Brasilianische Gewohnheiten

brasilien-fussballEin brasilianischer Fußballprofi ist nicht wie ein Wein, der je älter, desto besser wird. Nein, er ist eher wie ein auf der Heizung vergessener Hefekloß. Was das alles mit einem italienischen Radiosender und mit Transsexuellen zu tun hat – im Mauertaktik-Psychogramm nach dem Klick.

Heute wird gemeldet, dass der brasilianische Fußballspieler Adriano vom italienischen Radiosender „Rai 2“ die „Goldene Mülltonne“ überreicht bekommen hat. Damit wird Jahr für Jahr der schlechteste Spieler der Serie A ausgezeichnet. Adriano wurde zum dritten Mal hintereinander derart geehrt. Was der Brasilianer wiederum als verlässliches Zeichen deuten sollte, dass er seine Karriere so langsam wirklich auf den Schuttplatz werfen kann. Oder aber zurück in die Heimat gehen sollte, um dort – übergewichtig und partyfreudig wie er ist – eine Karriere nach der Karriere anzufangen, als sei nie was gewesen. Und siehe da: Corinthians Sao Paolo hat dem vorgealterten Star offenbar schon ein Angebot über 180.000 Euro im Monat unterbreitet.

Bei den Corinthians wäre Adriano überdies in bester Gesellschaft. Großes, dickes Ronaldo ist schon da – und obwohl er mittlerweile aussieht wie eine fleischige Bowlingkugel mit ein bisschen Trikot drüber trifft der WM-Rekordschütze auch mit 34 Jahren und grob gefühlten drei Zentnern Körpermasse noch wie früher, bereits neun Mal in 18 Pflichtspielen dieses Jahr.

Je oller, desto doller

Bereits jetzt aber steht Adriano in einer langen, ehrenvollen Reihe von Landsmännern, bei denen die fetten Jahre im eigentlichen oder übertragenen Sinne erst im Herbst der Karriere so richtig anfangen – und sich die Diskrepanz zwischen Gehaltsscheck und Leistung exponentiell zu entwickeln beginnt. Die „Mülltonne“ bekam auch schon Rivaldo überreicht, der nach einem eher mageren Jährchen bei Milan noch ein bisschen in Griechenland gegen die Pille trat. Ronaldinho, aktuell noch bei besagtem Seniorensportverein tätig (oder sagen wir: unter Vertrag), zuletzt aufgefallen mit gefühlten dreieinhalb Kabinettstückchen und 500 Metern Laufdistanz à 90 Minuten, landete knapp geschlagen auf Platz drei.

Wenn aber die Sonne untergeht und die Trikots in der Zeugwartskammer liegen, dann beginnt für die Jungs der Tag. Adriano beispielsweise hat ein Problem mit alkoholhaltigen Flüssigkeiten, das Flamengos Vizepräsident Marcos Braz einmal folgendermaßen umriss: „Wenn er anfängt, kann er nicht mehr aufhören.“ Je nach Intensität der Lebens- und Sinnkrise kann man auch mal neben einem Transsexuellen aufwachen (Ronaldo) oder die Nacht vor dem Champions-League-Halbfinale seines Teams damit zubringen, „eine brasilianische Party zu feiern, Tamburin zu spielen, unaufhörlich zu tanzen und immer wieder Autogramme zu schreiben“ (Ronaldinho).

Es scheint da ein Muster zu geben.

Auch in Deutschland ist es nicht unbekannt. Nehmen wir beispielsweise Kugelblitz Toni. Der hatte seinen sportlichen Zenit vor sechs Jahren bei Werder Bremen erreicht. Seitdem stand der Wonneproppen aus Paraiba bei nicht weniger als zwölf Klubs unter Vertrag. Respekt – das ist ein Vereinswechsel alle sechs Monate! Vor wenigen Tagen sagte das Ailton (derzeit FC Oberneuland) der „Bild“: „Ja, ich habe Schulden. Ich habe mit den falschen Menschen gearbeitet und ihnen vertraut. Das war ein Fehler.“

Ailton ist derzeit AWOL

Nun ist er das, was in der Army AWOL heißt, absent without official leave, zu deutsch: erstmal weg. „Wo ist Ailton?“, fragen die Gazetten. Doch bevor Jörg Wontorra einen offiziellen Meldeaufruf starten muss, sollten wir alle erst einmal Ruhe walten lassen. Denn schließlich ist bald Weihnachten, und jeder weiß, dass der Brasilianer an sich den Jahresendurlaub gerne mal um ein paar Tage verlängert – mitunter auch nach vorne. Außerdem gehören solcherlei Eskapaden gerade bei betagten Profis vom Zuckerhut, ebenso wie eklatante Formschwächen (s.o.), leider zur Regel.

So wie auch bei Marcelinho, der zu Berliner Zeiten mit einem unüberschaubaren Clan in einer riesigen Villa hauste, mit einem ebenso riesigen Auto zum Training fuhr – stets begleitet von ein paar „Cousins“, die keine weitere Aufgaben hatten als eben da zu sein und den Star auf der Fahrt zum und vom Trainingsplatz ein bisschen zu bespaßen. Jeder Südamerika-Experte weiß: Eine kostspielige Entourage rangiert ganz weit oben in der Kostenliste eines jeden brasilianischen Profis, der was auf sich hält. Gleich dahinter kommen exorbitant teure weiße Pelzmäntel (vgl. Alves, Alex), Klunker jeder Art (vgl. alle) und Unterhaltszahlungen (vgl. Nascimento, Edison Arantes do). Deshalb sind eben auch Gehälter wie 180.000 Euro monatlich nötig.

Lassen wir die kleinen Racker also, wie sie sind – und erinnern wir uns an ihre Zaubereien auf dem Feld. Damals, als es noch keinen Alkohol und keine ungedeckten Schecks gab.

Bild: Flickr / Sergio Savarese

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

11 Gedanken zu „Brasilianische Gewohnheiten“

  1. Noch viel geiler finde ich, dass die Schiedsrichterin erst einmal Regelkunde bei ihrer Linienrichterin einholen muss. Wirklich zu geil! :-)

  2. ich finde zwei dinge an diesem video herrlich:

    1. Die deutsche Trainerin, heiß, heißer, oberheiß
    2. Die deutsche Spielerin mit dem Namen Popp, leider sieht sie nicht so aus…

  3. wenn wir schon auf der ebene landen, dann sei gesagt, dass die frau linienrichterin das heißeste mäuschen aufm platz ist.

  4. @Wasendiego: Der Labba Effekt zieht schon…
    Prognose von Fränck und mir: Er erlebt den nächsten Jahreswechsel nicht als VFB Coach!!!

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