Die Faust im Nacken

fussball-gewaltHieb- und stichfeste News kommen vom österreichischen Traditionsklubs Red Bull Salzburg: Nach übereinstimmenden Medienberichten sollen Chefcoach Huub Stevens (57) und sein Assistenztrainer Eddy Achterberg (63) wie die jungen Zuchtbullen aufeinander losgegangen sein. Stevens soll nun der Rauswurf drohen. Doch wer regt sich eigentlich über ein kleines Gerangel auf – in einem Metier, in dem der hübsche Slogan „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ zum festen Fan-Inventar gehört? Mauertaktik hat einige handfeste Beispiele für die These zusammen getragen, dass Gewalt zum Fußball gehört wie der Ernst zu Happel.

„Soll ich den Spielern etwa auf die Fresse hauen, damit die Spannung erhalten bleibt?“, fragte Ewald Lienen schon zu Bundesligazeiten. Dass er sich mit diesem Spruch Jahre später einmal so verzetteln würde, hätte der heutige Übungsleiter von Arminia Bielefeld wohl nicht gedacht. Doch während seiner Zeit in Griechenland nahm einer seiner Spieler bei Panionios Athen diesen Leitspruch etwas zu wörtlich und ließ bei einem Trainingsdisput Lienens Co Abder Ramdane eine derartige Schelle angedeihen, dass selbst der Feta im Vereinsheim sauer wurde. Der Klub reagierte sofort – und schmiss Ramdane raus. Lienen ging dann gleich mit.

Für schlagfertige Argumente war auch Ansgar Brinkmann immer zu haben. Als er mit seinem Mannschaftskollegen Dirk van der Ven eines Nachts lediglich ein paar friedliche Runden auf der Eisbahn in Gütersloh drehen wollte, störte ein aufdringlicher Wachmann die Kreise des „letzten Typen“ im deutschen Sport. Es kam, wie es kommen musste: Brinkmann vermöbelte den Hilfssheriff und gab auf der Flucht noch einen wohlgemeinten Ratschlag: „Wenn du die Polizei rufst, schlag ich dich tot, du Penner!“ Als dieser jedoch genau das machte und die beiden Eisläufer wenig später gestellt wurden, wütete der „weiße Brasilianer“ gegen die Presse: „Schreibt doch auch noch, dass ich Bin Laden im Keller verstecke.“

Mario Basler beschleunigte seinen Transfer von Bayern München zum 1. FC Kaiserslautern einst bekanntlich mit einer nächtlichen Vertragsverhandlung in der örtlichen Pizzeria – seinem Faustpfand quasi. Wenig verwunderlich daher Super-Marios Patentrezept im sportlichen Krisenfall: „Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen!“ Und auch zum Wettskandal hat der untadelige Sportsmann die passende Antwort parat: „Ich konnte schon als Spieler nicht verlieren. Wenn mich jetzt jemand ansprechen würde, ein Spiel absichtlich zu verlieren, würde ich ihm auf die Fresse hauen.“

Noch eindringlicher, auch das ist hinlänglich bekannt, gestaltete sich die Verabschiedung von Jörg Berger beim türkischen Verein Bursaspor. Der Klubvorstand legte Berger nahe, doch bitte umgehend das Land zu verlassen. Als Berger nicht gleich verstand, lag plötzlich eine Pistole auf dem Tisch – mit dem Hinweis: „Das ist unsere Sprache.“ Keine weiteren Fragen.

Bild: Flickr / Noel Feans

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Die Faust im Nacken“

  1. Gewalt – wer sie schätzt, unterschätzt sie, aber wer sie negiert, lädt sie ein. Lieber ein Gewaltschuß als eine Kopfnuß.

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