Halbzeit: Gewinner und Verlierer

17 aufreibende Spieltage liegen hinter uns, und selten hat die Bundesliga einen solch unerwarteten Verlauf genommen wie heuer. Oben ist unten, unten ist oben – und mittendrin heißt nicht unbedingt dabei. Mauertaktik hat die drei größten Krisengewinnler und Verlierer.

Die Halbzeit-Gewinner:

Graumausistan

Hannover, Freiburg, Frankfurt, Mainz – eine Riege von Klubs, die traditionell irgendwo zwischen „amüsante Geldverbrennung“ und „Was wollen die hier?“ rangiert. In den letzten Wochen aber haben die vier Klubs ihre Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt. Skibbie hamsterte Punkte wie Buschkänguruhs Müsliriegel, Dutt führte die Körnermüslitruppe ins Atomzeitalter und Marietta Slomka lieferte nach der beruflichen Umorientierung weiterhin einiges an nachrichtlichem Wert, auch dank Spaßmacher Didier („Auf vollen Touren“) – und Thorsten Tröte schaffte es, mit seiner B-Jugend bis auf Platz zwei durchzustarten – ohne dabei einen Deut sympathischer zu werden. Wahnsinn! Mauertaktik-Prognose (dennoch): Bis auf Mainz geht es für alle wieder ruckizucki zurück ins Mittelmaß. Den einen oder anderen grauen Star inklusive.

Kloppo

Und während Tröte noch schrubbt und feilt, ist der Kloppomat schon am feiern. Der Übungsleiter mit der langen Mähne und wechselnden Kopfbedeckungen ist diese Saison allen um eine Nasenlänge voraus. Dortmunds internationale Jugendfreizeit ist zwar bereits beendet, aber hier in unserem Heimatschland sind Kloppos Jungs immer noch die Coolsten von der Schule. Das Halbjahreszeugnis ist gespickt mit Dreiern, und sollten keine größeren Krankheitsausfälle die Klassenbilanz trüben, wird Pauker Klopp mit seiner 09. Klasse die Mathe-Olympiade locker gewinnen.

Rasenheizung

Ist das ein Winterchen, Kinder! So viel Weiß war vor Weihnachten selten. Und das dollste: Trotz alpiner Verhältnisse in den deutschen Stadien gab es keinen einzigen Spielausfall! Sensationell, was die Rasenheizungen des 21. Jahrhunderts in Verbindung mit dem guten alten Schneepflug und den noch besseren und noch älteren Kehrbesen möglich gemacht haben. Und wenn die weiße Pracht allzu hartnäckig vom Himmel fiel wie gestern in Leverkusen, wurde einfach trotzdem gespielt. Wettbewerbsverzerrung: minimal. Und rote Bälle gehören eben zur Vorweihnachtszeit wie Geschenkehektik und Glühweindelirium.

Die Halbzeit-Verlierer:

Miroslav Klose

Seine letzten großen Auftritte hatte er im DFB-Trikot Anfang Oktober, als er die Türkei und Kasachstan fast im Alleingang zusammenschoss. Danach verschwand Klöschen von der Bildfläche und ermöglichte seinem Rivalen im Team das fulminante Tor-Comeback. Mario Gomez machte seitdem 18 Tore für den Rekordmeister, bei Klose stehen noch satte null zu Buche. Kein Wunder, dass die Wechselgerüchte ins Kraut schießen. Statt sich nach Hoffenheim oder sonst wohin in die Fußballprovinz transferieren zu lassen, empfiehlt Mauertaktik den Wechsel in wärmere Gefilde, um unnötigen Krankheiten vorzubeugen. Katar braucht Entwicklungshelfer, sagt man. Toi, toi, toi!

Van Gaal

Nach reichlich Gladiolen im Frühsommer hätte der knorrige Holländer im Herbst wohl dem einen oder anderen Vorgesetzten lieber den Tod gewünscht – nur im übertragenen Sinne natürlich. Die Bockwurst zwischen ihm und Hoeneß ist jedenfalls zerschnitten, doch immerhin konnte der Tulpen-General zum Ende der Hinrunde noch den einen oder anderen Samen in die Erde bringen. Und wenn die Frühblüher schnell aus dem Boden sprießen, ist vielleicht sogar noch ein Blumentopf zu gewinnen für die Bayern. Warten wir’s ab.

Benztown

Schnelle Gefährte haben sie immer schon produziert am Neckar, doch einen solch effektiven Schleudersitz hat es wohl noch nie gegeben. Grosskellerlabba – drei Trainer, zwölf Punkte. Dafür aber jede Menge Theater und ein aufgebrachtes Publikum, das drauf und dran ist, den Intendanten aus der Stadt zu jagen. Aber hey, Stuttgarter: Die Europa-Tournee geht weiter. Und nach dem Trainer ist vor dem Trainer. Da geht noch was. Die Mauertaktik-Vorschläge für die Rückrunde: Meyer, Neururer, Sundermann. Und am Ende Europa-League-Sieg und Klassenerhalt mit 24 Punkten. Wundern würd’s jedenfalls keinen mehr.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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