Aachen? Es gibt kein Aachen!

Bayern München bei Alemannia Aachen – in den letzten Jahren ein ungleiches Duell. Man mag es kaum für möglich halten, aber die Aachener sind der Angstgegner der Münchner. Wie, warum und wieso – und was das alles mit den Galliern zu tun hat, lest ihr in der Mauertaktik-Geschichtsstunde.

Es gibt dieser Tage ein Wort, das sie in und um München möglichst nicht in den Mund nehmen wollen. Was für die Averner im Asterix-Band das „Aleschia“ war, ist für die Bayern „Aachen“. Der Ort der Schmach, den es eigentlich nicht gibt. Genauso wie der schnauzbärtige Weinhändler Alkoholix mit Vehemenz bestreitet, überhaupt zu wissen, wo dieser Ort liege, fragen auch die Bayern-Verantwortlichen in diesen Tagen: „War was?“

Doch es ist Fakt: Ebenso wie Gallierfürst Vercingetorix dem alten Schleifer Julius am Ende der Saison 53/52 v. Chr. (Abstieg in die Knebelrunde) die Waffen vor die Füße schleuderte, streckten das bayrische Heer in schöner Regelmäßigkeit auf dem Aachener Feldherrenhügel Tivoli die Beinchen in den Himmel. Man mag es kaum glauben: Aber die Bayern sind seit 42 Jahren im Rheinland ohne Erfolg. Zu all der Schlachtenmetaphorik passt dann auch, dass Aachen-Manager Erik Meijer schon im Vorfeld van Gaals „Waterloo“ beschrie. Belgien ist ja ohnehin nicht weit.

Trainer Peter Hyballa hat dagegen wohl ein bisschen zu viel „Band Hero“ gezockt und schwadronierte von „Speedmetal-Hardrock-Gitarrenriff-Fußball“. Es steht für den Titelverteidiger zu befürchten, dass die Gastgeber auf dem Tivoli mal wieder den Ton angeben wollen. So wie 2004, als Stefan Blanks Mittwochsschuss den Tor-Titanen auf dem falschen Fuß erwischte – und den Zweitligisten am Ende bis ins Finale von Berlin katapultierte. (Den entscheidenden Pfeil versenkte damals übrigens Erik Meijer nach Vorlage von General Paulus im Fleisch des übermächtigen Gegners.

Zwei Jahre später gelang den Aachenern die lang ersehnte Befreiung von den Fesseln der Unterklassigkeit. Und wen wundert’s, dass beim Aufstieg auf der Anzeigetafel bereits ein Pärchen voller Vorfreude eingeblendet wurde: Alemannia-Raute und Bayern-Kreis.

Sie würden wieder kommen – und sie kamen. Im Dezember 2006, verantwortlich für die Strategie der Averner… quatsch: Aachener waren die großen Schlachtenlenker Frontzeck und Schmadtke. Diesmal rieben die Alemannen die Bajuwaren gar regelrecht auf – das Gefallenenverhältnis betrug am Ende 4:2. In diesem Spiel übrigens empfahl sich Rekrut Jan Schlaudraff mit seinem Solo vor dem letzten Tor derart nachhaltig beim FC Bayern, das Hoeneß ihn gleich zum Ende der Saison für zwei Asse Sold im Monat verpflichtete. Heute nur noch eine Fußnote der Geschichte.

Anders als der würdevolle Auxiliar mit dem klangvollen Namen: Laurentiu-Aurelian Reghecampf, der sich durch seine zwei Wirkungstreffer gegen die verhassten Eroberer aus dem Süden in des Volkes Seele schrub – und die Bayern erfolgreich hinter den Weißwurst-Limes zurückwarf. Und dort sollen sie auch bleiben – jedenfalls wenn es nach den stolzen Grenzländern geht, die auch heute Abend wieder ihren ganz persönlichen Karlspreis gewinnen wollen.

Warten wir also ab, wer in diesem Jahr zum Gaius Faulus bei den Römern wird. Ab 20.30 uhr heißt es dann wieder: Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln…

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

7 Gedanken zu „Aachen? Es gibt kein Aachen!“

  1. Ja, schöner Artikel. Aber am Ende ging es doch so aus, wie es ausgehen mußte. Schließlich wollen wir doch ein Pokal-Finale Schalke gegen Bayern sehen.

  2. Anmerken möchte ich, dass dieser Artikel sehr schön recherchiert und in ein witziges historisches Kleid gesteckt wurde. Prima. Am besten hat mir gefallen: „Ende der Saison 53/52 v. Chr. (Abstieg in die Knebelrunde)“

  3. Freue mich auch schon auf ein Finale Cottbus – Duisburg. Und dann mal schauen, wer von denen die EuroLeague gewinnt.

  4. Man sollte den Pokalsieger dieses Jahr ermitteln, indem einfach das Team, das den höheren Halbfinalsieg holt, den Cup überreicht bekommt. Erspart uns dieses Nicht-Spiel im Mai.

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