Zwei Mal zwei macht Mai

dfb-pokal-neuHeute Abend steigt das DFB-Pokal-Halbfinale, das zwei große klangvolle Namen des deutschen Fußballs zusammen führt. Duisburg gegen Cottbus – welche Naschkatze schleckt sich da nicht in tollwütiger Vorfreude ums Maul? Mauertaktik vergleicht die beiden Teams vor dem deutschen Pendant zum „El Clásico“.

Der Trainer

Balkan-General Milan Sasic führt sein Regiment in Meiderich mit der Liebenswürdigkeit einer rostigen Stahlbürste. Der Mann, der an freien Tagen für sein Leben gerne spielende Kinder in seiner Einfahrt zusammenpfeift, vereint die Disziplinanforderungen einer russischen Eislauftrainerin mit dem Ehrverständnis eines sizilianischen Patrons. Und das alles durchmengt mit dem zähen kroatischen Blut eines Karlovackoer Bierbarons. Seine ersten Deutschland-Erfahrungen sammelte der findige Bürgerkriegsflüchtling auf dem Bau, von wo er auch sein Taktikverständnis übernahm (Hoch, tief). Weil der Ball in der Wunschvorstellung des grimmigen Fußball-Opas pro Halbzeit maximal vier Mal den Boden berührt, ist Sasics topmodernes System auf jedem noch so schlechten Untergrund durchführbar.

Sein Gegenüber Claus-Dieter Wollitz nannte sich schon zu Spielerzeiten nur selbst „Pele“. Wollitz war als Aktiver so etwas wie der Seuchenvogel der 90er. Mit dem Europacup-Teilnehmer 1. FC Kaiserslautern stieg er gleich im Premierenjahr ab, seinen folgenden Wechsel nach Uerdingen quittierte die Bayer AG folgerichtig mit dem Ausstieg aus der langjährigen Partnerschaft – es folgten unter Federführung von CDW der unvermeidliche Abstieg in die Zweite und dann auch Dritte Liga. Als Trainer in Cottbus will die Legende von der SpVgg Brakel nun die gegensätzliche Richtung einschlagen. Dafür hackte sich Cottbus das osteuropäische Standbein ab und setzt nun auf junge, talentierte, deutsche Spieler. Jedenfalls auf die jungen, talentierten, deutschen Spieler, denen es nichts ausmacht, sich an einer staubigen Autobahnausfahrt irgendwo zwischen Wroclaw und Katowice anzusiedeln. Die einstige graue Maus jagt Wolle nun mit Vorliebe durch brennende Reifen – Ergebnisse wie 3:3 oder 5:5 sind keine Seltenheit.

Der Kader

Die Erben des Közle stehen vor dem Pokal-Hit unter Schock: Leistungsträger Julian Koch (Daniel Brühl) hat sich am Wochenende schwer am Knie verletzt – und fällt lange aus. In die Bresche springen muss unter anderem Filip „El cavalho“ Trojan. Der oft etwas hölzern wirkende Linksaußen soll die Cottbusser Mauern mit viraler Verschlagenheit überwinden – und dann das System lahmlegen. Als Hardware steht seinem Team David Yelldell zur Seite, der klassische Bausatz-Keeper. Eine unberechenbare Allzweckwaffe ist Kult-Ösi Stefan Maierhofer (Spezialität: Wechselpass per Ferserlkick beim Corner). Der 202-cm-Hüne mit dem Turbo-Antritt verwertet seine Flanken zur Not auch selbst. Das Phantom aus Hütteldorf hat als Wolverhamptoner Wanderer-Arbeiter an der Wedau heuer schon sieben Tore erzielt – und ist damit Topscorer im Sasicschen Minimalisten-Ensemble.

Auf Seite von Chosebuz enttäuschend: Im gesamten Kader findet sich kein einziger Niedersorbe. Wie soll da die Identifikation mit dem eigenen Anhang gelingen? Was waren das noch Zeiten, als mit Detlef Irrgang, Jens Melzig und Ingo Schneider die Crème de la crème der Lausitzer Kaderschmieden im Stadion der Freundschaft Feindschaft säten. Mit diesen Recken übrigens gelang 1997 der erste und einzige Einzug ins Endspiel von Berlin. Nach der Kaderbereinigung durch den Osteuropa-Import-Stopp sind im Übrigen nun die Kanadier und Brasilianer (je zwei) die dominierenden ethnischen Gruppen. Rumänen-Bomber Emil Jula ist meist allein auf weiter Flur – so auch am heutigen Abend, wenn er verletzt auf der Tribüne sitzt. Ansonsten ist die Spieltaktik schnell erzählt: Brzenska auf Kruska auf Petersen. Tor.

Die Berlin-Frage

Im Pokal führen bekanntlich aller Sieger Wege nach Berlin. Hier hat der MSV die Nase vorne. Während Energie wie gesagt erst einmal (1997) unter Trainer Geyer in die Bundeshauptstadt pilgerte, war Duisburg schon drei Mal da (1966, 1975, 1998). Die Bilanz allerdings die gleiche: Null Siege. Immerhin aber qualifizierten sich die Zebras beim letzten Gastspiel am Maifeld durch eine knappe 1:2-Niederlage gegen die Bayern aufgrund der Auswärtstore-Regel 1999 für den Europacup. Da war dann aber in der ersten Runde gegen den übermächtigen RC Genk Schluss (1:1 und 0:5). Immerhin hat Cottbus-Trainer Wollitz schon mal als Spieler den Cup geholt. Im Endspiel 1996 kam er drei Minuten vor Ende auf den Platz. Da geht was. Für beide. Riecht nach Elfmeterschießen.

Bild: Flickr / Paehder

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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