Wie Schalke noch weiterkommt

Heute Abend muss der FC Schalke 04 ein mittelschweres Wunder schaffen, um gegen Manchester United doch noch das Champions-League-Finale zu erreichen. Drei Tore im Old Trafford? Könnte klappen. Mauertaktik sagt, wie.

20:05 Uhr

Die Mannschaften laufen zum Warmmachen ein. Manuel Neuer trabt an Wayne Rooney vorbei, der in Räuberzivil an der Seitenlinie steht. „Schalk kaputt“, ulkt der Engländer. „Hast Du doch im Nacken, Junge, Ker“, gibt Deutschlands Nummer eins zurück und macht den Scheibenwischer. Rooney guckt verdutzt. Manche sagen hinterher, ihm sei bereits der Shrek ins Gesicht geschrieben gewesen.

3. Minute

Laufduell Metzelder gegen Owen – man kann sich denken, wie das ausgeht. Elfmeter für Manchester United. Scholes tritt an und verlädt Neuer – 1:0. Der FC Schalke braucht jetzt drei Tore, um das Finale von Wembley zu erreichen.

43. Minute

Sir Alex Ferguson gibt drei B-Jugendlichen Bescheid, die zur zweiten Hälfte für die restlichen Stammspieler kommen sollen, die noch auf dem Platz sind. Die Devise des Fußball-Adligen, der ein Ferienhaus in Südschweden besitzt: Schonen.

48. Minute

Senor Rauuuuuuul! Der spanische Tausendsassa schießt mit seinem 1000. Europapokal-Tor den Ausgleich. Ferguson winkt ab. Lachhaft, diese Germans. Rooney begibt sich schon mal an die Mini-Bar im VIP-Bereich, trifft dort Paul Gascoigne und den Spirit of George Best. Ralf Rangnick kaut nervös an seinem Notizblock.

90. Minute

Die Nachspielzeit bricht an. Schalke fehlen nach wie vor zwei Tore zum Weiterkommen. Lothar Matthäus hat sich als Al-Jazeera-Co-Kommentator längst auswechseln lassen („I come here for sis fucking job!“), für die Nachspiel-Analyse wird flugs Thorsten Fink vom Büffet weggecastet. Gazza und Rooney lachen ihn aus. Es gibt noch einmal Ecke. Der Ball segelt herein, am kurzen Pfosten versucht Nemanja Vidic zu klären, doch sein Schüsschen kommt an der Strafraumkante direkt beim eingewechselten Ali Karimi runter, der per Aufsetzer zum 2:1 für Schalke trifft. „Es ist zu Ende in Trafford“, meldet zeitgleich Pay-TV-Ikone Rollo Fuhrmann aus dem verwaisten Gelsenkirchener Parkstadion, „United ist Meister.“ Die Agenturen übernehmen zunächst diese Meldung.

90. +? Minute

Doch das Spiel läuft noch! Noch einmal Anstoß für die Engländer, Ballverlust, Königsblau mit einem letzten Verzweifelungsangriff, doch abgefangen, sicherer Rückpass von Ferdinand auf van der Sar… der aber den Ball mit der Hand aufnimmt! Wir schreiben die 93. Minute, es gibt noch einmal indirekten Freistoß im Strafraum für den FC Schalke. „Hör auf, um Gottes willen“, kommentiert Marcel Reif ahnungsvoll, „hier irgendwelche Prognosen anzustellen, ist unmöglich.“ Abwehrmann Höwedes legt sich den Ball zurecht. Angetippt – abgezogen – rein die Kirsche!!! „Der FC Schalke ist Deutscher Meister!“, kreischt Reif, „ich fass es nicht, Leute, ich fass es nicht.“ TV-Experte Ottmar Hitzfeld („Freu mich immer für deutsche Teams!“) hüpft am Seitenrand wie ein Flummi auf und ab, die Schalker Spieler kreiseln um sich selbst und formieren dann die größte deutsche Jubeltraube seit Rom 1990.

Und so hat es dieser unmögliche FC Schalke dann doch wieder mal geschafft – und ist auf dem besten Wege zum Vize-Titel in der Champions League. Denn dass Barca unschlagbar ist, ist wohl jedem klar. Oder…?

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

3 Gedanken zu „Wie Schalke noch weiterkommt“

  1. Tja, das war wohl ein Schuß in den Ofen in Old Trafford.
    But Lothar Englisch made me a lot of laugh, so sze evening was rescued.
    Der Kerl ist neben dem Platz so daneben, wie er auf dem Platz genial war.

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