Teenage Mutant Inter Turtles

Der Mauertaktik-Ausblick sagt Ihnen, warum Sie beim heutigen Champions-League-Duell Inter-Bayern unbedingt reinschauen sollten – und nicht etwa beim zeitgleich stattfindenden Volleyball-Klassiker Volero Zürich gegen Scavolini Pesaro.

13 Punkte Rückstand in der Liga – Zeit genug für den FC Bayern, neue Prioritäten für den restlichen Saisonverlauf zu setzen. Als da wäre: Endlich mal wieder die Champions League gewinnen. Das gelang zuletzt 2001 mit Cheffe Effe und Titan Kahn, zehn Jahre später wäre eine Wiederholung was Feines, auch weil die Münchner dann garantiert fürs Endspiel im kommenden Jahr in der heimischen Arena qualifiziert wären (neue UEFA-Regel).

Doch zunächst einmal muss der deutsche Rekordmeister das Gespenst des FC Internazionale abschütteln, das nun schon ziemlich lange in Europa umgeht. Der Marx-Engels-Klub aus dem italienischen Norden war bis letzten Sommer noch der Prototyp des transalpinen Fußballs – hinten enger als der Strand von Rimini Anfang August, vorne effektiver als ein Schürzenjäger in der Küchenabteilung. Doch dann ging Mourinho und mit ihm das Mailänder Selbstverständnis.

Dem schon nach wenigen Monaten gescheiterten Mourinho-Nachfolger Rafael Benitez folgte im Januar die Kröte mit der blauen Augenbinde nach. Ja, seit Turtle Leonardo für das Spiel der Interisti verantwortlich ist, blühen sie wieder auf, die Nerazzurri. Statt gescheitertem lässt der Brasilianer passen zu seiner Herkunft nun gescheiten Fußball spielen. Eine Mutation wie in einem besseren Ninja-Comic.

Offensiv und attraktiv ist die neue Spielausrichtung von Inter, in dieser Hinsicht gleicht Leonardo seinem Gegenüber van Gaal – doch im Gegensatz zum Knautsche-Holländer macht der Brasilien-Beau aber auch am Spielfeldrand bella figura. Dabei haben die Fans ihrem Leo sogar verziehen, dass er eigentlich beim anderen Mailand fest verwurzelt war. Nun will der mutierte Ex-Fußballer endgültig zum Meister Splinter aufsteigen.

Doch die Bayern haben was dagegen. Eminent wichtig für den deutschen Vertreter: Diego „No. 4“ Milito, der mit seiner umgekehrten Filtertechnik (oben nix rein, unten viel raus) die Bayern beim letzten Aufeinandertreffen in Koffeinschock versetzte, wird seiner Mannschaft beim Hinspiel im San Siro fehlen. Der Milito-Mann (im echten Leben Egon Wellenbrink) hat sich bei der Feinjustierung der teameigenen Saeco („extra-bolente“) eine Zerrung zugezogen.

Auf Münchner Seite setzt man natürlich vor allem auf das kongeniale Strumpfmasken-Duo Robbery, das nach zahlreichen Sparkassen-Brüchen endlich auf Weltbank umsatteln will. Dabei wurde der freche Frohnk am Wochenende von Jens Lehmann fies kritisiert. „Was erlaube Franzose“, so Urlaubs-Italiener Lehmann sinngemäß. „Isse hier drei Jahre, hatte gespielt zehn Spiele. Immer verletzt.“

Wer wird das Duell für sich entscheiden? Wir müssen Sie an dieser Stelle leider enttäuschen. Wir wissen es nicht. Freuen uns aber mit Ihnen, Verdammte dieser Erde, auf das Spiel heute Abend.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Teenage Mutant Inter Turtles“

  1. War ein sensationelles Spiel gestern Abend würde ich sagen. Und, auch ohne Vereinsbrille, hat die richtige Mannschaft verdient gewonnen :)

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