Erich und das liebe Geld

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Groschenromane (c) Jelinek

Der spektakulärste Wechsel des Winters ist vollzogen. Erich „Erik“ Jendrisek, Schalkes Mister null Tore 2010, wechselt für 900.000 Euro zum SC Freiburg. Felix Magath weinte vor Glück, als er den teuersten Arbeitslosen Deutschlands endlich von der Gehaltsliste hatte. Und Robin Dutt hat jetzt wieder elf Spieler beisammen. Wie es dazu kam – bitte weiterlesen.

Beginnen wollen wir mit einer kleinen Geschichte, die sich in Kaiserslautern zugetragen hat. Da hat der Erich mal gespielt. Früher. Einmal schlief er da in der Mannschaftssitzung ein und wurde von Onkel Milan vor die Wahl gestellt: Geldstrafe oder Strafversetzung zu den Amateuren auf unbestimmte Zeit. Um Erichs prompte Antwort („Amateure!“) zu verstehen, muss man wissen, dass er ursprünglich aus einem ziemlich armen Land kommt. Deshalb hat sich der Jungprofi zum Ziel gesetzt, möglichst schnell möglichst viel harte Euromark zu horten, um damit dann in der Heimat eine Badelandschaft zu eröffnen (mit Riesenrutsche).

Nun denn, irgendwann wurde er dann begnadigt – und spielte auch gar nicht mal schlecht. Am Ende der letzten Saison hatte Erich 15 Tore für seinen Verein erzielt – und wieder mal die Wahl. Da bleiben, in Lautern, als Publikumsliebling und Stürmer Nummer 1. Oder: Viel, viel Geld verdienen bei Onkel Felix. Da gab’s nicht viel zu überlegen. Jedenfalls nicht für Erich. Schließlich war er ja auch auf Schalke der beste Stürmer. Jedenfalls bis Raul und Huntelaar kamen. Kann man ja nicht wissen, hat ihm ja keiner gesagt vorher, dass der Felix gerne mal ein bisschen shoppen geht.

So gingen die Tage ins Land. In seiner Zeit in Gelsenkirchen brachte es der treue Erich immerhin auf drei Einsätze in der Bundesliga mit roundabout 30 Minuten Nettospielzeit. Dazu noch zwei Minuten Champions League, ein bisschen Pokal. Nur ein Tor für Schalke hat er nicht geschossen. Warm geworden ist der gefallene Shooting Star, der den meisten königsblauen Fans ziemlich schnuppe blieb, vor allem mit der Hartschale im VIP-Bereich, Reihe 31, Sitz 12.

Nun, immerhin dieses Problem wird er nun im Badischen nicht haben. „Für die Ersatzbank haben wir im Moment niemanden“, verkündete Freiburgs Trainer Robin Dutt stolz die Erfolgsbilanz des klubeigenen Unternehmensberaters. 14 Profis sind den Rationalisierungsbemühungen des Öko-Klubs (offiziell als „Grippe“ deklariert) zum Opfer gefallen. Jendrisek dürfte also gleich am Samstag gegen Nürnberg spielen – es sei denn, ein A-Jugendlicher drängt sich noch im Abschlusstraining auf, was nicht ganz ausgeschlossen ist. Geld für Rauls hat Dutt zum Glück nicht.

Literaturnobelpreisträger Jelinek (Lieblingsbuch: Deutsche-Bank-Jahresportfolio 2010) wird fortan also wieder Groschenromane fabrizieren. Zum Abschied wurde ihm vom Schalker Anhang noch die Tommy-Jaud-Bibliographie überreicht. In seiner slowakischen Heimat werden dem Fußballprofi A.D. unterdes gute Chancen bei der Wahl zum „Depp des Jahres“ eingeräumt. Mauertaktik gratuliert schon mal. Mehr davon, Junge!

Bild: Flickr / gfpeck

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

11 Gedanken zu „Erich und das liebe Geld“

  1. Hatter alles richtig gemacht. Das halbe Jahr auf Schalke (sagt man noch auf?) hat ihm genug eingebracht für Badelandschaft UND Lottoannahmestelle.
    Jetzt noch 2 Jahre als Stürmer in Freiburg um seinen Mittelfeld-Platz in der slowakischen Nationalmannschaft zu sichern und aufs Rententeil mit 26.
    Hatter alles richtig gemacht.

    Verdammt jetzt hat der Schleck mich mit Frust angesteckt.
    Deshalb frei nach dem Freiburger Fan-gesang der Vorrunde.

    Jendrisek spielt Championsleague, auf der PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht.

  2. Nee, nur schade. Aber Lakic war hinter ihm Stürmer Nummer Zwo und jetzt brennt dieser.
    Und nach Lakic brennt halt ein anderer.
    Sind nur die letzten Zuckungen meiner reinen, romantisch-traditonellen Fan-Seele.
    Verbitterung nein, zucken ja.

  3. @inchester:

    ich wollte den post audiovisuell unterlegen, fand aber nicht das gewünschte material.

  4. Immerhin ablösefrei. Hätte Hoeneß auch zugetraut, ihn erst auszubilden, dann für lau abzugeben und schließlich wieder teuer zu kaufen…

  5. Naja, „auszubilden“ ist wohl etwas übertrieben. Er kam mit fast 23 nach Berlin, die Ausbildung fand dann doch eher in Kroatien statt.
    Und das „reifen“ zum bundesligatauglichen Stürmer in Kaiserslautern, evtl. noch Almelo. Die Zeit bei Hertha könnte man am besten mit „Stagnation“ zusammenfassen :)

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