Ab in die Sonne!

fussball-afrikaDie Liga bibbert sich einen ab. Schneetreiben, steifgefrorenes Geläuf, rote Bälle allerorten. Und die fest vermummte Fanschar auf den Rängen mutet nach 90 Minuten Schockfrost-Behandlung wie ein aufgeriebenes Bataillon im Kessel von Stalingrad an. Mauertaktik sagt: Das muss nicht sein! Vieles spricht für einen Liga-Export in den kalten Monaten. Hier unsere Vorschläge.

Südtürkei

Wenn Deutschland sich eh abschafft, wie so mancher kolportiert, warum dann nicht aus der Not eine Tugend machen? Statt uns bei Länderspielen in Berlin die besten Sitzplätze von den türkischen Mitbürgern wegschnappen zu lassen, sollte von November bis März einfach in ostmediterranem Terrain gespielt werden. Bei derzeit amtlichen 20 Grad in Antalya wäre ein Gastspiel wie das von Nürnberg und Dortmund ein garantierter Erfolg. Von den Massenmedien schon Wochen vorher als türkisch-osmanisches Duell Gündogan gegen Sahin hochgejazzt, hätte sich bei sommerlichen Temperaturen sicher ein packenderes Duell entwickelt als am Sonntag im fränkischen Winterland. Toprak, Fathi, Tasci, die Altintops und der Rest der Bosporus-Boys würde zwischen Trabzon und Izmir aber sowas von abgefeiert – und vollends in Ekstase verfiele das ganze Land, wenn Real Madrid mit Mesut Özil zum Champions-League-Spiel bei Bayern München antreten würde – im ausverkauften Atatürk-Stadion zu Istanbul…

Japan

Im Land der aufgehenden Sonne ist Baseball (jap.: Besibol, 野球) die Sportart Nummer eins. Das ließe sich ändern – mit „Qualitätsfußball mäid in Tschörmanieh“ (J. Löw). Einfach Anfang Dezember die 18 Profiteams plus Trainer- und Betreuerstab ins Flugzeug gesetzt – und ab nach Tokio. Für den 16. Spieltag am kommenden Wochenende sind milde 15 Grad bei geringer Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt. Wetter wie beim deutschen Saisonfinale Ende Mai also… Absoluter Giga-Star wäre natürlich Dortmunds Shinji Kagawa. Alleine über Trikotverkäufe und die eine oder andere Autogrammstunde des Nippon-Bombers ließe sich das gesamte Unterfangen „Big in Japan“ refinanzieren. Der FC Bayern könnte mit einer Reaktivierung von Olli Kahn, der in Fernost ähnliche Beliebtheitswerte erreicht wie Sushi und Seppuku, Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe einplanen – und sich davon vielleicht mal einen Innenverteidiger kaufen. Weiterer Vorteil: Beckenbauer kann hierbleiben. Den Kaiser gibt’s da nämlich schon.

Südamerika

Seien wir ehrlich: Seit Jahrzehnten wird die Torjägerliste der Bundesliga von Männern aus dem Süden des amerikanischen Kontinents dominiert. Elber, Amoroso, Ailton, Pizarro, Barrios undsoweiterundsofort. Wie würden diese Leute erst aufblühen, wenn sie in heimischen Gefilden für ihre Klubs gegen den Ball treten könnten? Riesenvorteil: Im Winter ist in Südamerika Sommer. Hat irgendwas mit der Erdkrümmung zu tun oder so. Beim Gladbacher Heimspiel im Boca-Juniors-Stadion, für den Anlass in „La Bökelnera“ umbenannt, würde Raul Bobadilla vor seinem fünfhundertköpfigen Familien-Clan richtig aufblühen, die Exklusiv-Touren durch die brasilianischen Elendsviertel, geführt von Rodnei und Luiz Gustavo, könnten die Manager der Bundesligisten dazu nutzen, die Talente von morgen zu casten – gleich von der Straße weg… Einziger Nachteil: Hamburgs Paolo Guerrero wäre wegen der längeren An- und Abreise per Hapag-Lloyd-Frachter nur für zwei bis drei Spiele einsetzbar.

Katar

Die Fifa hat’s vorgemacht – die DFL kann jetzt nachziehen. Schon bald haben die Öl-Scheichs die ersten Retorten-Arenen in den Wüstensand gehauen, und dann kann es auch schon losgehen mit der Rosenwasser™ Bundesliga. Geld spielt bekanntlich keine Rolle im stets flüssigen Emirat am persischen Golf – weswegen die DFL-Delegation sicher eine Antrittsprämie in stattlicher Höhe für die Klubs heraushandeln könnte. Das Wetter ist im Winter auch für katarische Verhältnisse frostig – über 26 Grad dürften sich aber die wenigsten deutschen Profis beklagen. Weiterer Vorteil: Die Crème de la crème der deutschen Fußballzunft mit der Speerspitze Uli Stielike befindet sich ohnehin schon da unten – oder war mal da (Effenberg, Sidka, Pagelsdorf). Und die Fußball-Begeisterung im Land des 113. der Fifa-Weltrangliste kann nur nach oben gehen. Na dann: انطلاق المباراة في الصحراء!

Bild: Flickr /Stig Nygaard

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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