Grüezi back, Lüzieng!

Favres Fondue-Ausscheidung
Favres Fondue-Ausscheidung

Ja, sie haben der Bundesliga noch nicht den ganz großen Stempel aufzudrücken vermocht, diese Schweizer Coaches. Ob Martin Andermatt, Marcel Lagerkoller, Hanspeter Scholl-Latour, Rolf Swinger oder Lieutenant Kojak neulich beim VfB – über kurz oder lang (meist kurz) hieß es wieder: Faretheewell, oh Switzerland!

Nun also soll der Ex-Gladbacher Lucien Favre die Hertha vor dem Aufstieg retten. Nee, Moment, also der Ex-Herthaner Lucien Favre soll Gladbach vor dem Klassenerhalt retten. Oder so ähnlich.

Wichtig ist dabei ein Wort: Polyvalenz. Das heißt bei Favre zum einen, dass Spieler, die einen Elfmeter versemmeln, einfach so oft wieder antreten, bis sie a) wieder treffen oder b) vom Trainer erwürgt werden. Marko Pantelic hat diese Eigenwuttherapie damals zur Perfektion gebracht, allerdings mit dem vierten verhauenen Penalty seinen Chefcoach an den Rand des Herzkollers (nicht verwandt oder verschwägert) gebracht.

Polyvalenz, das Alles-muss-nichts-kann-Mantra eines hoffnungslosen Perfektionisten – genau das richtige Konzept für einen Tabellenletzten, könnte man sagen. Mauertaktik-Informationen zu Folge beorderte Favre die Gladbacher Profis zunächst zum Rasentrimmen mit der Nagelschere („Wehe, da steht ein Halm über!“). Um die erste Elf für das Heimspiel gegen Schalke zu bestimmen, ist für Donnerstag das klassische Fondue-Ausscheidungsessen geplant (vgl. „Asterix bei den Schweizern“). Für die Verlierer geht es direkt ins Entmüdungsbecken – mit einem Gewicht an den Füßen.

Doch natürlich setzt der gelernte Erdnusszähler, der nach Niederlagen immer ein bisschen aussieht wie eine traurige Wüstenmaus, in der Gladbacher Krise auch auf die Liebe. Dazu verpflichtet ja allein schon sein Amtsantritt am 14.2… Spielern, die etwas gut gemacht haben, steckt er einen Riegel Toblerone zu. Lecker Abstiegskampf.

Favre, das Super-Hirnli aus dem Kanton Waadt, hat sich in seinen Zweieinhalbjahresvertrag, der für alle drei deutschen Profiligen gelten soll, auch eine dolle Prämie schreiben lassen: 250.000 Euro. Problem: Die gibt es nur im Falle des Klassenerhalts mit der Borussia. Aber auch das ist wohl dem alten Affen Polyvalenz geschuldet. Was ja irgendwie dann auch nur so viel heißt wie: Viel wert.

Viel wert war im Übrigen auch Favres Abschied aus Berlin im September 2009 (seitdem Job-Center Saint-Barthélemy Nord). Weil er ja nicht mehr aufs Vereinsgelände durfte, mietete sich Favre vor seinem Abflug ab TXL noch schnell einen Konferenzraum eines Berliner Luxushotels und sprach Klartext. Da teilte Lulu noch mal kräftig aus. Tenor: „Zu viele Kompromisse“ von ihm selbst, „Scheiß-Einkäufe“ von den anderen. Aha.

Aber jetzt hat der Mann, der in den 16 Monaten seit Hertha nach eigenen Angaben den Duden einmal von vorne bis hinten und nochmal zurück durchgepaukt hat, die riesige Chance, alles nochmal neu zu machen. Neues Image usw.: Vom Lulus zum Kloppus oder so ähnlich. Bonne chance dafür, Monsieur F.!

Bild: Flickr / sashafatcat

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

9 Gedanken zu „Grüezi back, Lüzieng!“

  1. Und Tschüß Gladbach, da jeder weiß, dass Favre immer mindestens ein halbes Jahr braucht, bis die Mannschaft seine Taktik respektive ihn versteht gehts dann so ab der winterpause in der 2.liga aufwärts. leider wird der 3 platz knapp verpasst…

  2. So muss man seinen 100.Geburtstag feiern – mit 10.000 Bengalos in der ganzen Stadt verteilt. Oder kurz gesagt: Hell on Earth!

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