Der Lümmel von der ersten Bank

Zu wahr um schön zu sein: Stefan Effenberg und Thomas Strunz machen zusammen den Fußballlehrerschein. Mauertaktik war bei der ersten Schulstunde mit dabei.

Cheffe kam ein bisschen später als der Rest. Während sich die ollen Streber schon im Klassenzimmer eingefunden hatten und über langweiligen Stuss wie Lerninhalte und Zeitmanagement unterhielten, fuhr der Tiger im sportlichen Volksmobil gerade auf dem sonnenüberfluteten Parkplatz vor. Die Letzten werden… und so weiter, Freunde der Sonne.

„Tach, ihr Asis.“ Mit riesiger Hornissenbrille trat Deutschlands ehemals bester Spielmacher aller Zeiten auf den Asphalt. Lässig wie eh und je. Den obligatorischen Kaugummi zwischen den Reißzähnen, eine Fantasietasche (ohne Inhalt) leger über der Schulter baumelnd, schlenderte Effendi Ben Taischer nun dem Eingang der Sportschule Oberhaching entgegen, als würde er am Strand von Katar promenieren.

Alles easy.

Auftritt im Klassenraum. Lässig ein paar Pfoten geschüttelt, Kaugummi – check, Fantasietasche – check, dann ein ultracooles „Und was ist heute dran? Hütchen aufstellen?“ in die Runde gefeuert, leises Gekicher, hinsetzen, Beine auf die Bank, Kippe hinterm Ohr. Cheffe im Ring. Alles wie immer – oder?

Nicht ganz. Denn unter den Mitschülern war einer, der dem Taischer irgendwie bekannt vorkam. Kurz mal hinter der Hirnrinde gekramt… hm… Hinz, Kunz? Ahhh… Strunz! „Mensch, Thomas, Alter, ewig nicht gesehen, ringel die Natter!“ Eisiges Schweigen. War da was? Effe konnte sich beim besten Willen nicht entsinnen, was der Typ jetzt da quer stecken hatte. Hatten doch zusammen bei den Bayern immer hübsch Erfolge gehabt, weil er, Effe, die Mannschaft aggressiv geleadet hatte. Strunz dagegen, der war immer so ein stiller Mitläufer gewesen. Wie die meisten halt. Soll sich mal nicht so haben, der Fatzke, Ehre, wem Ehre gebührt, denn ein Tiger kann ja auch anders, Freunde des Fußballlehrerscheins. Weiß man doch. Effe schüttelte den Kopf.

Während der ersten Stunde, der Lehrer vorne seierte irgendeinen langweiligen Mist, holte Effe unter der Bank sein Smartphone raus. Erstmal auf bild.de, mal sehen, ob’s neue lecker Fotogalerien gibt. Nanu, das war ja er! Waren die das also mit der Kamera da vorhin. Naja, nach so vielen Jahren ist die Journaille Luft für einen. Sieht man gar nicht mehr. Ist wie direkt an der Autobahn wohnen – hört man irgendwann auch nicht mehr. Und was schrieben sie da – Claudia…? Liebes-Aus…? Frau geklaut…?

Effe stutzte. So langsam kamen die Schemen der Vergangenheit wieder zum Vorschein. Essen im Hotelzimmer – unter Freunden, versteht sich. Erster Kuss – innig, wunderschön. Heißer SMS-Flirt: „Die ganze Zeit starre ich die Tüte mit deinem Gesicht an.“ Dann ein Anrufer: „Du Schwein hast mir die Frau geklaut!“ Hm… Mensch, das war doch der Thomas gewesen! Effe patschte sich mit der flachen Hand auf die Stirn, so laut, dass der Lehrer sein Geseier unterbrach und rüberschaute. Effe winkte ab. War keine Meldung. Und dachte: Jetzt fügte sich alles zusammen! Der Thomas. Die Claudi. „Ich habe einen Freund verloren, aber eine Frau gewonnen.“ Hatte er wohl mal gesagt. Lange her, das Ganze.

Naja, seufzte Effe, und schob sein Handy in die Tasche. Regeln wir gleich in der Raucherecke. Geb ihm ’ne Kippe aus. Soll sich mal nicht so haben. War ja alles uuuultraewig her. Zufrieden schaute Effendi Ben Taischer auf die Tafel. Was stand da?

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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