Fritz C. Klautermann (12)

klautermannDer FCK hat einen Lauf. Aus vier Spielen gegen direkte Konkurrenten zehn Punkte. Das freut auch unseren Kolumnisten Fritzchen K., der feststellt, dass Angriff irgendwie dann doch die beste Verteidigung ist – und die Pyrotechniker des Offensivfeuerwerks gegen Schalke vorstellt.

Der 1. FC Kaiserslautern hat eine praktische Lösung für die Abwehrprobleme der letzten Wochen entdeckt: Den Angriff.

Nachdem der Dreitorevorsprung in Nürnberg fast noch dahingeschmolzen wäre (um Lattenbreite!), produzierte der Lauterer Angriff gegen Schalke einfach fünf Treffer. Um ganz sicher zu gehen. 25 Mal haben die Pfälzer Kiefern den Ball in diesem Jahr nun schon ins Netz gelatscht – Platz fünf im Ligavergleich. Das hat Gründe. Hier sind vier davon.

Der erste hört auf den Spitznamen „Lucky“. Vielleicht weil er so schnell und genau schießt wie Comic-Cowboy Lucky Luke, was er bereits beim ersten Pflichtspiel der Saison, dem Pokalauftritt in Osnabrück, bewies. Vielleicht auch einfach wegen seines Nachnamens: Lakic, Srdjan. Die Speerspitze der Lauterer „Itsch“-Connection in der Offensive. Neun Tore in der Liga, dazu vier in zwei Pokalspielen. Lakic hat den klassischen Lauf eines Stürmers, was umso erstaunlicher ist, da er in den letzten Partien stets Einzelkämpfer war. Um auf den Punkt zu bringen, was ihn ausmacht, müssen wir das alte Mill’sche Diktum bemühen: Mit allen Abwassern gewaschen.

Seit dieser Woche haben sie außerdem einen ganz Neuen da oben auf dem Betzenberg. Er wird Lionel Tiffi genannt. Bislang hieß er weniger exotisch Christian Tiffert. Doch die Mischung aus Präzision und Genialität, mit der der Ex-Duisburger seine Pässe zu verteilen pflegt, verleitet die Fans zu überbordenden Vergleichen. Für das FCK-Spiel derzeit so wichtig und zentral wie Schweinsteiger für die DFB-Elf in Südafrika. Auch wegen seiner chirurgischen Standards stehen für Tiffy bereits acht Torvorbereitungen zu Buche – das ist, ganz nebenbei, ligaweit unerreicht.

Vor Tiffert in der Scorerwertung steht übrigens noch ein anderer Lauterer. Ivo Ilicevic, der sich durch fünf Tore und fünf Assists zehn Zähler erarbeitet hat. Bisweilen auch erzaubert, denn dem Traumtor gegen die Bayern, das selbst im fernen Dubai die Kommentatoren verzückte („Muschmunken, Muschmunken!“) folgte gegen Gladbach eine fast exakt spiegelverkehrte Kopie mit dem linken Schlappen. Bei seinen Garrincha-Haken hat man meist Angst, dass er umfällt oder sich die Beine verheddern, doch der Eindruck täuscht. Auch wegen seiner Schnelligkeit hat er die Lizenz zum Erlegen des Gegners. Die Fans lieben ihn. „Ivooooo, Ivooooo!“ ist der neue Lieblings-Gesang (zusammen mit dem Klassiker „Gerry, winkemol!“).

Sein stärkstes Spiel in diesem Jahr machte gegen Schalke Jan Morávek. Er spielt so etwas wie den offensiven Staubsauger, ist eigentlich genau hinter Lakic angesiedelt, war am Samstag aber praktisch überall zu finden – auch auf beiden Flügeln zum Pressing gegen die Außenverteidiger oder zur Unterstützung der eigenen offensiven Außen. Kurzum: Eine begeisternde Laufleistung, der der gerade 21 gewordene Jungspund mit dem Tor zum 5:0 ein Krönchen aufsetzte. Schalke, das nur nebenbei, ist übrigens der Klub, von dem Stefan Kuntz den Tschechen im Sommer loseiste – für ein Jahr vorerst, auf Basis des in der Finanznot bewährten Lauterer Leasing-Modells…

Und selbst die Verteidiger machen jetzt vorne munter mit. Nachdem Mathias Abel noch aus kürzester Entfernung noch die falsche Seite neben dem Pfosten (die ohne Netz dahinter) angepeilt hatte, erzielte sein Nebenmann Martin Amedick nach ungezählten Fast-Toren in den Spielen zuvor nun gegen Schalke seinen ersten Saisontreffer – wie gewohnt per Kopf nach einer Ecke.

Es war aber Lionel Tiffi, der in seiner typischen flüsternd-bestimmenden Art das Wort zum Spieltag lieferte, als er in Anspielung auf den starken Champions-League-Auftritt der Schalker sagte: „Mittwoch war Mittwoch. Heute war Betzenberg.“

Man könnte auch sagen: Gestern war Abwehr. Heute ist Angriff.

Bild: TimTim.com

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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