Fritz C. Klautermann (14)

klautermannTriste Zeiten in der Pfalz. Der 1. FC Kaiserslautern schleppt sich zu einem 0:0 bei den sieg- und torlosen Frankfurtern – und Srdjan Lakic erlebt in der vorletzten Minute den Tiefpunkt seiner Saison. Lautern-Kolumnist Fritzchen K. macht sich große Sorgen um die aktuelle Situation auf dem Betzenberg und fordert: Lakic raus.

Der Abstiegskampf hat seine ganz eigene hässliche Dynamik. Wenn das große Zittern losgeht, verwandelt sich eine einst stolze Elf in ein schlotterndes Häuflein. Der vormals souveräne Abwehrchef verliert Ball um Ball, der eigentlich sichere Keeper segelt an harmlosen Flanken vorbei und der Topstürmer, der noch vor wenigen Wochen nach Belieben ins Tor traf, verstümpert beste Chancen.

Acht Spiele ohne Sieg. Beim 1. FC Kaiserslautern hat spätestens mit dem tristen 0:0 bei der Frankfurter Eintracht (die wiederum ihre ganz eigene Miserie pflegt) das ganz große Zittern begonnen. Nicht nur, weil die Mannschaft den Negativlauf der Hinrunde übertroffen hat, als man zwischen dem 3. und 9. Spieltag sieglos blieb. Acht Spiele, vier Punkte. Aus einem zehnten Rang im Januar ist nun der vorletzte geworden.

Personifiziert wird die Formschwäche der Lauterer Elf durch ihren Vorposten. Srdjan Lakic, das weiß seit der 89. Minute von Frankfurt nun auch der letzte, ist ein Schatten seiner selbst. Wer selbst schon einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass es diese Phasen und Momente gibt im Dasein eines Angreifers. Der Ball kommt perfekt, mit nur einem Schuss kann man zentnerweise Ballast abschütteln – und doch kommt nur ein müder Roller dabei heraus.

Kein Zweifel: Der Lakic der Hinrunde hätte Hlouseks Hinspiel zum Sieg eingeschoben – und dabei vielleicht sogar noch die Zeit gefunden, müde zu lächeln. Eine seiner leichtesten Aufgaben – damals.

Denn Lakic traf, wie er wollte. Los ging es schon im ersten Spiel gegen Köln. Ball mit dem Rücken zum Tor annehmen, umdrehen, abziehen – eine Sache von Sekundenbruchteilen. Tor. Egal ob als Schlusspunkt eines Konters (wie gegen die Bayern), per direktem Freistoß (wie beim HSV) oder mit dem Kopf (wie in Nürnberg, Bremen oder gegen Schalke), Srdjan Lakic sorgte dafür, dass der FCK, dem im Voraus kaum einer Platz zwölf nach der Vorrunde und schon gar niemand Siege gegen Bayern, Schalke und Bremen zugetraut hatte, die nötigen Punkte holte.

Das ist jetzt alles vergessen. Nicht mal so sehr in den Köpfen der Fans, sondern – viel schwerwiegender – in Lakics eigenem. Da spuken derzeit nur die Chancen herum, die er in den letzten Spielen liegen ließ. Der Pfostentreffer gegen Mainz, die zwei Kopfbälle gegen Hannover, die auf der Linie geklärt wurden – irgendwann glaubt ein Stürmer dann daran, dass es einfach nicht mehr klappen soll. Dann lächelt er. Fassungslos. Fatalistisch. So wie Lakic nach dem Schlusspfiff im Frankfurter Stadion. Wobei man bei der Szene in der 89. Minute nun wirklich nicht das Schicksal verantwortlich machen kann. Vielmehr ist Lakic wohl an einem Punkt angelangt, an dem er aufgehört hat, auf den erlösenden Treffer zu hoffen.

Ob dies nun auf den Wirbel um den Wechsel nach Wolfsburg, auf Lakics Abschlusspech in den ersten Spielen nach dem Winter, auf die so genannten Fans, die den Stürmer nach dem HSV-Spiel wüst bepöbelten oder auf eine Mischung von alledem zurückzuführen ist, ist letztendlich nicht von Belang, weil es an der Situation nichts ändert. Und die ist erschreckend. Nicht nur bei dem missglückten Konter kurz vor Schluss strahlte Lakic einen eklatanten Mangel an Selbstvertrauen aus, jener Kardinaltugend des erfolgreichen Stürmers also. Verlorene Laufduelle, vertändelte Ballannahmen, verhunzte Volleyschüsse. Das alles wäre nur halb so schlimm, hätte man nicht die Szenen aus der Hinrunde im Hinterkopf. Von denen jede einzelne mit unerträglicher Hartnäckigkeit plärrt: Lakic kann es so viel besser.

Rätselhafter Aufschwung

Genauso rätselhaft wie die Gründe, die eine Mannschaft in den Strudel aus missglückten Aktionen, Pech, wandelnder Stimmung auf den Rängen und Selbstvorwürfen ziehen, sind die Faktoren, die ihr wieder den Aufschwung ermöglichen. Da bekommt ein Team, das von elf Heimspielen noch keines gewonnen hat, einen neuen Trainer – und gewinnt gleich die ersten beiden Spiele auf eigenem Platz. Um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen.

Nun hat sich Klubchef Kuntz vehement gegen einen Trainerwechsel – den beliebtesten Impuls in solchen Notlagen – entschieden. Was nur äußerste Hochachtung verdient, weil Marco Kurz, wie Kuntz richtig darlegte, aus den begrenzten Möglichkeiten der Mannschaft das Beste heraus holt. Auch ein Motivations-Trainingslager wie jüngst von der Eintracht praktiziert, scheidet aus – denn mangelnde Einstellung kann man dem FCK-Team ebenfalls nicht vorwerfen. Bleiben spieltaktische und personelle Veränderungen. Hier drängt sich vor allem eine auf.

Lakic muss raus.

Diese Erkenntnis hat nun wirklich gar nichts mit dem Gebrülle der vereinzelten Idioten zu tun, die nach dem HSV-Spiel Gleiches kundtaten. Nein, es geht vielmehr darum, was das Beste in dieser Situation ist. Für Lakic und für die Mannschaft. Deshalb sollte Kurz seinen Stürmer aus der Startelf nehmen. Er sollte ihn so aus der Schusslinie nehmen, ihn – so traurig das ist – vor dem unberechenbaren Gemüt des eigenen Anhangs schützen. Er sollte ihm die Chance geben, eventuelle Wehwehchen und sonstige Blockaden abzuschütteln, um auch körperlich wieder bei 100 Prozent anzulangen. Er sollte ihm ermöglichen, als Einwechselspieler auf einen müde gespielten Gegner zu treffen – und sich so ein Erfolgserlebnis zu holen.

Der FCK ist längst keine Überraschung mehr

Weil er keinen vergleichbaren Stürmertyp hat, wird Kurz wohl auch sein Offensivsystem umstellen müssen. Vielleicht den wuseligen Moravek zur zweiten Spitze befördern, vielleicht den wuchtigen Nemec neben dem quirligen Hoffer aufbieten, der den Frankfurter Konter wunderbar einleitete, vielleicht mit Tiffert auf einer offensiveren Position experimentieren. Irgendetwas jedenfalls muss jetzt passieren, denn sonst zottelt die Mannschaft, die schon längst keine Überraschung mehr ist, mit hängenden Schultern geradewegs wieder in Liga zwei.

Marco Kurz hat schon bewiesen, dass er vor einer solch weitgreifenden Entscheidung nicht zurückschreckt. Er hat vor dem letzten Heimspiel Abwehrchef Martin Amedick auf die Bank gesetzt. Mit dem Effekt, dass die Lauterer Defensive merklich an Stabilität gewonnen hat.

Amedick ist übrigens Kapitän. Genau wie Lakic.

Bild: TimTim.com

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.