Fußball in Untendrunter

mark-schwarzerJogi Löw lässt heute gegen Australien die halbe U-17-Nationalelf spielen. Nicht nur der Bundestrainer hat offenbar keine Ahnung, auf was er sich da einlässt. Zeit genug für die Mauertaktik-Geschichtsstunde über den australischen Fußball.

Die Anfänge

Obwohl der Fußball natürlich zusammen mit den Tausenden englischen Sträflingen über die Weltmeere auf den fünften Kontinent schipperte, lagen den raubeinigen Knackis von der Insel die körperbetonten Sportarten (mit Eiern) eher als das weiche Rumgefiedel mit der runden Kugel. Deshalb setzten sich vor allem Sportarten wie Rugby (Knäuel- und Turmbau ohne Ohren), Australian Rules Football (Prügelei mit sportlichem Vorwand) und Pub Brawl (Prügelei ohne sportlichen Vorwand) durch.

Erst nach und nach entdeckten die Australier die Schönheit des schönen Spiels. Während es 1922 bei der ersten Auswärtsfahrt nicht mal zu einem Sieg gegen die fußballerisch ähnlich minderbemittelten Neuseeländer reichte, qualifizierten sich die „Socceroos“ 1974 zum ersten Mal für die WM. In Deutschland erkämpften sich die Australier immerhin ein Pünktchen (0:0 gegen Chile) – zu einem Tor reichte es in drei Spielen nicht.

Deutschland und die FFA – die Freundschaft

Mit dem Mutterland des Fußballs, Deutschland, verbindet die Australier eine ebenso lange wie innige Geschichte. Mit der zweiten WM-Qualifikation warteten die Mannen aus Untendrunter 32 Jahre – also genau so lange, bis endlich wieder ein Weltturnier in Doitscheländ stattfand. Zum ersten Mal schoss man ein Tor – und erreichte gar das Achtelfinale. Da lernten die fairen australischen Sportsmänner, dass es nicht unbedingt darum geht, die bessere Mannschaft zu sein. Fabio Grosso purzelte im Strafraum über die Hürde Neill – Elfmeter, Tor. Auch beim nächsten WM-Auftritt spielte Deutschland eine Rolle. Im ersten Spiel machten Jogis Jungs gleich mal klar, was die Australier sich beim Turnier ausrechnen konnten: 4:0. Danke. Bitte.

Der Coach

Großer Beliebtheit erfreuen sich die Deutschland-Importe. Auf die Frage, wer das Tor der „Aussies“ hütet, gibt es seit Jahren nur eine Antwort: Schwarzer, Junge! Die Eltern des deutschen Mark flüchteten einst vor der Euro-Einführung aus dem Schwabenländle nach Ozland. Auch die australische A-League wurde in der zurückliegenden Saison von einem Deutschen dominiert: Thomas „Mozart“ Broich klimperte die Konkurrenz in Grund und Boden und trug sich mit seinen zwei Vorlagen im „Grand Final“ ins Knöchelverzeichnis des australischen Sports ein.

Kaum verwunderlich, dass auch der australische Cheftrainer ein Deutscher ist: Holger Osieck, hierzulande vor allem bekannt als unbekannter Co-Trainer neben der kaiserlichen Eminenz anno ’90, ist seit August letzten Jahres für die sportliche Entwicklung der „Socceroos“ zuständig. Einen ersten Achtungserfolg schaffte der sympathische Griesgram mit dem Finaleinzug bei der Asienmeisterschaft in diesem Jahr. Der endgültige Durchbruch soll am heutigen Dienstag gegen – na wen auch? – Deutschland gelingen.

Bild: Flickr / martin english

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.