Wer ist eigentlich… Christoph Daum?

Die Liga hat ihn wieder. Auf den glücklosen Skibbie folgt bei der Frankfurter Eintracht ein alter Bekannter: Willkommen zurück, Christoph Daum! Oder besser gesagt: Geri eski kardan adam hoş geldiniz! Denn die Türkei war und ist des Daumens liebster Zufluchtsort.

Zwei mal Besiktas, zwei Mal Fenerbahce. Die Erfahrung am Bosporus hilft dem 57-Jährigen auch in seiner neuen Wahlheimat Frankfurt sicher weiter. Denn am Main soll es ja auch das eine oder andere Viertel geben, in dem bevorzugt resp. ausschließlich Türkisch parliert wird. Wer weiß, vielleicht findet der polyglotte Pfiffikus in den örtlichen Käfigen noch das eine oder andere Talent für den Abstiegskampf – auch wenn dann sicherlich die mächtige teaminterne Griechen-Fraktion auf eine entmilitarisierte Zone am Trainingsgelände besteht.

Daum, der Grenzgänger, dieses Leitmotiv hat Tradition in seiner Vita. Was wenige wissen: Olle Christoph ist eigentlich Ossi. Der gebürtige Zwickauer machte aber schon alsbald rüber und kickte für den DJK Viktoria Beeck, den VfvB Ruhort-Laar und Hamborn 07 in den Niederrungen des westdeutschen Amateurbereichs. Doch bald schon entschied sich das Bewegungstalent, von der Ersatz- auf die Trainerbank zu wechseln.

Was in Anbetracht von Daums zahlreichen Erfolgen wenig überrascht: Der passionierte Fußballprofessor ist studierter Sportwissenschaftler. Ganz ohne fremdes Dazutun (in diesen Tagen wichtig zu erwähnen) fertigte er seine Diplomarbeit mit dem verknappten Titel „Die Wichtigkeit und Bedeutung von pädagogischen und psychologischen Maßnahmen eines Fußballtrainers“ an. Es geht darin, grob gesagt, um pädagogische und psychologische Maßnahmen, die ein Fußballtrainer so ergreifen kann.

Besonders letzteres nahm sich Daum stets zu Herzen. Der Mann, der seine Mannschaften vor entscheidenden Spielen mit Vorliebe glühende Kohlen schlucken und Glassplitter einatmen ließ, gilt nach wie vor als unbestrittener King of Kong des Teambuilding. Doch weil seine Kicker gegen Ende der Saison meist über seltsame Schluck- und Aspirationsbeschwerden klagten, reichte es in der Liga zunächst nicht zum ganz großen Wurf. Im Gegenteil: Bevor an Ballack zu denken war, avancierte Vize-Christoph zum beliebtesten Loser Fußballdeutschlands. Die Meisterschaft in Stuttgart gilt hierbei als regelbestätigende Ausnahme. In Leverkusen führte Daum dann die Punktlandung auf Platz zwei in schöner Regelmäßigkeit fort und leistete einen unschätzbaren Beitrag zur Stärkung der Marke „Vizekusen“, die neben dem Bayer-Kreuz im Rheinland bis heute am bekanntesten ist.

Auch die psychologische Kriegsführung beherrscht Daum seit jeher aus dem Effeff resp. Effzeh. Unvergessen sein Showdown mit Don Jupp und dessen Sekundanten Uli Hoeneß im Sportstudio, wo es zu einem wilden Austausch stierer Blicke und wüster Worte kam (u.a.: „Dein Weg ist am Donnerstag zu Ende“). An besagtem Donnerstag allerdings musste sich Daum dann bei der Wohlfahrt anmelden und kleinlaut von dannen krauchen. Denn es war gekommen, wie es immer kam: Daum wurde Vizemeister.

Auch in seiner vermeintlich größten Stunde erlebte der begeisterte Skifahrer den Einbruch kurz vor der Zieldurchfahrt. Wegen einer von seinem alten Spezi Hoeneß lancierten Enthüllung seiner Immunschwächen (sog. „verschnupfter Daum“), musste der berühmteste Schnauzbart der Liga die Ambitionen auf das Amt des Bundestrainers begraben. Die haarige Angelegenheit löste Daum auf die ihm eigene offensive Art – und haute erst nach Florida und dann mal wieder an den Bosporus ab. Bei Cay, Shisha und Lahmacun ließ „Mr. Achtmillionen Volt“ die Seele baumeln. Und doch brach er im vergangenen Jahr wieder gen Heimat auf, wo er nun nach beschwerlicher Überfahrt ankam. Mauertaktik sagt, wie eingangs schon erwähnt, ein herzliches Willkommen, lieber Christoph!

PS: Eines jedoch ist klar: Sollte Frankfurt am Ende tatsächlich absteigen, ist Daum unbedingt zu halten. Denn der Wiederaufstieg im kommenden Jahr ist in diesem Fall bereits sicher: Als Zweiter.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.