Die Trainer des Jahres

van-gaal-tulpen-general2010 – es war das Jahr, in dem die Übungsleiter in eine neue Dimension aufbrachen. Nach den Dekaden der Schleifer und Hütchenaufsteller ist nun das Zeitalter der Konzepttrainer gekommen. Egal ob Oranje, Hippie-Demokratie oder fliegendes Klassenzimmer – ohne schmissiges Motto kommt man nicht mehr zum Erfolg. Hier kommen die drei Übertrainer des Jahres – die den Jahreszeiten ihren fruchtbaren Stempel aufdrückten.

März: Veronika, der Louis ist da

Mauertaktik hatte vor ihm gewarnt. „Van Gaal gilt als ausgemachter Holländer“, schrieben wir im Vorjahr, als der neue Bayern-Coach vorgestellt wurde. Das immerhin hat sich bestätigt, wie schon ein Blick auf den aktuellen Trainerstab des FCB belegt: Andries Jonker (Co-Trainer), Frans Hoek (Torwarttrainer), Hermann van Veen (persönlicher Humortrainer van Gaals) u.v.m. Aber, und das ist die Überraschung: Statt mit dem Radikalkonzept „Oranje boven“ an der Säbener ähnlich schnell zu scheitern wie Otto mit seiner Kratie oder Klinsi mit Grinsi, setzte der „Tulpen-General“ (dt. Presse) zum Triumphzug durch die Grünanlagen Europas an.

Der Weg zum Ruhm begann holprig. Nur durch den Kraftakt im letzten Gruppenspiel bei Juventus Turin überhaupt ins Achtelfinale gelangt, standen Gaals Bajuwaren gegen Florenz und ManU international mehrfach mit dreieinhalb Beinen im Aus. Weil sich aber der immer alles mitschreibende Trainerfuchs die Auswärtstorregel am Besten von allen eingeprägt hatte, war plötzlich das Finale erreicht. In schier atemberobbender Manier. Der Lenz – er war wahrlich die Jahreszeit des Generals (Bergfrühling). Und weil Erfolg (Double plus CL-Finale) bekanntlich alle Schrullen heilt, wurde aus dem grantig-grummeligen Hassobjekt im feucht-fröhlichen Partytaumel plötzlich ein trachtentragender Partylöwe. Bier san eben Bier.

Juni: Summer of Löw

summer-of-loewWettertechnisch war das ein Sommerchen wie zuletzt 2006, meine Herren! Und auch fußballerisch ließ Deutschlands Entwicklungsminister ein wirklich erwärmendes Spektakel in den afrikanischen Winter zaubern. Es war die vorläufige Krönung von Jogi Löws vierjähriger Tätigkeit in Diensten des DFB. Fußball-Exoten wie Australien, Argentinien und England zeigten die deutschen Töppentänzer am südafrikanischen Kap auf, um wie viele Lichtjahre (30 bis 50) wir ihnen voraus sind.

Das Geheimnis von Löw: „Verschieben in Ballnähe“ (Experten) resp. „Irgendetwas Leichtes, Unideologisches, Tänzerisches, Schönes, das Michael Becker nicht mehr versteht“ (Der Spiegel). Ja wirklich, nichts anderes als eine hippieske Kulturrevolution hat dieser tollkühne badische Pilzkopf für einen Sommer angezettelt. Geplante Anarchie statt Diktatur! Statt deutsche Panzer sowie spuckende, pöbelnde und grätschende Platzhirsche in den Zweikampf zu entsenden, hat der Bundes-Jogi ein elfköpfiges Ballett mit prima Fußballerinas gecastet und ihnen den Pfad zur reinen Schönheit in den Matchplan choreografiert. Mein lieber Schwanensee!

Herbst: Klopptoberfest

klopptoberfestSchon während dieses wundervollen Sommers der Liebe kündete ein anderer Fußball-Ästhet von seiner Fähigkeit, das Spiel zum Schönen hin umzuwälzen. Für einen deutschen Privatsender expertete Dortmunds Cheftrainer Jürgen „Kloppo“ Klopp aus allen Kleinstadt-Fuzos dieser Republik. Was er im Juni und Juli noch theoretisch an den Fan brachte, setzte er mit seinem fliegenden Klassenzimmer ab August in die Praxis um. Nichtraucher Klopp predigte seinen Schülern Lasterlosigkeit (außer Playstation), ließ ihnen Pferdelungen einsetzen und brachte ihnen enge Ballführung im Bauwagen-Radius bei.

Das Resultat: Im verschneiten Spätherbst wurde die 09. Klasse des Gymnasiums am Borsigplatz wegen überragender Leistungen direkt in die Oberstufe versetzt. Derzeit liegen Borussias Wonder-Boys klar auf Einserkurs. Und der Coole von der Schule hat vor allem dem Abschreiber Nummer eins aus Mainz, der ihm kurzfristig und als einziger überhaupt den Rang abzulaufen drohte, zum Nachsitzen geschickt. Und während Tuchel noch büffelte, saß das Original, wie immer das rechte Maß parat, bereits als Herbstmeister beim Klopptoberfest. Es kann nur eine Boyband geben!

Bilder: Flickr: Tambako / treivilo / Ethan Prater

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.