Schweden-Schland | Das Wort zum Bild

deutschland-schweden-2006Im Video-Countdown haben wir bereits die vergangenen Duelle zwischen Deutschland und Schweden ins Bild gesetzt. Doch was sind die Hintergründe, die kleinen Geschichten und Anekdoten rings um die packenden Duelle mit unseren sympathischen Nachbarn aus dem Norden? Die Mauertaktik-Historiker haben die vergangenen Spiele beleuchtet.

1958: „Nein, mein Herr!“

Nichts weniger als unlauteren Wettbewerb witterten die fairen deutschen Sportsmänner um Reichs- quatsch: Bundestrainer Sepp Herberger rings um das Halbfinale bei der Weltmeisterschaft vor 52 Jahren. Nicht genug, dass die Fifa die Schweden dadurch bevorteilte, dass sie ihnen ausschließlich Heimspiele zuloste, nein, der Weltverband ließ außerdem den Einsatz fanatischer Fahnenjunker vor den Fankurven zu. Derart angestachelt und aufgehetzt entfachten die schwedischen Schlachtenbummler einen Krach, der den sensiblen Deutschen, allen voran Fritz Walter, arg zusetzte.

Walter erlitt in der zweiten Hälfte einen Hörsturz aus nicht unbeträchtlicher Höhe, bei dem er sich am Knöchel verletzte. Zu allem Überfluss ließ sich Erich Juskowiak noch zu einem deutsch-schwedischen Disput über die Vormachtstellung in der Kinderbuchfrage verleiten („Lindgren!“ – „Preußler!“ – „Nein, mein Herr!!“ – „Ja, mein Herr!!!“), in Folge dessen Schiri Zsolt ihn zum Holzpuppenschnitzen in die Kabine schickte. Das Ende ist bekannt: Die Schwedenplatten verschwanden aus den deutschen Wirtshäusern. Bis…

1974: Ronnies Strafversetzung

Bis wir uns 16 Jahre später für die Schmach von Göteborg revanchierten. So einiges hatte sich in der Zwischenzeit geändert: Das Heimrecht war auf Deutschland übergegangen, die Koteletten waren ins Unermessliche gewuchert – und das Fernsehen übertrug jetzt in Farbe. Und der Weltmeister wurde nun in zwei Gruppenphasen plus Finale ermittelt, weil die Fifa gesundheitliche Schäden der Feierlichkeiten nach Siegen in der K.o.-Runde fürchtete (sog. „punsch drunk“-Symptom). Wie dem auch sei, Deutsche und Schwähden begegneten sich mit offenem Visier und lieferten sich bei strömendem Regen einen Kampf, bei dem keine Gefangenen gemacht wurden.

Während Ralf Edström kalt wie Hundeschnauze zum 1:0 einnetzte, verzweifelten Schöns Stürmer reihenweise am wie irre auf seiner Linie herumspringenden Ronnie Hellström, der deshalb im Nachgang des Turniers unter falschen Vorzeichen zum abstiegsbedrohten aus Kaiserslautern strafversetzt wurde. Nach einer Stunde stand es 2:2, doch dann kamen Grabowski und ein gewisser Ulrich Hoeneß, die den Endstand herstellten. Deutschland wurde Weltmeister – und Schweden schwenkte von Fußball auf Kultur-Imperialismus um. Bereits am 17. Oktober 1974 wurde in Eching bei München der erste Ikea-Markt in deutschen Schlanden eröffnet.

1992: Schalldämpfer per Direktfreistoß

Nachdem sich Bertis Boys in der Vorrunde mit Fantasienationen wie Schottland (eigentlich Großbritannien) und den GUS (eigentlich Sowjetunion) hatten herumschlagen müssen und gegen die Niederlande taktisch klug den Kürzeren zogen, um ihnen im Finale zu entgehen (vgl. DDR 1974, die), kam es im Halbfinale von Stockholm zum Aufeinandertreffen mit den (wieder mal, Skandal!) Gastgebern. Um den wieder einmal ziemlich nervigen „Heja! Heja“-Rufen zu begegnen, entschloss sich Icke „Thomas“ Häßler bereits nach 10 Minuten zum Schalldämpfer per Direktfreistoß. Rubi MC und DJ Sexy Knees auf der Kommentatorentribüne rasteten ebenso aus wie die drei Handvoll anderen deutschen Fans auf den Rängen. Am Ende eines turbulenten Spiels stand des 3:2 für uns – und wenige Tage später waren wir vollkommen zurecht Europameister, Berti hatte die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal und… äh, ja, fast.

2006: Strickware made in Tschörmänieh

Wer richtig mitgerechnet hat, wird völlig korrekt feststellen: Es ist mal wieder ein WM-Spiel auf deutschem Boden dran. Und richtig: Vor vier Jahren beorderte Sepp Blatter dann die Welt zu Freunden (sind neuerdings wir) – und setzte qua Fifa-Bulle die Achtelfinalpaarung Schland-Schweden in München an. Die Geschichte der ersten Viertelstunde ist schnell erzählt: Zwei Mal Klose Antritt, zwei Mal Poldi Tor, einen rechts, einen links, einen fallen lassen! Prinz Peng und King Knall, das ist feinste Strickware made in Tschörmänieh. Ab da wurde fein verwaltet und als freundlicher Gastgeber, der wir waren, luden wir die ebenso freundlichen Gäste aus dem Skandinavischen noch zum Ehrentreffer ein. „Larsson reinströmen“, raunte Lehmann dem kleinen Stürmer zu, doch der wollte das Gastgeschenk partout nicht annehmen. So ging das Spiel unter den eitlen Pfiffen von Schiri Carlos Simon seinem friedlichen Ende entgegen. Kurz darauf war Schland dann Weltmeister, Klinsi hatte die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal und wir… ach, lassen wir das!

Bild: Flickr / Aenneken

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.