Alles baba

Während sich die Wogen der wechselhaften Transfersee anderswo schon wieder geglättet haben, meldet Hoffenheim noch Land unter. Das Kraichgauer Hochwasser läuft nun gerade einem in die Stiefel, der längst über den Kanal machen wollte. Und in der Bracke grassiert eine gefährliche Krankheit. Mauertaktik misst Pegel und Blutdruck.

Es war die klassische Fluchtreaktion. In den Tagen zwischen schneereichem Winter und den Sturmfluten des Tauwetters wollte sich der geneigte Nichteuropäer aus dem Staub machen. Bei Nacht und Nebel wurden die Koffer gepackt, dem Arbeitgeber eine kurze Notiz hinterlassen („Bin auf Fortbildung“) – und ab mit dem Doppeldecker auf die Insel.

Doch dann platzte die Blase. Dr. Stoke meldete, dass Demba Ba durch den medizinischen Check gefallen sei. Angeblich soll der Stürmer unter dem mutierten H18N99-Erreger leiden, der sich durch extremen Gesichtsverlust und gleichzeitigen rapiden Gewichtsgewinn (mehrere Millionen Pfund) äußert. Das gefährliche an diesem Keim: Der Betroffene denkt, er sei topfit und stehe mitten im Leben, obwohl er sich bereits in strenger Quarantäne befindet – und von seinen Artgenossen längst erfolgreich isoliert worden ist.

Etwas anders sieht man das naturgemäß in Hoffenheim, wo Manager Ernst Tanner (Eberhard Feik) klarstellte, er habe „keine Lust auf noch ein Resozialisierungsprogramm“ für den verhaltensauffälligen Senegalesen. Gleichzeitig sagte Tanner, dass der englische Klub den eingebildeten Kranken unbedingt haben wolle. „Das ist doch alles baba, Freunde der Nordsee“, ließ sich Tanner zitieren und fügte hinzu, er sehe diese Sperenzchen als „Teil der Show“, die bei der Verpflichtung eines solchen Ausnahmeschauspielers nun mal dazugehörten.

Einen Weg zurück gibt es für Ba aktuell nicht. Denn eine Ausnahme will Hoffenheim für den abtrünnigen Afrikaner nicht machen, und das obwohl er – für einen Mann seiner Herkunft durchaus nicht handelsüblich – gültige Arbeitspapiere für den EU-Raum besitzt. „In der zweiten Mannschaft“ könne er ja gerne mittrainieren, ließ der Kraichgauer Kiezklub ausrichten. Ba schwieg zunächst zu dieser verlockenden Offerte.

Dabei hätte alles so schön werden können. Kumpel Dzeko hatte es vorgemacht. Der Bosnier, dem Ba durch gemeinsame Hobbys (Fußball spielen, Geld horten) verbunden ist, hatte seine Freilassung aus dem Wolfsburger Knebelvertrag erfolgreich bei der britischen Notenbank erstritten. Nun wollte Ba, wie beschrieben, nachziehen. Ob der findige Fußballwanderer seinen Traum nun doch noch wahr machen kann und tatsächlich wie angestrebt „die Ba von England“ werden kann, steht in den Sternen über Mittelengland.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Alles baba“

  1. Es war nichts mit der Flucht –
    was der jetzt wohl flucht!

    Ohne den englischen Regen
    muß er sich wohl auf der Tribüne regen.

    Ist er gebrochen oder stolz?
    Egal, er ist aus Ebenholz.

  2. Ui,ui, ui… Politisch nicht ganz korrekt, aber literarisch ganz großes Kino – mir gefällt’s! :-)

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