Das Trainer-Job-Center

trainerkarussellKlassische Kehrtwende im Trainergeschäft. Nach den modernen Konzepttrainern setzen die Vereine seit dieser Woche wieder vermehrt auf die klassischen Feuerlöscher mit Motivationstick und übersteigerter Außendarstellung. Mauertaktik bringt ein paar weitere Namen von Übungsleitern mit vielen Meriten ins Spiel, die etwas aus dem Blickfeld geraten sind.

Klaus Toppmöller

Toppi mag zwischenmenschlich nicht der einfachste Trainer sein, dafür ließ er in Bochum, Frankfurt und vor allem in Leverkusen Zauberfußball spielen. Nach eigenen Angaben flattern nur wegen der Saison 2001/02 mit Bayer bis heute monatlich „Hunderte Bewerbungen“ auf seinen Schreibtisch. Doch seit drei Jahren kann sich der ehemalige Toptorjäger nicht so recht entscheiden. Und so bleibt sein wenig glückliches Engagement in Georgien die vorerst letzte Station. Der Mann, der mehr qualmt als Selma und Petty, könnte den glücklosen Daum zwei Spieltage vor dem Ende beerben – oder sich wieder selbst (und selbstverständlich ehrenamtlich) beim FCK einsetzen. Karriere-Highlight: Trenchcoat-Tanz nach dem 4:2 von Bayer Leverkusen über den FC Liverpool (2002).

Jürgen Röber

Der Trainer ohne Eigenschaften hatte seine Glanzzeit bei der Berliner Hertha, die er in rascher Folge in die erste Bundesliga und die Champions League. Dabei versprühte der Fußballlehrer aus dem Harz stets eine Energie wie ein stillgelegtes Kohlekraftwerk – und übertrug dies auch auf seine Mannschaft. 2008 zog es ihn weit weg ans Ende der Milchstraße zu Ramenskoje Saturn. Geil bleibt eben geil. Sein Intermezzo im türkischen Ankara war nur von kurzer Dauer. Seine Arbeitslosigkeit hält dagegen schon zwei Jahre an. Wenn Babbel den Aufstieg noch verscheißt, steht Röber bereit. Sonst beim nächsten Klub von D. Hoeneß. Karriere-Highlight: Champions-League-Sieg mit Hertha gegen den FC Chelsea (1999, leider nur Vorrunde).

Horst Ehrmantraut

Um den Mann aus Einöd ist es einsam geworden. 1. FC Saarbrücken, 2005, lautet der letzte Eintrag in der Vita des streitbaren Strubbelkopfs. Ehrmantraut hat nicht nur alle großen Namen des deutschen Profifußballs durch (Blau-Weiß 90, Meppen, Hannover), sondern fiel auch überall durch klare Überzeugungen auf – und die ebenso klare Kundgebung eben jener. Der patentierte Aufstiegs-Coach wäre die ideale Zwischenlösung für einen der Bundesliga-Absteiger. Karriere-Highlight: Hat den weißen Gartenstuhl salonfähig gemacht (irgendwann in den 90ern).

Aleksandar Ristic

Der Bonbon-Onkel aus Sarajevo gehört zu den 90ern wie der KSC 2000 und Harald Katemann. Fortuna Düsseldorf ist der Klub, bei dem es der Wanderarbeiter vom Balkan am längsten aushielt (drei Engagements von insgesamt acht Jahren). Ansonsten ist er der klassische Feuerlöscher, der Konflikte an der Seitenlinie mit der bewährten Campino-Taktik löst. Ansonsten folgt Ristic dem Erfolgsmotto: „Musstu trinken, wirstu Meister.“ Da zuletzt beim KFC Uerdingen tätig, würde sich ein Engagement im Westen des Bundesgebietes anbieten. Gladbach dürfte sicher bald wieder Bedarf haben. Karriere-Highlight: Kam als Weihnachtsmann verkleidet zur PK.

Willi Reimann

Nach seiner Trennung von Eintracht Braunschweig vor vier Jahren wurde es still um den knuffigen Fußball-Opa. Nach diversen Bundesligastationen hatte er zuvor die obligatorische Auslandserfahrungen in Exotistan absolviert (Al-Shaab, VAE). Wurde von vielen als Nachfolger der glücklosen McClaren und Littbarski in Wolfsburg gehandelt, schließlich brachte Reimann den VW-Klub ins Oberhaus. Es kam, wie wir wissen, anders. Doch er stünde auch als Nachfolger des wechselwilligen Holger Stanislawski bei St. Pauli bereit. Container-Willi würde sich auf der Baustelle Millerntor auch im Zuge der fortdauernden Umbaumaßnahmen sicher wohlfühlen. Karriere-Highlight: Vierten Offiziellen umgeschubst (2004).

Im Blickfeld: Willi Entenmann (zuletzt SGV Freiberg, 2004), Uli Sude (zuletzt U19 Gladbach, 2008), Klaus Schlappner (zuletzt Mongolei), Uwe Klimaschewski (zuletzt Berater 1. FC Saarbrücken, 2002), Uli Maslo (zuletzt Al Salmiya, Kuwait).

Bild: Flickr / albertopveiga

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.