Die coolste Sau von Lüdenscheid

Es ist an der Zeit, einen Mann zu feiern, wie es so gebaut in Deutschland nirgendwo einen zweiten gibt. Hunderte Jahre deutscher Trainerkunst haben dieser Tage ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Jürgen Klopp, für viele schlicht der Kloppomat oder auch nur Kloppo resp. die coolste Sau von Lüdenscheid, lächelt souverän auf die Liga herab. Die Gründe für den Erfolg.

Sachverstand

Klopp kennt den Fußball, er predigt, lebt und träumt ihn. Einst bewarb er sich zusammen mit Kerner und Urs Meier für die Goldene Kamera für die kurioseste Dreiecksbeziehung im deutschen Fernsehen. Während der Schiri aus dem Alpenstaat damals vorwiegend für verklausulierte Foulspielbewertungen zuständig war, redete Klopp Tacheles („Das ist geil gespielt, Leute!“) malte seinen Kollegen Kringel und Laufwege auf die Stirn und grinste ansonsten mit den Logopillen der WM um die Wette.

Die Jauchegrube (WM 2010) verließ der Taktikfuchs ebenfalls gänzlich unbefleckt – und sah dabei sogar gütig darüber hinweg, dass das Behelfsstudio wahlweise auf den Marktplätzen von Rheda-Wiedenbrück und Hoyerswerda aufgebaut war. Auch was die Diagnostik beim eigenen Spielermaterial angeht, macht Käpt’n Grinsebart keiner was vor: „Mario Götze ist morgens aufgewacht und hatte eine Verhärtung.“

Erfolg

Die harte Währung des Trainermetiers. Hier gehorcht die öffentliche Meinung der alten Bolzplatzregel: Wer hat, der hat. Weil schon der Kaiser wusste, dass der Erfolg ein scheues Reh ist, dass sich nur bei besonderen lunaren Konstellationen aus dem Dickicht auf die Lichtung wagt, feilt der dipl. Sportwissenschaftler Jürgen N. Klopp seit Jahren daran, dass alles passt. Zunächst als Abonnements-Vierter ein gebranntes Kind des Unterhauses, hat sich der geb. Stuttgarter mittlerweile in der Beletage des Sports ein gemütliches Nest errichtet. Was er natürlich mit Schnabel und Klauen gegen allzu aufdringliche Seuchenvögel (s.u.) verteidigt, um die Reinheit des Erfolgs zu garantieren.

Außendarstellung

Unerlässlich für einen Fußballlehrer modernen Formats ist eine perfekte PR. Grundsatz 1: Interviewanfragen gerne mal mit „Komm, leck mich am Arsch“ bescheiden. Grundsatz 2: Bei hartnäckigen Nachfragen darauf hinweisen, dass man „Bock wie Zahnweh“ auf das Gespräch hat. Grundsatz 3: Auch mal höflich nachfragen, ob nicht mal ein anderer Kollege den Job übernehmen kann, wenn die Statistik nachweislich gegen den Fragesteller spricht („50 Spiele gemacht, nie was gerissen, ey ehrlich!“). Grundsatz 4: Mut zur Flucht. „Und genau deshalb gibt’s kein Interview.“ Mauertaktik findet: Das schreit nach dem nächsten Fernsehpreis – in der Kategorie Pandemien.

Die Vorgeschichte:

Die Klimax:

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.