Nordisch by nature

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Nur wenige werden zusammen alt auf der Trainerbank

Am Sonntag unterhält die Bundesliga die ganze Republik mit einem Nord-Derby. Bremen gegen St. Pauli. Die beiden sympathischen Nordlichter eint zur Zeit nicht nur der abgrundtiefe Hass auf den HSV, sondern auch eine stattliche Krise. Mauertaktik prüft beide Teams auf Herz und Nieren (s.u.).

Stadion

Strand, Cocktails, schöne Bälle – der Traum eines jeden Mannes. Vor allem, wenn alle drei Dinge zusammenkommen. In Bremen gibt es zwar Sandstrand (Baustelle im Weserstadion) und Cocktails („Ahlenfelder“, also Pils und Malteser), nur an schönem Ballsport wird an der Weser zur Zeit mächtig gespart, was natürlich reichlich unklug ist, wenn man Fußballfans begeistern will. Eleganter lösen das die Hamburger. Denn der FC St. Pauli hat zwar auch Sand im Getriebe, aber dürfte wohl der einzige Verein der Welt sein, der in seinem Vip-Bereich, den die Kiezkicker sinnigerweise in „Separees“ aufteilen, GoGo-Stangen hat. Und verdurstet ist in Hamburg wohl auch noch niemand.

Trainer

Beide Chefs haben einen ganz besonderen Draht zu ihren Co-Trainern. Nicht irgendwie zusammengecastet, sondern in beiden Vereinen ist auf der Trainerbank über lange Jahre eine intime Liebe gewachsen. Oberpirat Stanislawski gesteht ganz unverhohlen über seinen Assistenten Andre Trulsen: „Wenn Truller Brüste hätte, hätte ich ihn geheiratet!“ Zitate über den anderen sind dagegen in Bremen Mangelware. Thomas Schaaf und Wolfgang Rolff sieht man zwar oft auf der Bank miteinander tuscheln, aber was die beiden Freunde sich da zuflüstern, kann man nur erahnen. Vielleicht so: „Hättest du nicht so eine lustige Frisur, würde ich mit meinem Schnurri ziemlich albern aussehen!“ Vielleicht aber auch ganz anders.

Vereinslegenden

Ivan Klasnic hat bei beiden Vereinen gespielt, ob er jedoch dort Legendenstatus hat, sei dahingestellt. Auf jeden Fall lohnt bei diesem „Klasnicker“ ein Blick zurück auf bessere Tage. St. Pauli ließ von den Fans eine Jahrhundert-Elf wählen mit Wahnsinnstypen wie Klaus Thomforde und Walter Frosch. In Bremen gab es früher schon derart viel Stars, dass selbst die diversen Neu-Trainer zwischen der Ära Rehhagel und der Ära Schaaf ins Schleudern kamen. So zum Beispiel „die beste Wahl“ (Präsident Böhmert) Aad de Mos, der seinen Spielern bei seiner Antrittsrede 1995 versicherte, dass er sich bestens auf seine neuen Spieler vorbereitet hat, und dann an Frank Neubarth gewandt versicherte: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, Herr Bratseth!“

Bilanz

Beide Teams müssen auf jeden Fall mal so richtig Vollgas geben, denn beide können und dürfen sich keine Niederlage leisten. Von der Bilanz her können die Bremer gelassener an die Sache herangehen, denn diese spricht eine klare Sprache pro Werder. Bei 14 Spielen in der Liga steht für die Paulianer nur ein Sieg zu Buche. Doch dass Begegnungen der beiden Nordlichter durchaus unterhaltsamen Charakter haben können, zeigte zuletzt im Januar 2006 die DFB-Viertelfinal-Schlacht am Millerntor, bei der der SV Werder bei ziemlich grenzwertigen Witterungsverhältnissen unter die Schneeketten kam (sogenannter Nord-Cup). Und da ja immerhin schon November und das Wetter im Norden des Landes unberechenbar ist, können wir uns auf einen heißen Tanz einstellen.

(Bild: flickr.com / Candida.Performa)