Meisterlich: Emma und Co.

bvb-meister-2011Deutschland ist seit Samstag Nachmittag in ein schwatz-gelb-geiles Farbenmeer getaucht. Der BVB hat es gepackt. Dortmund ist zum siebten Mal Deutscher Meister. Wenn doch jetzt nur noch die Jungs aus Herne-Ost zum Kader dazustoßen würden… die Borussen wären auf Jahre hinaus unschlagbar. Nun gut, Mauertaktik wirft dennoch einen Blick auf die heimlichen Stars des Erfolgs.

Der Trainer

Wer bei diesem Stichwort auf den unvermeidlichen Grinsekönig Jürgen Klopp tippt, denkt wahrscheinlich auch, dass Franz Beckenbauer bei der WM 1990 den Trainingsplan ausgearbeitet hat. Alle, die Ahnung vom Fußball haben, wissen natürlich, dass Klopp lediglich der Sonnenkönig für die Medien ist und wie jeder andere gescheite Hobby-Trainer seinen leibeigenen Holger Osieck hat: Intschu-Tschuna nämlich. Mit bürgerlichem Namen heißt der Häuptling der Bosnier Zeljko Buvac. Schon in Mainz coachte Buvac das Profi-Team, bis Klassenclown Klopp endlich im achten Anlauf den Trainerschein bekam.

Der 49-Jährige Fußball-Fachmann (Buvac) leitete auch in Dortmund das Training, wann immer Klopp mal wieder „Bock drauf wie Zahnweh“ hatte. Auch bei der Aufstellung ließ sich Klopp dankenswerterweise des öfteren von seinem „Co“ reinreden, zum Beispiel, als er Götze als Linksverteidiger und Weidenfeller „als Doppelsechs“ aufbieten wollte. Doch nach außen gibt sich der stolze Krieger mit der Prachtmähne mehr als wortkarg: „Ich rede nur, wenn ich etwas zu sagen habe.“

Der Stadionsprecher

Was wäre der BVB ohne Norbert Dickel? Nicht Pokalsieger 1989, zum Beispiel. Der Cup-Held von einst ist mittlerweile längst an den Seitenrand gewechselt und peitscht die Schwarzgelben in Doppelfunktion als Stadion-Animateur und Netradio-Chefreporter nach vorne. Die Verve, mit der der Ex-Profi seinen Jobs nachgeht, pendelt je nach Spielstand zwischen Endorphin-Schock und Cholerik-Anfall. Unvergessen sein Kommentar zu Miro Kloses Tor zum 2:1, den er mit einem knappen „Scheiß-Bauern-Dusel“ bedachte – was jahrelange diplomatische Kälte zwischen NRW und Freistaat nach sich zog. Auch beim Meisterstück gegen den Nürnberger Club war Dickel selbstredend wieder im Großeinsatz und befahl seinem Lakaien nach den Kölner Toren gegen Leverkusen glücksjapsend: „Zieh mich hoch, zieh mich hoch!“ Ob Dickel immer noch an einem Flaschenzug über dem Westfalenstadion kreist, ist unklar.

Das Maskottchen

Es ist die Binsenweisheit des 21. Jahrhunderts: Nur mit einem anständigen Maskottchen ist überhaupt der Meistertitel möglich. (Gute Chancen also auch wieder für den KFC Uerdingen mit seinem Kult-Dickhäuter Grotifant, Bundesliga-Rückkehr vorausgesetzt.) Aber zurück zum BVB, wo seit 2005 Biene Emma die Fans umschwirrt. Benannt ist das Prachtvieh nach dem großen Dortmunder Mittelfeld-Regisseur Lothar Emmerich („Independence Day“, „Godzilla“, „2012“). Der 2,25-m-Brummer ist eine wahre Wucht – und weiß das auch selber, weswegen die dralle Biene ihr Gewicht als „meistens ein wenig zuviel, hihi“ angibt. Die stattliche Schuhgröße 66, die sonst nur lizenzierte NBA-Stores führen, tut ihr übriges dazu, dass Emma über noch jeden Gegner einfach hinweggetrampelt ist.

Schade allerdings: Anlässlich des sechsten Geburtstags der Party-Biene hatten aus der Mannschaft nur die Randfiguren Muße mitzufeiern. Lediglich Abwehr-Rocker Felipe „Flip“ Santana und Ersatz-Keeper Mitch Langerak gaben sich und Emma die Ehre – standesgemäß jedoch im Dortmunder Zoo. Vor zwei Jahren wäre die Karriere der Bienenkönigin beinahe schon beendet gewesen. Aus einer Fankneipe seilte sich das kesse Insekt kurzerhand mit zwei holländischen Piloten ab und umrundete mehrfach den Globus. Rechtzeitig zur Meistersaison war der schwatzgelbe Glücksbringer aber wieder zurück. Emma gut, alles gut.

Bild: Flickr / Lali Masriera

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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