Best of Leitwölfe

matthaeus-effenberg-sammerEines hatten sie alle gemein, die kantigen Leitwölfe von einst, die es nicht mehr wirklich gibt in der Bundesliga: In der Stunde der Niederlage war der Schuldige schnell ausgemacht: Die Anderen. Eine Ode an das Ausrasten von Ritschie K.

Sie stachen hervor aus der grauen Masse, weil sie enorm gute Fußballer waren. Weil sie Dinge auf dem Platz taten, die sonst kein anderer tat. Direkt verwandelte Ecken von Super Mario etwa, oder seine genialen Freistöße aus über 30 m in den Winkel gepfeffert. Ein Matthias Sammer stelzte mit seinen sozialistischen Zahnstocherbeinchen dermaßen beherzt über den Platz, dass man beizeiten meinte es ginge nicht um Fußball, sondern um Niethosen und Bananen. Die eckigen Schultern stets am Limit eingesetzt bolzte der Dresdner Jung die ein oder andere Knolle mit vollem Willen in die Maschen.

Der Tiger krallte, sprang und biss…

Loddars Solo schließlich, anno 90 gegen Jugoslawien – bis heute unvergessen. Ebenso wie seine millimetergenauen Pässe über 50 Meter. Ein echter Libero eben, der Oberfrange. His Effeness erst: ein Meister seines Fachs und der Stolz der gesamten Frisöreninnung. Der Tiger krallte, sprang, biss und spuckte sich direkt in die Herzen der Fans. Der Hobby-Gebärdensprachlehrer traf dabei stets den richtigen Ton in den Medien und mit seinen Mitspielern.

Was aber verband all diese duften Jungs, neben ihren ohne Zweifel außergewöhnlichen Fähigkeiten auf den Greens? Ihr noch außergewöhnlicheres Ego. Wie selbstverständlich gockelten die vier Freunde der Sonne über die sonst nur von niederen Hühnern abgegraste Wiese und dirigierten diese in die entlegensten Ecken. Und wehe einer spurte nicht, dann gab’s Fratzengeballer und Klassenkeile. Denn bitte, wer erdreistet sich, einem echten Führungsspieler nicht blind nachzufolgen? Eben!

Nach Niederlagen: Kein Halten mehr

Und wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Denn nach Spielschluss gab es bei den bärbeißigen Capitanos von einst kein Halten mehr. Selbstverständlich immer nur dann, wenn sie nicht gewonnen hatten. Und wer war stets Schuld? Ein Lothar Matthäus sicher nicht. Wortgewand wie eh und jäh gibt sich der erzürnte Innenausstatter nach Abpfiff, zeigt sich aber später einsichtig:

Ähnlich en Rage zeigt sich Motzkowski Sammer nach einem leckeren 3:3. Geheuchelte Selbstkritik gefolgt von der klaren Aussage, dass ein gegebener Freistoß selbstverständlich des Übels Ursache war:

Vielleicht hatte der massive Blutverlust aber auch zu einer verzerrten Realitätswahrnehmung geführt. Man weiß es nicht. Aber da muss man natürlich auch aufpassen, was man schreibt und wie man etwas schreibt. Denn einmal ans Bein gepieselt, liegt man ganz schnell in der Auffahrt eines gut betuchten Fußballprofis und seiner Zwillingsschwester. Die feinen Herren Millionarios:

Doch jetzt mal Butter bei die Fische. Schön war’s, als man sich auf die Interviews noch freuen konnte, denn „Musse sie die Trainer frage“ oder sonstige vorgefertigte Aussagen der durchgebrieften Kicker sind einfach nur zum Abgewöhnen und als Schlummitrunk zu verwenden. Für mich ist das alles nur:

Bild: Flickr / Tambako the Jaguar

2 Gedanken zu „Best of Leitwölfe“

  1. Das war noch richtiger Fussball. Acker umpflügen und Gras fressen. Da kommt Wehmut auf. Super Artikel!

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