Der große Buli-Check zur Rückrunde (II)

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Und weiter geht’s mit dem großen Bundesliga-Rückrunden-Check. Nachdem wir gestern bereits die Plätze 10 bis 18 durchleuchtet haben, widmen wir uns nun der besseren Hälfte der Liga. Wer wird Meister, wer will in den U-U-efa-Cup und wer weiß nicht, warum er eigentlich so weit oben steht? Mauertaktik klärt auf.

Der Hamburger SV überwinterte auf Platz 9 und somit zwar ziemlich genau da, wo die Mannschaft sportlich momentan auch hingehört, aber da es auf dieser Welt womöglich keinen Ort gibt, an dem Erwartungen und Möglichkeiten derart divergieren wie in der Hansestadt, steht Trainer Armin Veh mächtig unter Druck. Für Mario Basler ist Herr Veh daher auch Wackelkandidat Nummer 1. Auch wenn dieser Tipp realistischer ist als Baslers Meisterschaftsfavorit (Schalke…) vertraut der HSV-Coach dem gleichen Personal, das ihm den ganzen Mist überhaupt erst eingebracht hat. Ganz anders dagegen in Hoffenheim. Beim Traditionsklub aus Sinsheim wird „never change a winning team“ gar nicht mal so groß geschrieben. Warum auch, ist ja schließlich englisch. Trainer weg, Superstar weg, Geld weg. Die TSG muss mächtig aufpassen, nicht in der Mittelmäßigkeit zu verschwinden. Und dazu gehört auf jeden Fall, sich nicht öffentlich auf die eigene Schulter zu klopfen, weil man Matthias Jaissle zum Bleiben überredet hat, wie es jüngst Neu-Cheftrainer Pezzaiuoli auf dem Presse-Boulevard tat, keine zwei Wochen, nachdem das Herz des Teams Luiz Gustavo an die Konkurrenz verhökert wurde. Denn noch einmal bindet sich Hoffenheim-Erfinder Dietmar Hopp sicherlich keine 250 Phantastilliarden ans Bein. Gefühl einen Platz besser als sonst steht die Frankfurter Eintracht auf Rang 7 und wird vom menschlichen Auge beim Blick auf die Tabellenspitze gerade noch so registriert. Das war sonst anders. Wenn man Michael Skibbe nach dem Grund für das gute Abschneiden seiner Mannschaft befragte, würde er das freundlichere seiner beiden Sorgenfaltengesichter aufsetzen und so etwas sagen, wie „konstante, ausgeglichene Halbserie gespielt“ und „auf dem richtigen Weg“ und „Leck mich am Arsch, haste die Olle da gerade gesehn??“. Tun wir aber lieber nicht. Fakt ist, dass Torfanis Gekas vorne trifft, wie er lustig ist und hinten relativ wenig passiert. Wenn Ioannis Amanatidis in der Rückrunde zu alter Stärke findet, könnte Frankfurt sogar in noch unbekanntere Gefilde aufsteigen.

Apropos unbekannte Gefilde: Was der SC Freiburg auf Platz 6 der Erstliga-Tabelle verloren hat, weiß eigentlich niemand so recht. Schuld an diesem Elend sind sowieso die anderen und Papiss Cisse, der den Freiburgern mit seinen 13 Saisontoren ein tolles Torverhältnis von 25:25 beschert hat. Da er diese 13 Saisontore sicher nicht wiederholt, wird auch im Breisgau bald wieder Realität einkehren. Gleiches gilt für Hannover 96. In Niedersachsen heißt Papiss Cisse eben Didier Ya Konan und ist Ivorer, aber die Crux bleibt: Platz 4, minus 2 Tore. Was nach einem Scherz klingt, ist nämlich Mirko Slomkas bitterer Ernst. Doch auch hier gilt: Eine Ein-Mann-Show funktioniert nicht eine ganze Saison. Denn für eine vernünftige Ein-Mann-Show braucht mindestens zwei. Wie beim FC Bayern. Robbery is back und das könnte für die Konkurrenz ganz üble Folgen haben. Denn auch wenn der erste Platz außer Reichweite scheint, so stehen die Münchener auf Rang 5 hinter der Konkurrenz und warten auf die Fehler der Mitbewerber, ohne dabei selbst welche zu machen. Und so werden die Bayern quasi a tergo jeden aus dem Weg penetrieren, der nicht genügend Eier zeigt. Letztes Restrisiko bei diesem Plan steht zwischen den Pfosten. Denn Hobby-Diktator Louis van Gaal hat qua Bulle verfügt, dass Thomas Kraft neue Nummer 1 ist mit dem dezenten Hinweis, dass sich das auch wieder ändern kann („Wenn Kraft patzt, spielt Butt wieder!“). Mit anderen Worten: Macht Kraft den Rensing, hat er keine Freude.

Bei Bayer Leverkusen kann man auf die Dienste von Ex-Nationalmannschaftschef Michael Ballack zurückgreifen, der nach Verletzung wieder angreift. Ein Dilemma für Heynckes, denn eigentlich hat sein Team zuletzt ohne den Karl-Marx-Städter ziemlich gut funktioniert. Aber kann man einen Mann wie Michael Ballack draußen lassen, wenn er fit. Der greise Trainerfuchs hat sicherheitshalber Abwehrschläfer Sami Hyppiä fürs Absch(l)usstraining aktiviert („Aber lass es wie einen Unfall aussehen“). Mit Wechselspielen kennt sich dagegen Thomas Tuchel bei Mainz 05 bestens aus. Taktik-Tom hat seine Jungspunde in 17 Spielen gefühlt in 17 verschiedenen Konstellationen antreten lassen. Geschadet hats auf jeden Fall nicht. Ob es allerdings für den ganz großen Wurf (Europa) reicht, ist schwer zu sagen. Doch solange der Manager in einer Europapokalteilnahme eine „Gefahr“ sieht, tun seine Spieler gut daran, die Sache in Zukunft etwas ruhiger angehen zu lassen. Das ist dagegen bei Borussia Dortmund undenkbar, also etwas ruhig angehen lassen. Das ist auch gut so, denn auch wenn Jürgen Klopp und seine Jungens nach einer Weltklasse-Hinrunde einsam an der Spitze ihre Kreise ziehen, so warnt man in Dortmund völlig zu Recht vor Leichtsinnigkeiten. Denn wenn man trotz 14 Punkten Vorsprung auf die Bayern noch einen Kuba machen sollte, dann dürften sich wohl alle beim BVB einen neuen Job suchen. Was auch passiert, es wird spannend. Ganz bestimmt.