Dzeko und der Trottel

Mit Schirm, Charme und Banane: Die neue englische Daily Soap, produced in Wolfsburg.

Die Trainer wechselten zuletzt häufig in der niedersächsischen Retorte. Auf den allmächtigen Magath und den kantigen Veh folgte Steve McClaren als Cheftrainer des VfL Wolfsburg. Eigenschaften für den Mann ohne Eigenschaften zu finden ist schon ein bisschen schwieriger. In seinem Heimatland ist der Engländer für alle schlicht der Trottel. Genauer: Der Trottel mit dem Schirm – seit er dem Scheitern seiner englischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation unter einem gigantischen Fantasie-Parapluie verfolgte. In England kam beides (Scheitern und Schirm) in etwa so gut an wie öffentliche Schmähungen des Königshauses oder Colatrinken im Pub.

Wie dem auch sei: Für sein erstes Engagement in Deutschland hat sich der Mann mit der Frisur, die irgendwo zwischen Homer Simpson und Bobby Charlton angesiedelt ist, dann auch prompt einen der charismatischsten Ex-Profis an Bord geholt, die unser Land zu bieten hat: Pierre Littbarski, Weltmeister von 1990, der neben dem Brolly-Wally auf der Bank meist ein Gesicht macht, als wäre die deutsche Elf damals in der Vorrunde mit einem 1:5 gegen die VAE gescheitert. Ein Gesicht wie hundert Tage Regenwetter also, was ja wiederum ganz gut passt zu seinem Schirmherrscher.

Eben jener sprach jetzt einen schönen Satz: „Fußball ist ein emotionales Spiel.“ Für viele Millionen ist es das zweifelsohne, doch zu Mr. Griesgram passt die Aussage ähnlich gut wie Tradition zu Wolfsburg. Ging auch nicht um ihn, sondern um Edin Dzeko. Der ist beim VfL irgendwie nicht mehr mit der nötigen Konzentration bei der Sache. Könnte daran liegen, dass er schon im Sommer ins Ausland wechseln wollte, aber nicht durfte. Oder daran, dass seine Mitspieler zumeist von beschränkter Fähigkeit sind und Wolfsburg eigentlich nur wegen Dzekos Einzelleistungen in der Sturmspitze (und Diegos gelegentlichen genialen Anflügen) nicht ganz unten steht.

Doch zurück zu Wally. Dem verweigerte Dzeko den Handschlag nach seiner Auswechslung. Könnte daran gelegen haben, dass er vorher einen Elfer in die Wolken geballert hatte, was wiederum daran gelegen haben könnte, dass Real Madrid offenbar höchst interessiert an einem Transfer des Bosniers schon im Winter ist. „Irgendwie müssen wir so etwas auch verarbeiten“, sagte nun McClaren, und das klang mal wieder irgendwie trottelig. Was daran gelegen haben könnte, dass die Übersetzung irgendwie nicht hingehauen hat. Womit wir wiederum bei Litti sind. Denn der ist ja nicht nur Co-Trainer, sondern auch Dolmetscher für den guten bzw. vor allem alten Steve-O.

Lost in Translaren also. Da hilft nur: Schirm aufspannen und auf besseres Wetter hoffen. So im Mai sollte die Sonne wieder rauskommen.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Dzeko und der Trottel“

  1. ich fänd viel spannender, was dzeko fleischmützchen hinter die ohren geblökt hat.

  2. @ Ritschie: Ich glaube, ich habe da eine Vermutung! Könnte so etwas wie „Jebi si!“ gewesen sein. Und Leute, die ihren Sommerurlaub an der Adria verbracht haben, müssten das auch übersetzen können… 😉

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