Tommy, go home!

Kehrt auf seinen Landsitz zurück: Steve McC.
Kehrt auf seinen Landsitz zurück: Steve McC.

Es hatte sich angedeutet in den letzten Wochen. Nun ist es amtlich. Hoeneß und McClaren gehen künftig getrennter Wege. Wie es dazu kam – und was jetzt noch kommt, weiß Mauertaktik.

Mit den schlichten Worten „Sorry, we cannot go on“ beendete Dieter Hoeneß die Amtszeit des englischen Ausnahmetrainers (hat alles außer Erfolg) – und gestand zerknirscht ein: „Es war ein Fehler, den Regenschirmtrottel zu verpflichten.“ Wally McBrolly seinerseits sagte der „Bild“: „Ich bin traurig und enttäuscht.“ (Wobei er nicht sagte, ob über seine Demission oder über die Berichterstattung in Deutschlands Schmierblatt Nummer eins.)

Damit geht bereits der dritte Trainer in Hoeneß‘ gut einjähriger Amtszeit beim sympathischen Karossenklub am Mittellandkanal. „Wups, I did it again“, soll Hoeneß noch in die Muschel geflötet haben, bevor er McClaren eine gute Reise wünschte. Der gewichtige Manager, der bereits Hertha BSC mit Fantasietransfers von lebensuntüchtigen Brasilianern fast in den Untergang gewirtschaft hatte, ist nun auch auf dem besten Wege, die Millionen seines neuen Arbeitgebers in Albernheiten zu investieren. Der VW-Vorstand schwieg zunächst zu den kuriosen Vorgängen auf dem Firmengelände.

Steve-O und Wolfsburg – das passte von Beginn an wie England und Elfmeterschießen. McClaren gab am Seitenrand insgesamt eine ähnlich klägliche Figur ab wie Prince Charles in der Sauna. Zwar verzichtete der erfolgloseste englische Nationaltrainer aller Zeiten in Wolfsburg auf die gewohnte Abschirmung von den Zuschauern hinter ihm – doch auch das rettete ihn nicht vor dem Hohn des Publikums („Tommy, go home“). Neue Taktik, neues Training, neue Frise – McClaren probierte wirklich alles, am Ende war es nicht genug.

Die Mannschaft aus dem Schlamassel führen soll nun: Pierre Littbarski. Pierre Littbarski?!, werden Sie richtigerweise an dieser Stelle fragen, WTF?!. Ja, genau, Litti, einst vierter Assistent von Berti Vogts bei Bayer Leverkusen, zuletzt Dolmetscher von McClaren beim VfL, dazwischen in Japan und Australien ein bisschen erfolgreich, danach in Liechtenstein gar nicht. Litti Littmanen, der immer so guckt, als hätte ihm gerade einer den Nachtisch geklaut. Litti, der Außerfrisurische.

Littbarski sei „mit allen Vollmachten ausgestattet“ worden, erklärte Hoeneß. Mauertaktik-Informationen zu Folge soll sich der Ex-Vokuhilaner erst einmal einen 1979er VW Jetta als Dienstwagen geordert und die Mannschaft auf strenge Maki-Diät gesetzt haben. Für alle, die sich nun fragen, ob Hoeneß eigentlich noch alle Felgen am Schlitten hat, sei gesagt: Ist ja nur übergangsweise. Im Sommer soll schon der Heiland kommen, Ralf Rangnick, wie man hört, der gegenüber den anderen Kandidaten Willi Reimann, Roy Präger und Wolfgang Wolf die Nase vorne hat.

Stellt sich nur die Frage: Was will Rangnick bei einem Zweitligisten?

Bild: Flickr / mysza831

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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