Augschburg? Esch gibt ein Augschburg!

jos-luhukay-augsburgDie Bundesliga kann sich freuen: Steigen mit den Retorten-Klubs St. Pauli und Eintracht Frankfurt doch voraussichtlich zwei hässliche Entlein ab, die eine lachhaft kleine Fanbasis und überhaupt keine Tradition vorweisen können. Dafür neben Spaßverein Hertha BSC neu in der Liga: Der FC Augsburg. Das Mauertaktik-Porträt.

Der Mäzen

Walther Seinsch ist der mächtigste Fugger des 21. Jahrhunderts. Der 69-Jährige ist seit elf Jahren Boss des schwäbischen Sympathie-Vereins. Nachdem er seinen schlechten Geschmack bereits im Textilgroßhandel unter Beweis gestellt hatte (Takko, KiK), gab Seinsch dann auch noch eine Fußball-Arena in Auftrag, die auch in Hoffenheim, Wolfsburg oder Paderborn stehen könnte – wenn sie nicht in Augsburg stünde. Ganz Augsburg weiß aber: Ohne die Asche des Klamotten-Millionärs wäre man nach wie vor da, wo man qua Historie (s.u.) hingehört: In der Bayernliga. Ganz egal ist den freudetrunkenen Fans dabei, dass es der Mäzen vorher vergeblich auf Schalke und in Reutlingen versuchte. Definitiv nicht witzig aber und mit sofortigem Stadionverbot geahndet: Ulk-Anrufe auf der Geschäftsstelle mit der Frage „Ist hier einer, der Seinsch heißt?“

Der Trainer

Schon 1968 machte Jos Luhukay das erste Mal auf sich aufmerksam, als einer der Protagonisten im Kult-Comic „Asterix und der Arvernerschild“. Seine fußballerische Karriere begann der Holländer dann beim VVV Venlo. Dies war die Zeit, als sich das Talent auch seinen ersten VVVW Scirocco zulegte und sich einen dieser neumodischen VVVHS-Rekorder ins Wohnzimmer stellte. Der Oranje-Knirps mit dem drolligen Schnauzteil arbeitete sich nach Beendigung der aktiven Laufbahn auch als Trainer Stück für Stück nach oben. In Gladbach noch an den überzogenen Erwartungen des Umfelds gescheitert (die Bilanz mit drei Punkten aus sieben Spielen stimmte durchaus), kann der 47-Jährige nun im Schwäbischen ganz in Ruhe den Kasernenhof fegen. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga feierte Luhukay nun seinen größten Erfolg (neben seinem Wegzug aus Paderborn 2006). Sollte es wider Erwarten resp. wider Seinsch-Millionen nicht klappen mit dem Klassenerhalt, kann sich Luhukay leicht mit dem alten Satz rausreden: „Augschburg? Esch gibt kein Augschburg!“

Das Team

Wenn der Lieblings-Schlachtruf der Fans zwischen den Wellblechwänden des Stadions widerhallt, dann weiß jeder, wer der Abwehrchef ist: „Hi-ha-hörle, Uwe Möhrle!“ Der Ex-Rostocker hält den Laden vor Keeper Simon Jentzsch zusammen. Ansonsten ist vornehmlich Axel Bellinghausen für die hässliche Seite des schönen Spiels zuständig. Bei einem genaueren Blick auf den Kader wird klar, dass es sich hier um einen klassischen Etikettenschwindel handelt. De Jong, Brinkmann, Werner – hinter kaum einem dieser Namen verbirgt sich der echte Fußballer. Vorne im Sturm sollen Nando-Nando-Nando Rafaelo und vor allem Michael Thurk für den nötigen Biss sorgen. In der Offensive kehrt außerdem der albanische Hassprediger Edmond Kapllani zurück (war an Paderborn ausgeliehen). Alles in allem muss noch der eine oder andere Fantasie-Transfer her. Unsere Vorschläge: Boulahrouz, Maniche oder Ryan Babel sind vom Preis-Leistungs-Verhältnis schwer zu schlagen.

Die Historie

Der FC Augsburg gehört zu den Vereinen mit einer langen wie glorreichen Geschichte – in der Bayernliga. Letztmalig erstklassig im Jahr 1963 (Oberliga Süd) pendelten die Fuggerstädter seitdem beständig zwischen Liga zwo und vier. Immerhin neun Meistertitel (2x Regionalliga Süd, 7x Bayernliga) und 14 Pokalsiege (1x Bayrischer, 13x Schwäbischer Pokal) stehen auf dem üppigen Briefkopf des FCA. 43 Fanclubs und 7000 Dauerkartenbesitzer halten heute die Tradition dieses besonderen Klubs hoch. Wegen des hohen eigenen Fanaufkommens und des farbenfrohen Images ist der FC Augsburg auch in fremden Stadien ein Publikumsmagnet – Platz 18 in der Auswärtszuschauertabelle. Freuen wir uns also auf mindestens ein tolles Bundesliga-Jahr mit dem FCA!

Bild: Flickr / aussiegall

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Augschburg? Esch gibt ein Augschburg!“

  1. Schöner Hass auf Paderborn sickert da durch, was? Ich für meinen Teil gratuliere unserem Neuzugang in Liga eins.

  2. Wenn man mich schon ungefragt zitiert, dann bitte doch auch richtig. Es heißt Hi Ha Höre – Uwe Möhrle!!!

  3. Mit dem Aufstieg von Augsburg wird vielleicht auch dem alten Haudegen Helmut Haller mal das ein oder andere Mikrophon des FCBayr. Haus- und Hofsenders (aka DSF aka sport1) unter die Nase gehalten. Verdient hätte ers.

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