Kraft, die Leiden schafft

thomas-kraftWahnsinn, dieser FC Bayern! Nicht nur ist dies wohl der einzige Klub der Welt, der es schafft, ein Spiel nach Zweitorevorsprung noch zu verlieren, um am Ende doch zu jubeln. Nein, auch zaubern die FCB-Verantwortlichen im Halbjahrestakt neue Keeper-Hoffnungen aus dem Hut. Mauertaktik stellt ein paar von ihnen vor.

Thomas Kraft

Der Wiedergänger des Ausnahme-Keepers Michael Kraft (1. FC Köln) hat sich am Dienstagabend in die Annalen des viermaligen Champions-League-Siegers gespielt. Der patente Ketchup-Erbe garnierte den Betriebsausflug der Münchner Fußballgourmets mit einer vergifteten Kirsche, als er den entscheidenden Elfmeter erst verursachte und dann durch den Fangarm schluppen ließ. Dabei hatte doch alles so gut angefangen – für die Mannschaft wie für ihren Keeper, der sich besonders in Hälfte zwei mit einer doppelten Rettungstat auszeichnete.

Der Weg des 22-Jährigen, der ihn (natürlich) nach Rom führte, begann einst bei den Sportfreunden Daaden, was in der Nähe von Koblenz (resp. „daahinden“) liegt. Nach einem zweijährigen Quiz-Praktikum unter Chefcoach Jauch beim VfB Wissen stieß Kraft 2004 zur zweiten Garnitur der Bayern, für die er schon rekordverdächtige 103 Spiele machte. Im Field-Interview nach dem Abpfiff wollte sich Kraft wohl deshalb auch noch nicht so recht entscheiden, ob er künftig erster oder zweiter Keeper sein will. „Hm, kopfkratz, weißnich.“ Vielleicht können wir ja Entscheidungshilfe geben mit den folgenden Exempeln:

Rensing Norgay

Flieger, grüß mir die Sonne! Einst als hoffnungsvollster Aufsteiger beim Rekordmeister gehandelt, hat der Bruchpilot mittlerweile seinen Flugschein gänzlich verloren. Nach mehreren desaströsen Ausflügen hoch hinauf in die Atmosphäre war Rensing sichtlich von der Höhenkrankheit gezeichnet und musste auch seine ambitionierte Alpin-Karriere unterbrechen. Derzeit hält er sich mit Hans jung und fit – belässt es aber vorsorglich bei Steigerungsläufen in der Garageneinfahrt. Denn wer zu schnell zu hoch hinaus will…

Dabei offenbarte Rensing bereits in jungen Jahren eine Eigenschaft, die auch für Profi-Bergsteiger unerlässlich ist. Sie wissen nämlich, wann das Seil zu kappen ist… Der Jungkeeper jedenfalls schoss im April 2006 beim Aufwärmen dem etatmäßigen Keeper Oliver Kahn das Leder derart wuchtig in die Kiemen, dass der für das Spiel gegen Arminia Bielefeld ausfiel. Und wer spielte? Rensing! Leider erwies sich der Titan im Nachgang zäher als erwartet und schleppte sich noch über die steilsten Bergkämme, sodass erst 2008 das (kurze) Stündchen des Scherpas schlug.

Bernd Dreher

Der passionierte Bankdrücker vereinte die Ausstrahlung eines Berti Vogts mit dem Körperbau eines Mehmet Scholl – was für einen Schlussmann nicht eben von Vorteil ist… Dreher war’s wumpe, er saß in seiner Zeit auf der Bank des FC Bayern mehr aus als Helmut Kohl – feierte Titel um Titel und musste doch selten einen Tropfen Schweiß dafür vergießen. Deutschlands erfolgreichster Nichtstuer brachte es in zehn Jahren FC Bayern auf satte 13 Bundesligaspiele. Einzig beim Ausrechnen seines Stundenlohns dürfte Dreher daher wirklich Spaß gehabt haben.

Wenn man nicht wüsste, wie es um den siechen Grotifanten dieser Tage bestellt ist, würde man sagen: Wärste mal in Uerdingen geblieben! Denn bei der Werkself aus Krefeld drehte Bernd zwischen 1990 und 1996 immerhin 201 Dinger im Liga-Alltag. Heute ist Bert Turner übrigens wieder im wilden Westen angekommen – und instruiert Manuel Neuer beim FC Schalke. Dabei dachten wir bislang immer, der wolle die Nummer eins bleiben…

Im weiteren Kreis:

Sven Scheuer, 20 Bundesligaspiele in 11 Jahren FC Bähn. Der Mann mit der Matte war weder für Aumann noch für Kahn auch nur ansatzweise gefährlich. Wurde trotzdem fünf Mal Meister und UEFA-Cup-Sieger. Glückwunsch!

Bild: Flickr / ginnerobot

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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