannte. Der Clou: Auf Knopfdruck machte sie einen unsäglichen Radau. Das hatte noch jeden kleingekriegt, das wusste der findige Untertan aus Agentenfilmen, die er in seiner Jugend so geliebt hatte.

Vor dem Spiel in Stellung gebracht, wartete der Untertan auf die ersten Fäkalgesänge dieser untreuen Kritiker aus dem Malocherland. Er musste nicht lange warten. Döööööööööööp!, machte die Maschine. Und wieder: Döööööööööp! Der Untertan bemühte sich nach Kräften, immer den richtigen Einsatz zu kriegen. Döööööööööp! Mann, machte das einen Heidenspaß. Wie ein Symphoniekonzert mit 100 verstimmten Hörnern.

Nach dem Spiel packte der Untertan sorgfältig alles zusammen und verstaute seinen „Anti-Kritik-Apparat“ wieder in der Garage. Toll, wie er das hinbekommen hatte. Der ohrenbetäubende Lärm hatte alles übertönt. Kritik am König war ausgefallen, denn die konnte er nun mal gar nicht leiden.

Und hatte auch keiner sonst gemerkt, oder?

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.