Trainer-Trend: Borderliner

hb-maennchenSie haben es nicht leicht. Nie dürfen sie mitmachen, ständig stehen sie einsam am Rand. Was in der Grundschule die übergewichtigen Brillenschlagen waren, sind im Bundesliga-Zirkus die Trainer. Vieles ist daher entschuldbar – aber NICHT alles! Mauertaktik-Küchenpsychologe Fränck von Schleck skizziert die neueste Entwicklung: Borderline an der Außenlinie.

Die Meldungen häufen sich.

Fallbeispiel 1: Vor zwei Wochen wurde Wolfsburgs Co-Trainer Pierre Littbarski vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes mit einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro belegt. Der sonst so japanisch-ausgeglichene Weltmeister von 1990, der im multinationalen Coaching-Team von Trainer Steve McClaren vor allem für das Beseitigen von Verständnisproblemen zuständig ist, war in der Partie gegen den FC Schalke zu einem geifernden Rumpelstilzchen mutiert und hatte brüllend und keulenschwingend die Coaching-Zone verlassen. Imperator Stark (siehe Video) ließ den Samstagsausflug von Litti-San nicht auf sich beruhen und schickte ihn prompt auf die Tribüne. Im Nachgang wurde dann noch obiger Betrag gepfändet.

Fallbeispiel 2: Basel, Dienstag vor einer Woche. Der FC Basel empfängt zur Champions-League-Partie den CFR Cluj. Als das Spiel nicht zu Gunsten seiner Mannschaft läuft, knallen bei Gästetrainer Sorin Cartu die Sicherungen durch. Der stadtbekannte Choleriker, der in seinem Heimatland schon seit mehreren Jahren keine Haftpflichtversicherung mehr abschließen kann, tritt in die Begrenzungsscheibe der Trainerbank, bis diese nur so splattatert. Als Cartu im Anschluss seinen Dolch zückte und auf den Schiedsrichter losgehen wollte, musste ihn der Klub-Manager mit aller Kraft bändigen. Wohl vorwiegend aus Angst um Gesundheit der Spieler entließ der rumänische Klub Cartu nach dem Spiel. Wie dieser auf seine Demission reagierte, ist nicht noch nicht überliefert. Die anwesenden Journalisten werden noch stationär behandelt…

Fallbeispiel 3: Selbst der Mainzer Mustertrainer Thomas Tuchel geht mit großer Wonne auf die Unparteiischen los. Schon beim Pokal-Aus in Aachen wurde der dünnhäutige Neutrainer auf die Tribüne geschickt, weil er eine Wasserflasche zu Boden geschmettert hatte (Tuchel: „Ich habe sie eher hingeschnippt“). Auch in der Bundesliga tickt der ungestüme Jungspund mit der Regelmäßigkeit eines gut geölten Metronoms aus. Bei der Partie gegen Hannover therapierte er sich dann selbst – und begab sich bereits nach sechs Spielminuten in Sicherheitsabstand zum Mann an der Linie. „Jetzt denkste mal über das nach, was du gemacht hast und kommst dann wieder rein“, flüsterte sich der gescheiterte Diplom-Pädagoge selbst zu. Es ging gut – bis zur nächsten Fehlentscheidung.

Angestauter Frust? Unbändige Wut? Amokfantasien? Es geht auch anders!

Lernen können die der Borderliner an der Außenlinie hier vom Alphamännchen ihrer Zunft. Felix Magath, der als mehrfacher deutscher Meister öffentliche Ausraster nicht mehr nötig hat, schaute nach dem Schalker 0:5 bei Kaiserslautern nur grimmig statt in den Katakomben zu randalieren. Und reagierte am nächsten Tag mit unerbittlicher Härte. Winterpause? Nicht bei Quälix. Nun dürfen die Schalker Spieler bereits am 27. Dezember wieder mit dem Lauftraining beginnen. Und die Trainerbank auf dem Betzenberg ist noch ganz… Es geht doch!

Bild: Flickr / frollein2007

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Trainer-Trend: Borderliner“

Kommentare sind geschlossen.