Des Kaisers Dritte Fußball-Welt

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Ein gut besuchtes Spiel beim Asien-Cup

Für Dortmunds Japaner Shinji Kagawa scheint die Saison gelaufen. Der flinke Flügelflitzer erlitt unter der Woche beim Asien-Cup einen Mittelfußbruch und das Geschrei im Pressewald ist groß. Auch Mauertaktik fragt: Hätte das denn wirklich sein müssen?

Das Prinzip ist im Grunde genommen durchaus bekannt. Der Jahresbeginn wird in aller Regelmäßigkeit dazu genutzt, ausreichend Kondition zu bolzen, damit in der zweiten, entscheidenden Halbserie nicht irgendwann die Luft knapp wird. Da kann man als weniger laufaffiner Spieler schon mal ziemlich das Kotzen kriegen. Da ist es natürlich sehr praktisch, dass es auf anderen Kontinenten auch Europameisterschaften gibt. So gab es in den letzten Jahren regelmäßig Stress zwischen Trainern und afrikanischen Nationalspielern, weil auf einmal Tunesien gegen Namibia wichtiger war als der Abstiegskampf.

Hatte man sich zuletzt mit dem Afrika-Cup zumindest arrangiert, so mutet der derzeit stattfindende Asien-Cup doch ziemlich grotesk an. Usbekistan gegen China, Indien gegen Bahrain, Jordanien gegen Syrien. Und der ganze Spaß findet in – na klar – Katar statt. Länder, die man sonst nur aus der Tagesschau kennt, treten im Fußball gegeneinander an. Sollen sie doch, könnte man jetzt sagen, aber warum sollen da Spieler mitwirken, die qualitativ in der Bundesliga mithalten können. Ist das nicht total unfair? Wie darf man sich das vorstellen, wenn ein Kagawa in Hinrundenform durch Katars Abwehr tanzt. Wahrscheinlich wie bei Captain Tsubasa und den Super-Kickers.

Kaiser Franz und die Dritte Fußball-Welt

Ist es jetzt gleich wieder typische Arroganz, wenn man den Asien-Cup kleinredet? Mitnichten! Denn der Stellenwert der asiatischen Kontinentalmeisterschaft im Fußball rangiert nicht nur hierzulande völlig zu Recht irgendwo zwischen Blinden-Twister und Zwergen-Hochsprung. Auch in den betroffenen Ländern interessiert man sich für das „Großereignis“ so, als würde in Deutschland ein Sack Weizen umfallen. Sensationelle 2022 Zuschauer tummelten sich im Al-Rayyan-Stadion, um den Kantersieg der Japaner gegen Saudi-Arabien zu bestaunen. 2022. In Katar. Ist das ein Zeichen vom Fußball-Gott? Selbst bei Spielen des Gastgebers blieben regelmäßig 10.000 Plätze leer. Die sogenannte Generalprobe für die Irren-WM 2022 gibt immerhin einen ehrlichen Vorgeschmack auf das, was denn da kommen soll.

Doch was tun? Man kann ja schlecht das Kindergarten-Prinzip anwenden und die schlechteren Kinder einfach nicht mitspielen lassen. Es wäre doch leicht vermessen und bestimmt auch egoistisch, wenn wir all den Spaß nur für uns haben wollen. Wir, also Europa und Südamerika, eben überall dort, wo die breite Masse sehr gut mit einer 7-Tage-Fußball-Woche leben kann. Oder doch nich? Bereits 1986 teilte The Kaiser himself den Fußball-Globus in Erste und Dritte Welt. Einem zufällig anwesenden Journalisten erklärte Franz Beckenbauer während der Mexiko-WM, dass der Mann an der Linie einfach schlecht war und zwar mit der Begründung, dass der Mann „ja, gut, äh“, nun einmal Australier sei. „Der mag vielleicht sein Bestes geben. Aber das ist für uns eben nicht gut genug. Des is halt a Blinder!“. Und wer würde dem Kaiser widersprechen wollen…

(Bild: flickr.com / smemon87)

7 Gedanken zu „Des Kaisers Dritte Fußball-Welt“

  1. er is halt ein blinder!!

    „wir werden auf jahre hin unschlagbar sein!!!“

    Ah geh Franz halt halt einfach mal die backen!!!

  2. Danke Persico für den Link! Ist mal wieder ein schöner Trip zurück in die Kindheit gewesen, als man um 14 Uhr aus der Schule kam, dann schnell das Mittagessen herunterschlang, um noch vor den Hausaufgaben um 14:25 Uhr die Serie sehen zu können. Man, waren das noch schöne Zeiten…

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