Was kann man noch lesen?

booksDer Vorwurf: Fies abgeschrieben. Unser Verteidigungsminister steht ja dieser Tage in der Schusslinie aufgrund seiner Dissertation, die der geneigte Leser sich für knapp 90 Euronen im Fachhandel besorgen kann. Ganz Deutschland ist verunsichert: Was kann man heutzutage noch bedenkenlos lesen? Mauertaktik gibt Hilfestellung und zeigt drei Werke auf, die man sofort lesen sollte.

Franz Beckenbauer: Ich. Wie es wirklich war (Bertelsmann, München 1992)

Der Kaiser, die Lichtgestalt, der Franz. Er klärt auf, wie es wirklich war. Einige dachten ja es wäre anders gewesen, aber falsch gedacht! Franz klärt nicht nur über den Fußball von morgen auf („Auf Jahre hinaus unschlagbar …“), sondern stellt auch die Ereignisse in der Vergangenheit klar. So erfährt man wer Weltmeister geworden ist (Beckenbauer) und wer nicht (Holland, Cruyff). Es erwarten eine spannende Kapitel wie „Die Frauen und ich“, „Mein Körper und ich“, oder auch „Das Finanzamt und ich“. 320 Seiten Lesevergnügen.

Stefan Effenberg: Ich hab’s allen gezeigt (Rütten und Loening, Potsdam 2003)

Die meisten kennen Stefan Effenberg nur noch als Star einer Dokusoap, aber er war auch mal ein talentierter Schriftsteller. Davor war er natürlich „Teamkamerad“ von Thomas Strunz und Deutschlands Raubkatze Nummer Eins. Aus dieser Zeit hat er viele wertvolle Erfahrungen und Frisurentipps in dieses Buch gerettet. Der Mann der großen Geste spricht auch heikle Themen an, wie z.B. seine besten Spiele. Und ich bin einer, der lässt sich das nicht entgehen, Freunde der Sonne!

Horst Hrubesch: Dorschangeln vom Boot und an den Küsten (Parey Buchverlag, Berlin 1980)

Hier werden sich viele fragen: Wer ist dieser Dorsch? Der Dorsch zeichnet sich durch drei dicht beieinander stehende und abgerundete Rückenflossen sowie eine Bauch- und zwei Afterflossen aus. Seine Färbung ist meist ein rötlich, grünlich oder bräunlich Fleckenmuster, der Kinnfaden ist sehr lang und kräftig. Das Fleisch ist saftig und mager und eignet sich hervorragend zur Trocknung. Das Kopfballungeheuer Horst Hrubesch hatte schon immer ein Talent komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen („Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!“) und schafft es so einem den Angelsport näher zu bringen. Ich sage nur ein Wort: „Vielen Dank!“

(Bild: flickr.com / Ian Wilson)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.