Van Gaal: Der Rückblick

louis-van-gaal-portraitNun ist es amtlich. Louis van Gaal und der FC Bayern haben „grundsätzlich eine unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Klubs“. Weswegen es im Sommer heißt: „Afscheid, vaarwel en veel geluk!“ Die Ära van Gaal, sie wird die Zweijahresmarke nicht überdauern. Doch der bullige Fußballlehrer mit der Boxernase hat uns in der kurzen Zeit das eine oder andere Highlight beschert. Ein (verfrühter) Rückblick.

Mai 2009

Mauertaktik warnt vor der Verpflichtung des „ausgemachten Holländers“ van Gaal wegen dessen hollandozentristischen Tendenzen: „Frau Antje wird auf Betreiben van Gaals als PR-Dame an der Säbener Straße installiert, de Beukelaer wird neuer Hauptsponsor und in der Arena gibt es nur noch Heineken und TUC-Cracker. Maibäume erhalten fortan stilisierte Windmühlenflügel.“ Und van Gaal fackelt nach seiner Verpflichtung nicht lange: Andries „Carsten“ Jonker, Frans „Käpt’n“ Hoek, DJ Jos van Dijk und Marcel „Vladimir“ Bout werden nacheinander für neu zu schaffende Stellen (Cracker-Aufbereiter etc.) verpflichtet. Andere Holländer im Stab müssen sich mit grotesken Pseudonymen tarnen (Gianni Bianchi, Marcelo Martins, Lutz Hänsel).

Anfang 2010

Nach einem halben Jahr FC Bayern wissen die Deutschen noch nicht so recht, was sie von Louis van Gaal halten sollen. Nun nimmt er sogar einen gewissen David Alaba, 17 Jahre, mit ins Wintertrainingslager nach Dubai. Dem wechselwilligen Franck Ribery empfiehlt van Gaal unterdes: „Ich würde an seiner Stelle bei Bayern bleiben. Weil sie einen guten Trainer haben.“ Wer war das nochmal?

Ende Februar 2010

Van Gaal klettert mit einem 1:0-Arbeitssieg gegen den HSV erstmals an die Spitze der Bundesliga – pünktlich zum 110-jährigen Klubjubiläum. „Endlich wieder an der Sonne“, ächzt der winterblasse Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge. Sein Coach wird unterdes immer mehr zum Sonnenkönig.

Ende März 2010

Van Gaal fühlt sich immer wohler im deutschen Süden. Der nun in allen prächtigen Farben erblühende Münchner Frühling inspiriert ihn zur Aussage „Gladiolen oder Tod“, die bald schon Legende wird. Gerüchte, wonach LvG eigentlich eine Analogie zu den altrömischen Gladiatoren ziehen wollte, konnten nie zur Gänze entkräftet werden.

Ende April 2010

Bayern im Champions-League-Finale. Doch alles diskutiert über Franck Ribery, den Lümmel von der letzten Bank, der sich im Rotlichtbereich verdribbelt hat. Auch deshalb sorgt van Gaals Aussage „Er muss das schlucken“ nach dem Halbfinale für Verwirrung. Dabei hatte er den ausgewechselten Robben gemeint.

1. Mai 2010

Van Gaal setzt in der Stunde des ersten großen Triumphs einen seiner charakteristischen Kontrapunkte. Es wird gefeiert: Die Deutsche Meisterschaft. Der Holländer, der fortan unter „Biest, Feier Biest“ firmiert, spricht zu den Fans: „Die Allianz Arena ist super. Aber das Publikum nicht. Es ist ein Theaterpublikum.“ Wirhamsjaimmergesagt.

15. Mai 2010

Die Biesti-Boys holen in Berlin den zweiten Titel. La Boum 2. Die Fete geht weiter. Der Holländer ist vorbereitet und kommt im Ganzkörper-Angelanzug: „Ich habe eine Taktik gefunden, dass ich die Bierdusche vermeiden kann.“ In der Stunde des Triumphes blättert die harte Schale vom General: „Ob Training ist, das hängt davon ab, wann ich ins Bett gehe.“

Oktober / November 2010

Louis van Gaal und Uli Hoeneß kriegen sich in die Wolle. „Er akzeptiert die Meinung anderer Leute nicht“, sagt der Bayern-Präsident im TV. „Ich bin menschlich enttäuscht“, gibt van Gaal zurück und verkriecht sich in die Schmoll-Ecke. Kult-Kaiser Franz B. mischt sich gewohnt wirr in die Trainerdebatte ein: „Dann wird’s halt ein anderer. So schlimm ist das nicht.“ Rummenigge hat den Bogen raus und schreibt dem Trainer ins Poesie-Album: „Lieber Louis, Bayern München ist immer ganz einfach: Du musst nur gewinnen, dann ist alles in Ordnung.“ Aha. Soso. Na gut.

4. März 2011

Nachdem aller Kredit und alle Titel verspielt sind, unternimmt Mauertaktik, seit jeher van Gaals größter öffentlicher Unterstützer, einen letzten verzweifelten Versuch, die öffentliche Reputation des Oraniers zu retten. Wir empfehlen als Last-Minute-Maßnahmen u.a. a) die Entlassung des Co-Trainers b) mehr Medienschelte („Wechsel den Beruf, ist besser!“) c) mehr Psychotricks d) mehr Rotation („Butt in den Sturm“) und nicht zuletzt mehr miese Sprüche: „Einem Fuchs gehen Haare aus, aber nicht die Streiche.“ Alles vergebene Liebesmühe. Denn der amtsmüde Absolutist hatte sich längst für die eigene Demission entschieden. Und so geht er nun im Sommer, der sympathische Managerhasser. Und irgendwie sind wir traurig. Wird leer hier ohne Dich, olle Louis. Schnüff.

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Bild: Flickr / b. schrade

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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