Fritz C. Klautermann (13)

klautermannAm Sonntag schauten aller Pfälzer Augen nach München. Nicht um den Erzfeind, die Bayern, ging’s, sondern um den Auftritt der Vereinschefs beim Flughafen-Talk. Mauertaktiks Pfalz-Korrespondent Fritzchen K. erinnert sich an einen früheren Besuch im „Doppelpass“ – und freut sich über den neuen Miraculix der Gallier der Bundesliga.

Im August 2002 war ein drollig dreinblickender weißhaariger Mann zu Gast im „Doppelpass“, der sonntäglichen Schwatzrunde im Privatfernsehen. Der Mann redete sich in den folgenden 90 Minuten um Kopf und Kragen, ruderte vor und dann wieder zurück, lavierte, stammelte – und fasste seinen Auftritt dann auch noch selbst in die wunderbar treffenden Worte: „Wir alle haben ein Defizit an Durchblick.“ Das Waterloo des Wieschemann wurde zum Sinnbild für einen Verein, der völlig aus den Fugen geraten war, eines Dorfklubs, der sich mit dem eigenen Größenwahn zu Grunde gerichtet hatte.

Man muss seitdem nur dieses eine Wort sagen, Wieschemann, um in fußballaffinen Zirkeln wahlweise Kopfschütteln, mitleidige Blicke oder lauthalses Lachen zu verursachen. Genau das waren ja auch die Reaktionen, mit denen der fast halsbrecherische Absturz des 1. FC Kaiserslautern vom Europacup-Teilnehmer zum Fast-Absteiger in die Dritte Liga binnen lediglich fünf Jahren von Außenstehenden begleitet wurde: Unverständnis, Mitleid, Schadenfreude.

Am Sonntagmorgen saß nun erneut ein weißhaariger Mann im „Doppelpass“. Nur handelte es sich dabei nicht um den Repräsentanten des FCK, sondern um den ewigen Udo Lattek, der im Grunde auch so etwas ist wie das menschliche Pendant zu einem vor die Hunde gegangenen Traditionsklub. Ihm gegenüber saß Stefan Kuntz, der Anti-Wieschemann, jung noch, nur leicht graumeliert, über freche Andeutungen souverän hinweglächelnd, in seinen eigenen Aussagen bestimmt – und überzeugt die persönlichen Positionen formulierend. Kein Stammeln, kein Rudern, keine peinliche Stille.

Das gallische Dorf der Bundesliga

Der FCK ist im Jahr 2011, dem 111. seines Bestehens, wieder das, was er in den ersten Jahren und Jahrzehnten nach Gründung der Bundesliga auch war. Das „gallische Dorf“ der Liga, wie es Stefan Kuntz am Sonntag ausdrückte. Damals, ab 1963, war der 1. FC Kaiserslautern der unmöglichste aller 16 und dann 18 Teilnehmer der höchsten Spielklasse. Strukturell im Grunde chancenlos in einer Region ohne nennenswerte Industrie, in einem maroden Stadion mit Holztribüne und Gemeinschaftsdusche spielend, fußballerisch turmhoch unterlegen.

Und doch stieg dieser seltsame Klub nie ab. Der Dorfklub behauptete seinen Platz unter den Großen – und zwar schlicht dadurch, dass er aus den bescheidenen Mitteln, die ihm auf und neben dem Rasen zur Verfügung standen, das Bestmögliche herausholte. In den ersten Jahren krebsten die Lauterer eigentlich immer unten herum – und schafften es doch immer irgendwie. Der klassische Tanz auf der Rasierklinge. „Wären wir einmal abgestiegen“, sagt der damalige Torwart Wolfgang Schnarr, „wären wir nie wieder hochgekommen.“

Die Situation des FCK heute, 48 Jahre nach Bundesliga-Gründung, ist exakt die gleiche. Finanziell eigentlich nicht konkurrenzfähig, mit einem Kader ohne einen einzigen gestandenen Bundesligaspieler, muss der Klub das Maximale aus seinen bescheidenen Möglichkeiten herausholen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, in der Liga zu bleiben. In der Hinrunde ist das auf teils begeisternde Weise geschehen. 21 Punkte – Siege gegen die Bayern, Schalke, Bremen.

Das Dorf ist belagert

Nun, im Neuen Jahr, ist das gallische Dorf belagert, von römischen Legionen, die die Schwachstellen in der Befestigung ausgemacht haben und ausnutzen wollen. Und von einer Armada Kriegsreporter, die die große Story wittern. Nur zwei Punkte in sechs Spielen – da muss doch der Trainer schuld sein! Raus mit dem! Es sind die üblichen Mechanismen. Doch sich ihnen zu beugen, hieße, ein normaler, hundsgewöhnlicher Klub zu werden. Und normal wäre bei all den oben beschriebenen schlechten Voraussetzungen am Ende dann auch nur der Abstieg. Das weiß auch Kuntz. Und deshalb sagt er: „Marco Kurz holt das Maximale aus der Mannschaft, er wird unser Trainer bleiben.“

Doch das interessiert natürlich nicht. „Er hat gesagt ‚Stand heute’“, triumphieren die Wortumdreher. „Das muss doch heißen: Morgen schmeißt er ihn raus!“ Nein. Das heißt nur, dass Kuntz nicht seine eigenen Wörter fressen will, wenn übermorgen etwas Unvorhergesehenes passiert, beispielsweise, dass Kurz einem Spieler beim Training in die Schnauze haut (recht unwahrscheinlich) oder nackt durch die Lauterer Altstadt tanzt (noch ein bisschen unwahrscheinlicher).

Doch eben weil das so unwahrscheinlich ist, steht Majestix ziemlich sicher auf seinem Schild. Während der saarländische Druide in seiner Hütte am Dorfrand den Trank des Aufschwungs braut.

Bild: TimTim.com

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Fritz C. Klautermann (13)“

  1. Toller Kommentar!
    Drückt genau die Situation aus wie sie ist, nicht mehr und nicht weniger.
    Ich hoffe Majestix bleibt noch lange auf seinem (rot-weissen) Schild.

    Steffen

  2. sehr guter kommentar du triffst denn nagel auf denn kopf kaum läuft es mal ein paar spiele nich gut fängt die verdammte presse wieder zu debatieren an ob der trainer rausfliegt EINE FRECHHEIT ohne marco währen wir verloren

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