Bi-Ba-Bulicheck 2011/2012: Teil 1

ligacheck3Auch in dieser Saison macht Mauertaktik den gnadenlosen Bundesligacheck. Diesmal werden die 18 Mannschaften der höchsten Spielklasse in drei Folgen röntgenhaft analysiert. Heute stehen also bereits sechs Teams auf dem Programm. Dieses Jahr bieten wir dabei einen besonderen Service: Wir haben nämlich einen Blick in die Musiktruhen der Bundesligisten geworfen und konnten dabei das Motto der diesjährigen Spielzeit herausfinden. Also, schärft alle Sinne: Hier kommt der Bulicheck!

Borussia Dortmund: (Hit Me) … Kloppo, One More Time! (Britney Spears)

Drei Jahre Kloppo, drei Jahre Erfolgsrausch. Der BVB konnte sich in den drei Jahren unter dem Kloppogarchen kontinuierlich steigern. Dies wird nun schon von den mathematischen Rahmenbedingungen her schwierig. Zudem verließ mit Nuri Sahin ein Herzstück der Meisterformation die Mannschaft. Aber gerade im Mittelfeld hat man nachgelegt: Vom Club kommt Ilkay Gündogan, aus Brügge Ivan Perisic und aus Augsburg Moritz Leitner. Ins Auge fällt bei diesen drei Neuen, dass sie maximal 21 Lenze alt sind. Die Dortmunder bleiben also auch im Wettkampf um den jüngsten „Kinderriegel“ ganz vorne.

MT-Tipp: Das Highlight der Saison in Dortmund werden die Ausraster von Jürgen Klopp im Anzug bei Spielen der Champions League. Aber auch in der Buli bleibt man mit Götze, Kagawa & co weiter spielerisch top. Die Titelverteidigung wird aber schwierig. Platz 3.

Mainz 05: Après André (Vicky Leandros)

Thomas Tuchel trägt Trauer. Ihm ist über den Sommer die komplette Offensive weggebrochen. Zwar wurde bereits nach dem „Bruchweg-Boys“-Auftritt im Sportstudio intern eine Vertragsauflösung von Holtby und Schürrle vorbereitet, aber man hielt dann doch bis Saisonende an ihnen fest. Nun sind sie endgültig weg. Fußballlehrer TT hat dies bereits im Klassenbuch vermerkt. Aber wer soll nun die Tore schießen? Vielleicht Ujah, Eric MCM oder Soto? Es scheint zumindest jemand mit vier Buchstaben zu werden. Goal is a four-letter word. Einen Trumpf hat Trainer T. Tuchel aber noch im Ärmel: Einen neuen Kult-Ösi. Julian Baumgartlinger kommt von der Wiener Austria. Leiwand!

MT-Tipp: Platz 5 in der letzten Saison war ein großer Erfolg und weckt natürlich weitere Erwartungen und Hoffnungen. Der natürliche Bio-Rhytmus der Mainzer zeigt aber abwärts. So wird es eine äußerst durchwachsene Hinrunde. In der Rückrunde werden dann brisante Details über die Trainings- und „Erziehungsmethoden“ von Tuchel bekannt (Stichwort: Rohrstock). Christoph Daum übernimmt als Retter. Der Ausgang dürfte bekannt sein.

FC Augsburg: Hello, Goodbye (The Beatles)

Der FCA ist ein echter Debütant. Es ist der 51. Verein, der sich, zumindest eine zeitlang, Bundesligist nennen kann. Die Fuggerstädter präsentierten daher auch gleich einen Knallertransfer: Davids kommt! Lorenzo Davids. Also nicht sein Vetter Edgar, der sich derzeit eine zweite Existenz als Kampfhundzüchter aufbauen will. Auch auf andere spektakuläre Neuzugänge wurde verzichtet. So baut man weiter auf Spieler wie Möhrle, Bellinghausen und Callsen-Bracker, die es in erster Instanz im Oberhaus nicht allzu weit gebracht haben. Jetzt also der zweite Versuch. Für die Augsburger spricht aber, dass Übungsleiter Gaius Faulus in Augusta Vindelicorum voraussichtlich relativ ruhig arbeiten kann.

MT-Tipp: Es ist klar, dass es in der Premierensaison nur um den Klassenerhalt gehen kann. Da es sich um eine relativ homogene Truppe handelt, könnte der Kampf nicht aussichtslos sein. Wie man aber am neuesten Thurk-Streit schon sieht, ist die Situation in Liga 1 auch eine ganz andere. Augsburg kommt in die Relegation. Dort unterliegt man dem SC Paderborn knapp.

Hannover 96: Fade To Grey (Visage)

Was war das für eine Saison für Hanoi. Emotionaler Höhepunkt war sicherlich der Sieg gegen die Bayern am 25. Spieltag. Man konnte den Bajuwaren auch bis kurz vor Saisonende noch einen Kampf um Platz 3 aufs Auge drücken. Nicht unbedingt zu erwarten nach Platz 15 im Vorjahr. Geht das diese Saison so weiter? Großer Vorteil für die Niedersachsen ist jedenfalls, dass trotz der Erfolge ihre Spieler weitgehend unbekannt blieben oder einfach für andere Vereine nicht attraktiv sind. Wer will einen Sergio Pinto verpflichten? Allenfalls Michael Ballack dürfte ihn sich in seiner Mannschaft wünschen, um den Schienbeinkopf des gelernten Portugiesen im Training mal näher zu begutachten. Also dürfen Stoppelkamp, Rausch und Stindl weiter für H96 wirbeln. Als musikalisch sinnvollen Neuzugang konnte man MC Funky Pee präsentieren. Der Ex-Schalker ist im fitten Zustand sicher eine sinnvolle Verstärkung.

MT-Tipp: Trotz aller Euphorie und allen Rauschzuständen im letzten Jahr, dürfte dieses Jahr wieder etwas Ernüchterung bei den Leinestädtern einkehren. Martin Kind darf sein mürrisches Alltagsgesicht wieder aufsetzen und eine komplett durchschnittliche Saison verfolgen. Platz 9. Slomka löst anschließend Wolfgang Lippert bei Wetten, dass … ? ab.

Hamburger SV: Mambo No. 49 (Lou Bega)

Der Dino bleibt. Der HSV geht nun in die 49. Bundesligasaison und hat damit weiterhin alle Spielzeiten mitgemacht. Neuer Mann am Ruder ist der Interimstrainer aus der letzten Saison: Michael „Rocker“ Oenning. Der starke Mann ist aber ein anderer: Sportdirektor Frank Arnesen. Mauertaktikfreunde kennen ihn als Leadsinger der dänischen Nationalmannschaft von 77 bis 87. Um den Abwärtstrend der letzten Jahre zu stoppen wird die Mannschaft daher auch kräftig umgebaut: ca. 200 Abgänge und ebensoviele Zugänge. Man bediente sich hierbei kräftig bei Arnesens Ex-Club Chelsea. So holte man unter anderem den türkischen Gewichtheber Gökhan Töre und einen kräftigen Bruma (Jeffrey) für die Abwehr. Wichtiger scheint aber die Frage zu sein, ob Arnesen dem Club bei der nächsten Pölser-Party das Motto seines alten Hits einbläuen kann: „En for alle, alle for en!“

MT-Tipp: Umbruch ist das Stichwort jetzt, ne. Keiner weiß, ob dass man gleich so richtig muggelige Resultate gibt. Und falls nicht, bleibt abzuwarten, ob das Umfeld die ganze Sache dann immer noch als „reine Weltidee“ ansieht. Platz 7.

Borussia M’Gladbach: Favredance … What A Feeling! (Irene Cara)

Die letzte Saison war für die Gladbacher der klassische emotional rollercoaster. Man stand als Schießbude der Liga auf dem letzten Platz als Lucien „Lulu“ Favre den Laden übernahm. Mit seinen schweizerischen Geheimtricks (Käsefondue nur nach Siegen) und etwas Fußballverstand krempelte er die Mannschaft um und schaffte noch den Klassenerhalt. Da steht die Mannschaft nun. Im wesentlichen unverändert geht sie in die neue Saison. Junge Talente wie Reus und Neustädter konnten also gehalten werden. Allerdings fehlt es auch an Neuzugängen, die eine Tiefe oder Breite des Kaders gewährleisten könnten.

MT-Tipp: Sowohl der Abstieg als auch Stefan Effenberg konnten in der letzten Saison verhindert werden. Das spricht für einen intakten Verein. Die Lulu-Taktik steht für wenig Gegentore, also bleibt eigentlich nur die Frage, ob es eher ein 0:0, 1:0 oder 0:1 wird. Die Mischung machts. Die Borussia verbessert sich mit 40 Punkten und einem Torverhältnis von 6:6 auf Platz 15.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.