Der Blanco-Schreck

raul-schalkeRaúl ist Schalkes neuer Darling. Am Mittwochabend hüpfte der spanische Senor völlig enthemmt mit den Ultras auf und ab, nachdem er Inter im Rückspiel kaputtgeschossen hatte. Das Mauertaktik-Porträt des Raúl Gonzalez Blanco.

Der Spanier war etwas perplex. Ja klar, wegen der Kohle war er hergekommen. Aber statt eines Klumpens Dreck hätte er zur Begrüßung dann doch gerne einen Batzen Zaster überreicht bekommen – gut, auch mit einem Klumpen Knete hätte er sich erst einmal zufrieden gegeben. Und wer war überhaupt dieser Typ mit dem Flutlicht auf dem Kopf? Die spinnen, die Deutschen. Na, mal sehen, sagte sich Raúl. Fußball spielen werden sie ja immer noch können, im Land der Weltmeister von ’90, selbst in dieser komischen Halle in dieser komischen Stadt.

Ein Dreivierteljahr später hat vor allem Deutschland gelernt, dass Raúl, der alte Mann des spanischen Fußballs, immer noch zocken kann. Und das gar nicht mal so schlecht. Der Mittwochabend war der vorläufige Höhepunkt des ersten Auswärtsspiels des ansonsten treuen fünffachen Familienvaters. Ein Tor so rotzfrech wie bei einem Promi-Kick, eine Traumvorlage zum Siegtreffer – und nach dem Schlusspfiff heizte Schalkes neuer Raúltra den Massen dann so richtig ein. „Steht auf, wenn ihr Spanier seid…“

Rückblende. Oktober 1994. Für die deutsche Nationalmannschaft spielen Dirk Schuster, Ralf Weber und Olaf Marschall, das Amt des Umweltministers bekleidet Klaus Töpfer. Julian Draxler ist ein 13 Monate altes sabberndes Etwas. Und Raúl Gonzales Blanco macht sein erstes Spiel für Real Madrid. „Baby an Bord“ titeln die Zeitungen in der spanischen Hauptstadt über den 17-Jährigen.

549 Ligaspiele und 228 Tore später ist Raúl zum fleischgewordenen Symbol seines Klubs geworden. Reals ewiger Kapitän. Dabei hätte alles ganz anders laufen sollen. Der Junge aus Los Ángeles spielte zunächst für den Stadtrivalen Atletico (weil Papa Pedro großer Fan ist), bis dort der findige Präsident Gil y Gil entschied, dass Nachwuchsarbeit generell überschätzt wird und kurzerhand alle Jugendmannschaften auflöste. Aus heutiger Sicht ein toller Schachzug.

Was auch wenige wissen: Zu Beginn seiner Laufbahn ließ sich Senor Blanco noch mit seinem hundsgewöhnlichen Nachnamen anreden. Doch nicht nur weil er bei einer Promo-Tour in Asien von allen für den Brasilianer Branco gehalten wurde, änderte das aufstrebende Talent seinen Rufnamen bald in Raúl. Der dunkle Vokal verhieß Gefahr bei den gegnerischen Verteidigern – und für die Fans der königlichen Madrilenen bedeutete das langgezogene „Uuuuuuuu!“ bei Ballkontakten ihres Lieblings ein wahres Fest.

Doch weil Real in den letzten Jahren international schlimmer ins Schlingern geriet als der Peso zu schlimmsten Inflationszeiten, suchte sich Raúl letzten Sommer eine neue Heimat. Schließlich galt es, diesen kleinen unangenehmen Italiener in punkto Toren abzuhängen. Denn von einem Inzaghi lässt sich ein alter Trapper wie Gonzales B. (Hobby: Jagen) schon mal gar nicht in die Flinte resp. Lebensbilanz pinkeln.

Und so ist auch nach seinem Wechsel zu Schalke Blanco der Schreck schlechthin für Europas Elite. 71 Tore in 140 Champions-League-Spielen ist jetzt nicht die allerschlechteste Bilanz. (Und es gibt ja noch drei Spiele in diesem Jahr). Ja, und wie „El siete“, die glorreiche Sieben, am Mittwoch den Brasilianer Cesar umkurvte, hatte der zuletzt auf der Playstation gesehen.

Wer weiß, was dem verrückten Spanier noch so alles zuzutrauen ist. Seine Söhne hat er bekanntlich allesamt nach seinen Vorbildern aus der Fußballwelt benannt. Sein erstes Kind heißt wie sein erster Trainer Jorge (Valdano). Wer weiß, vielleicht wird Filius Nummer sechs ja ein Ralf…

Bild: Flickr

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.